Freitag, 4. März 2011

Freitagskolumne - Guttenberg: Über Anstand, Moral und andere Verlogenheiten

Ursula Prem
Es gibt Dinge, die wir einfach alle wissen, da sie für jeden normal Vernunftbegabten klar auf der Hand liegen. Und manchmal sind es ziemlich dicke Hunde, Sachverhalte, die nach Recht und Gesetz nicht durchgehen dürften, aber, obwohl allgemein bekannt, keinerlei Konsequenzen nach sich ziehen. Ein Beispiel dafür: der Krieg in Afghanistan. Noch jemand hier, der wirklich daran glaubt, dass auf diese Weise Terroristen bekämpft werden? Oder gar um die Durchsetzung der Menschenrechte in Afghanistan gestritten wird? – Nein. Jedem ist heute klar, dass es um den Zugang zu den unermesslichen Bodenschätzen des Landes geht. Da wir aber allesamt morgens gerne in den Spiegel schauen wollen, ohne dass uns dabei die Fratze eines schäbigen Diebes entgegengrinst, haben wir uns stillschweigend auf die offizielle Lesart geeinigt: Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Sicherheit. Darum, und nur darum geht es. »Das andere« werden wir hinterher im Zweifelsfall wieder einmal nicht gewusst haben, werden alle anderslautenden Stammtischgespräche heutiger Tage so weit verdrängen, dass wir ehrlichen Herzens werden sagen können: »Aber ich dachte doch, wir sind an einer guten Sache beteiligt!«

Diese bigotte Verlogenheit sorgt dafür, dass nur das »wahr« sein kann, was offiziell bekannt ist. So lange man nur weiß, dass alle es wissen, stellt die größte Sauerei kein echtes gesellschaftliches Problem dar. Sorgt jedoch das Instrument der Offiziellmachung dafür, dass alle Menschen um ihre gegenseitige Mitwisserschaft wissen, dann fühlt der Einzelne sich bedroht und zu persönlichem Handeln aufgefordert. Denn das Wissen um eine Sache abzustreiten, das ist nach ihrer Offiziellmachung nicht mehr möglich. Ich kann nicht mehr sagen: Das habe ich nicht gewusst. Also ist die Zeit des Sich-Empörens gekommen. Demonstrieren, dass man das alles unmöglich findet, das ist das Gebot der Stunde nach einer Offiziellmachung.

Über diesen Mechanismus und seine sensiblen Anwendungsregeln ist schon Bundespräsident Horst Köhler gestolpert. Dass er sagte, was alle längst wussten, hat ihm nicht nur Freunde gemacht, denn er hat viele verantwortliche Politiker damit ein Stück weit um die Möglichkeit gebracht, sich und uns weiterhin in die Tasche zu lügen. Auch Karl-Theodor zu Guttenberg nahm diesbezüglich kein Blatt vor den Mund: »Der Bedarf der aufstrebenden Mächte an Rohstoffen steigt ständig und tritt damit mit unseren Bedürfnissen in Konkurrenz«, befand er im November 2010 und handelte sich damit harsche Kritik der SPD und der GRÜNEN ein. Guttenberg war es auch gewesen, der als erster Offizieller das deutliche Wort »Krieg« für die so verschämt als »Afghanistaneinsatz der Bundeswehr« bezeichnete Aktion in den Mund genommen hatte. Die Bevölkerung war von dieser ungewohnten, entwaffnenden Ehrlichkeit eines Spitzenpolitikers begeistert. Die Verantwortlichen für das Desaster in Afghanistan waren es weniger, wie man sich leicht vorstellen kann. Zu gemütlich hatten sie sich eingerichtet in ihren warmen Bürosesseln, während unsere Soldaten die Kohlen aus dem Feuer holten. Doch Guttenberg war ein Garant für künftige Wählerstimmen: Beliebt wie ein Popstar, gutaussehend, schneidig. Mit Sicherheit wären ihn viele Kollegen gerne schon früher losgeworden, doch wie?

