Samstag, 12. März 2011

Samstagsrezension Helga König: Fasten- Der Weg nach Innen - Anselm Grün

Der Benediktinermönch Anselm Grün reflektiert in diesem Buch, welchen Zweck das Fasten im Zeitraum zwischen Aschermittwoch und Ostern erfüllen soll. Grün möchte mit seinen Meditationen die fastenwilligen Leser durch die 40 tägige Fastenzeit begleiten, damit das Fasten nicht nur ein Entschlacken des Körpers zur Folge hat,  sondern die Phase auch eine „heilsame und heilende, eine befreiende und reinigende Zeit wird“.

Grün erklärt, was man unter einem „Aschenkreuz“ am Aschermittwoch zu verstehen  und welche Bedeutung  dieses Kreuz für Katholiken hat. Der Priester sagt, wenn er die Asche auf das Haupt eines Fastenwilligen ausstreut stets: “Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“ Die Fastenzeit soll uns also lehren, uns unserer Begrenztheit und Vergänglichkeit zu stellen. Die Fastenzeit muss man als eine Zeit der Buße begreifen, (vgl.: S. 2)

Grün lässt den Leser wissen, dass das deutsche Wort "Buße" vormals „besser“ bedeutet hat. In den 40 Tagen sollen wir leben, wie es unserem höheren Selbst entspricht. Buße kann, so der Autor, in seiner ursprünglichen Bedeutung auch „Heilung“ bedeuten. Gemeint ist nicht nur eine Heilung des Körpers, sondern auch des Geistes und der Seele.

Jesus fordert uns alle auf, während des Fastens besonders gepflegt auszusehen. Wir sollen nicht verbissen und voller Bitterkeit fasten, denn Fasten soll die innere Schönheit in uns aufdecken. Fasten soll uns in erster Linie guttun, (vgl.: S.5). Der Autor hält fest, dass Fasten sensibler macht und man seinen Körper bewusster erlebt, man sich letztlich freier und schöner fühlt.

Jesus hat mit Fasten auch das Beten und Almosengeben verbunden, weil dieses zu tun, unser höheres Selbst zufriedener stimmt, weil wir dann im Einklang mit Gott leben.

Man liest von den drei Versuchungen Jesu. Dabei handelt es sich um die drei grundlegenden Versuchungen, die auch wir auf dem Weg der Menschwerdung erfahren, (vgl.: S.7).

Die zweite dieser Versuchungen besteht darin, Gott für sich zu benutzen. Grün schreibt, dass viele spirituelle Menschen dieser Versuchung unterliegen, indem sie Gottes Geist für sich beanspruchen und sich damit selbst aufblähen. Solche Menschen halten sich für etwas Besonderes und stellen sich über die anderen, ( vgl.: S.8).

Das Ziel der Fastenzeit ist die Verklärung. In uns soll sich etwas klären, klarer, durchsichtiger, reiner werden. In der Verklärung wird unser höheres Selbst sichtbar. Wenn wir dieses höhere Selbst durch ernsthaftes Fasten nach außen bringen, beginnen wir zu leuchten, d.h. etwas positives auszustrahlen. Grün schreibt: „ Dieses göttliche Bild in uns ist oft genug verstellt von unseren eigenen Bildern, vom Bild unseres Ehrgeizes, vom Bild unserer Größenphantasien oder vom Bild unserer Selbstentwertung,“ (Zitat S. 10). Indem wir beten, sollen diese selbstgemachten Bilder von uns abfallen, denn nur auf diese Weise kann das Ursprüngliche in uns aufleuchten. Gerade während der Fastenzeit soll man häufiger am Tag innehalten und seinem inneren Wesen nachspüren. Fasten ist immer eine Zeit der inneren Reinigung, eine Art Frühjahrsputz des inneren Seelenhauses.

Wir müssen aufhören, uns vor uns selbst zu verschließen, sondern Demut lernen. Grün schreibt, dass man unter Demut den Mut versteh,t zur Erde hinabzusteigen, sich hinabzubeugen zu unserer Menschlichkeit, (vgl.:S.14). Der Benediktinermönch führt den Leser in seinem Text gedanklich durch die gesamte Fastenzeit und macht klar, dass in der Karwoche schließlich Jesus uns völlig mit seiner Liebe durchdringen möchte und damit  auch unsere Angst und Ohnmacht, unsere Verzweiflung und Depression, unsere Einsamkeit und unserer Gefühl des Unverstandenseins durchdringt. Das ist möglich, wenn wir uns zuvor mit Körper, Seele und Geist vollständig auf das Fasten eingelassen und mit unserem höheres Selbst im Einklang zu leben begonnen haben. Auf diese Weise wird es uns gelingen, das Osterfest als ein Aufleben zu begreifen. „Die Liebe ist stärker als der Tod, das Grün vertreibt das Grau des Winters,“ so die hoffnungsvolle Botschaft Anselm Grüns. Beginnen wir also zu fasten, um mit uns selbst im wirklichen Einklang zu leben und die Liebe Gottes zu spüren.

Ein nachdenklich stimmendes Büchlein. Empfehlenswert.






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