Also wurde nach Fehlern gesucht. Irgendwas müsste man Mr. Superman doch anhängen können?, mögen einige gedacht haben. Und dass die Suche sicher eine fieberhafte war, zeichnete sich schon vorher ab. Seine Frau hat er nach Afghanistan mitgenommen!, warf man ihm vor und versuchte, einen Skandal an den Haaren herbeizuziehen, was gründlich misslang. Also musste nachgelegt werden. Klar, dass sich eine Gemeinde aktiver Internetnutzer finden würde, die ihren Spaß daran hätte, eine Doktorarbeit akribisch aufzudröseln und sich so einen eigenen Platz in der Geschichte der Bundesrepublik zu sichern. Fein eingefädelt, die Rechnung ist aufgegangen. Auch die Verknüpfung der abgeschriebenen Doktorarbeit mit Guttenbergs Amt als Verteidigungsminister gelang meisterhaft: Das Wild wurde eingekreist und erlegt. Geradezu klassisch. Wer denkt da nicht an die Nibelungensage? An Hagen und Siegfried? In der Tat hatte es Ausmaße einer Tragödie, das Drama, das sich in den letzten Tagen und Wochen Akt für Akt vor unser aller Augen entwickelte: Unausweichlich strebte das Geschehen der Katastrophe zu. Und wieder einmal kamen die Mechanismen des Offiziellen zum Tragen: Dass auf dem Gebiet der Dissertationen schon immer gelogen und betrogen wurde, dass sich die Balken biegen, wissen wir alle längst. Wen hat es gestört, so lange diese allgemeine Gewissheit nicht zum Allgemeinwissen wurde? Wie peinlich ist es doch, dass nun auch die Wissenschaftler wissen, dass wir alle es wissen …

Zum Thema weiterlesen:
http://nachrichten.t-online.de/experte-skandal-um-guttenberg-erreicht-neue-dimension-/id_44739878/index
http://nachrichten.t-online.de/fangemeinde-plant-marsch-fuer-guttenberg/id_44761622/index


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Kommentare:

  1. Liebe Ursula, ich schätze Deinen klaren Blick, den Du auch heute mal wieder für alle Leser sichtbar werden lässt. Zu Guttenberg ist m.E. das Opfer seiner bildungsbürgerlichen Berater geworden, die ihm eingeredet haben, dass das alte Privileg Aristokrat zu sein, in unserer Gesellschaft nicht genügt, um früher oder später eventuell Kanzler zu werden, sondern dass ein bildungsbürgerliches Privileg vorgezeigt werden muss, sprich ein Doktortitel den uralten Namen aufpolieren soll.

    Zu Guttenberg hätte dem einfachen Volk vertrauen sollen. Es hätte ihn getragen, weil es ihn liebte mit all dem königlichen Glamour, der die Fantasie so vieler Bunteleser beflügelt. Es schätzte den Glanz, der von ihm ausging. Der letzte Satz ist keineswgs zynisch, sondern feststellend gemeint.

    Zu Guttenberg hatte aus vielerlei Gründen Neider. Es war klar, dass früher oder später nach Leichen geforscht werden würde. Leichen finden sich im Leben aller Menschen, weil keiner wirklich perfekt ist.

    Hätte man keine Leichen gefunden, hätten ihn Intrigen und Verleumdungen heimgesucht. Das ist immer so. Wenn ein Mensch gut aussieht, dazu noch priviligiert und intelligent ist, muss es wie eine Nonne oder ein Mönch leben und im Gesamtverhalten göttlicher als Gott sein, wenn er sich entscheidet ein öffentliches Leben zu beginnen und selbst dann ist es nicht gefeit, dass neuzeitliche Inquisitoren den Stab über ihn brechen. Zu Guttenberg war naiv. Er hat dies nicht gewusst. Er hatte keine Erfahrung mit Internethyänen, vertraute seinen Beratern.

    Zu Guttenberg wird das Volk noch mehr zu lieben lernen, nachdem ihn das Bildungsbürgertum selbstgerecht ausgespuckt hat. Ein Autor, den ich jüngst gelesen habe, sagt in seinem letzten Buch, dass er die einfachen Menschen am meisten schätzt und das sagt er nicht ohne Grund.

    Die einfachen Menschen geben ihren Mitmenschen immer eine zweite Chance, nur die selbstgerechten, verlogenen, doppelmoraligen Bildungsbürger tragen die Nase hoch und sterben in Eitelkeit.

    Demut ist ihnen ein Fremdwort auch die Tatsache, dass vier Finger auf sie zurückzeigen, wenn sie wie besessen auf ihr erlegtes Wild deuten und kurzatmig triumphieren in ihrer ganzen Hässlichkeit.

    Konsequent wäre, wenn nun all die Anbieter von Doktortiteln den Garaus gemacht bekämen. Da selbst in arrivierte Zeitungen für Dienste der anbietenden Ghostwriter seit Jahrzehnten angeblich geworben wird, wäre es nur konequent, wenn die Internethyänen sich über alle Doktorarbeiten hermachen und zwar der Gleichbehandlung wegen. Herauspicken werden sie sich nur diejenigen, die ihr Neidpotential bestens befriedigen können. Da bin ich mir sicher.


    Beste Grüße Helga

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  2. Guttenberg hat vorsätzlich betrogen, und zwar aus persönlicher Eitelkeit oder um seine Karriere zu fördern. Als das rauskam, hat er immer nur so viel zugegeben wie eh schon bekannt war, und sich mehr als ein mal hinter toten Soldaten verschanzt. Schließlich hat er als Höhepunkt den Bundestag belogen.

    Was macht so einer erst, wenn es mal wirklich um was geht, z.B. wenn er die Chance hat, Kanzler zu werden, oder wenn seine Karriere gefährdet ist? Ach so, letzteres wissen wir bereits: Den Bundestag belügen.

    Dann heißt es immer wieder, Guttenberg sei einer Medienkampagne zum Opfer gefallen. Die einzige Kampagne, die da läuft, ist die von Bild! Die Guttenberg-Befürworter deuten aber die Tatsache, dass sich sogar die konservative Presse gegen Guttenberg gewendet hat, flux als Kampagne um.

    Schließlich: Was genau hat der Mann geleistet? Er hat zweimal Klartext gesprochen - fand ich auch gut. Aber geleistet hat er bisher exakt gar nichts - ich lasse mich da gerne korrigieren.

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  3. Hallo, vielen Dank für die Kommentare! @Helga König: Genau das ist es! Es geht um die Befriedigung des Neidpotentials. Natürlich ist Abschreiben nicht die feine Art. Den betroffenen Autoren ist zu raten, sich die ihnen zustehenden Tantiemen abzuholen, ganz ohne Frage. Was aber in den letzten Tagen stattgefunden hat, war eine Hetzjagd, die in keinem Verhältnis zur begangenen Tat steht.

    @Anonym: Ja, Guttenberg hat Klartext gesprochen. Das ist bereits viel mehr, als man von den meisten Politikern jemals erwarten könnte. Dass er trotz der Plagiatsaffäre vielfache Unterstützung erfährt, dürfte aber noch einen anderen Grund haben: Die Menschen leiden in unserem maroden Bildungssystem, das komplett auf den Schönen Schein (wenn es geht: summa cum laude) setzt, gleichzeitig aber die Leute um eine echte Bildung und damit zigfach um Lebenschancen betrügt. Sie wissen: Stellen sie sich im Falle Guttenbergs hundertprozentig auf die Seite des Bildungssystems, dann stärken sie damit jene, von denen sie immer gequält werden.

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  4. Es ist fast alles gesagt worden zu diesem "FALL". Auch ich bin der Meinung, KTG hätte eine 2. Chance verdient.

    Es gibt einen einzigen Punkt, der mich noch interessieren würde.

    Prof. Baring kam mit dieser Frage am Dienstag bei Maischberger leider nicht durch. Wie war KTGs Kindheit, sein Verhältnis zum Vater, der Mutter? Ich sehe hier bzw. in den Verletzungen alle seine Probleme angelegt und vielleicht den Wunsch, Anerkennung zu finden. Vor diesem Hintergrund werde ich die neue, wohl sehr gute Biographie besonders lesen.

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  5. Kommt ein Dirigent zum Arzt und sagt:
    "Ach Herr Doktor, ich habe meine Fußnoten nicht beisammen."
    Sagt der Arzt:
    "Macht nix, ich auch nicht."

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  6. Ja, jeder Mensch verdient eine Chance, auch zu Guttenberg.

    Man soll sich nicht blenden lassen von den Äußerlichkeiten, wie Adelstitel, gutes Aussehen, auch nicht von charmanter Art oder intelligentem Habitus, sondern ein Gespür für die Seele eines Menschen entwickeln. Wie viele Kinder dominanter Väter werden zu Kriminellen, zu Versagern, zu Neurotikern, weil sie das Gefühl haben, nicht zu genügen. Mir sind in meinem Leben zu viele solcher Personen begegnet, die nach der Anerkennung ihres Übervaters lechzten und auch unsaubere Wege gegangen sind, um ein wohlwollendes Lächeln ihres Alten zu erhaschen. Mein Gefühl sagt mir, dass zu Guttenberg mit einem solchen Übervater zu kämpfen und diesen Kampf fürs Erste verloren hat.

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  7. @Anonym: Ja, die Biografie ist sicher lesenswert und so eine Analyse bestimmt interessant. Was auch immer KTG getrieben haben mag, einen Doktor zu machen: Vielleicht führen die Vorgänge der letzten Zeit dazu, dass wir das gesamte Ausbildungssystem einer kritischen Überprüfung im Hinblick auf seine Effektivität unterziehen. Dann hätte die Sache sogar noch ihr Gutes gehabt.

    @Autorin: :-))
    Genau diese Art der Lockerheit ist es, die gegen all diese verkrusteten Strukturen am besten hilft.

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  8. (Diesen Beitrag habe ich direkt per c&p im Interesse des Autors weitergeleitet)

    Wir schreiben das Jahr 2021:

    Dr. Guttenberg hatte uns mit seiner Dissertation weit in die Zeit nach wikipedia katapultiert. Es ist heute keine Frage mehr, ob man abschreibt oder nicht, sondern was man aus dem Gekupferten macht, wie man daraus neue Verknüpfungen und Schlussfolgerungen zieht. Jeder darf und soll heute von jedem abschreiben und dieses Wissen sinnvoll neu verknüpfen.

    Nachdem die Chinesen alles aus der westlichen Hemisphäre ab- und zugeschrieben hatten, fand auch bei uns die Meinung immer mehr Anhänger, dass man im Open Source Modus veröffentlichen, jedem über Copy&Paste Zugang zur Weisheit aller verschaffen solle. Erfolgreich ist man jetzt, je mehr Menschen von einem abschreiben. Die aufwendige Fußnotenversteckerei hatte sich erledigt, weil jeder Satz offenlag bzw. über das Internet zu seinem Urheber zurückverfolgt werden konnte. Nachdem google alle Bücher der Vergangenheit eingescannt hatte, merkte viele klugen Geister, dass die Aussage von Voltaire tatsächlich stimmte: "Jedes Original ist meist nur ein noch nicht entdecktes Plagiat."

    Forciert wurde diese Sichtweise ganz entscheidend durch den Visionär Dr. Guttenberg, der mit seiner investigativen Arbeit offenlegte, dass 40% aller Dissertationen über Ghostwriter gefertigt wurden, die wiederum in der Zeit vor Google hemmunglos ab- und zugeschrieben hatten. Nach Guttenberg outeten sich (über den Wikidruck) über 100 Politiker, (meist durch Ghostwriter) abgeschrieben zu haben und gaben ihre Titel zurück. Man entdeckte zudem, dass diejengen, von denen Dr. Guttenberg abgeschrieben hatte, ebenfalls Sätze aus anderen Quellen entnommen hatten, ohne Fußnoten zu nutzen.

    Nachdem er zurückgetreten war, erklärte Dr. Guttenberg seinen eigentlichen Auftrag, die Verflechtungen von Politikern und Wirtschaft offenzulegen - und die Tatsache, wie man über Massenmedien und geschickte Public Relations in der Demokratie erfolgreich sein konnte. Er war bereits im Gründungsjahr 1998 attac beigetreten und hatte sich diese Aktion mit über 100 Freunden ausgedacht. Er wurde dadurch zum Mahner für eine teilnehmende Demokratie, einem neuen Skeptizismus, der sich in Deutschland heute mit einer Vielzahl von Projekten manifestiert. Sie treten für Fairness und Zugangsgerechtigkeit weltweit ein, für Transparenz und globale Chancengleichheit.

    Woher hat Dr. Guttenberg seinen Doktortitel, fragen Sie?

    Von der attac-Uni Hamburg, dessen Präsident er heute ist. Seine Professur schrieb er zusammen mit 150.000 Teilnehmern, die seine Art der Kreativität in alle Winkel des Landes trugen und ihn als einen der ihren sahen. In Stuttgart fährt man übrigens heute in einem renovierten Bahnhof oben (entspannt) ein und aus. Die Unterirdischen hatten am 27.3.2011 beim Großen Kehraus den Abmarschbefehl erhalten. Ministerpräsident ist inzwischen der Grüne Boris Palmer, dessen Vater der Remstalrebell war.

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  9. Nun, habe fast ein schlechtes Gewissen wegen dem Witz: http://www.enochzuguttenberg.de/interview_150709.htm
    "Er ist ein Delphin im Haifischbecken"

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  10. Nachtrag: Wenn man zu Guttenberg eine zweite Chance einräumen würde, würde er gewiss bis zur Selbstaufgabe unserem Land dienen, weil er etwas gut zu machen hätte. Das scheinen seine Kritiker noch nicht begriffen zu haben. Diese Kritiker und Neider wollen offenbar nur ihr Mütchen kühlen, der Vorteil für das Land ist ihnen letztlich wurscht.

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  11. Danke, Autorin, der Vater scheint mir ein echter Kapitalismus_Kritiker zu sein.

    Das war mir bislang noch nicht bekannt. Demnach hat er wohl wenig Freude daran, dass sein Sohn in der CSU ist. Vielleicht wollen beide den Kapitalismus von innen heraus entzaubern und verdeutlichen, dass wir unseren eigenen Verstand benutzen sollten.

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  12. Ich glaube nicht, dass irgendjemand bzw. Neider eine Hetzjagd auf KTG losgetreten haben. Der Rezensent einer juristischen Fachzeitschrift liest die Diss eines Mannes, der wohl bald Bundeskanzler sein würde, das war die Ausgangssituation.

    Das Thema der Diss war sehr ambitioniert, keine Schmalspur-Diss wie bei den meisten Politikern. Deswegen stößt es zudem auf großes Interesse. KTG ist in dieser Zeit einer der wenigen Politiker, der quer über alle Parteirichtungen positiv gesehen wird.

    Ich möchte daher allen Verschwörungs- oder Neidtheorien widersprechen. KTG wurde im Parlament von der Opposition geradezu zahm angefasst. Ein CDU Mann sagte, dass er ganz andere, härtere Fragen gestellt hätte.

    KTG stürzte über seinen Betrug und die eigenen Parteimitglieder Schavan und Lammert, die m.E. völlig richtig auf den inneren Wertekanon der CDU verwiesen. Dieses konservativ bürgerliche Klientel ist für die CDU verloren, der entstandene Flurschaden für Bildung, Unis etc. noch gar nicht zu bemessen.

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  13. @Anonym: http://de.wikipedia.org/wiki/Enoch_zu_Guttenberg
    Zitat: Er war zunächst Mitglied der CSU, trat aber im Jahr 1992 nach einem Konflikt mit dem damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl, der sich weigerte, an einer Demonstration gegen Antisemitismus teilzunehmen, aus der Partei aus.[1] Mittlerweile ist Guttenberg auf Drängen seines Sohnes Karl-Theodor wieder in die Partei eingetreten.[2]

    Mich würde wirklich interessieren, wer KTzG auf das schmale Brett gebracht hat, einen Dr. zu machen. Bei dem darf er sich jetzt bedanken.

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  14. Eine gute Frage, liebe Autorin. Zu Guttenberg könnte diese Frage beantworten, doch er ist sich der Eigenverantwortung bewusst. Das ist er übrigens die ganze Zeit schon, aber sein Schamgefühl ließ ihn im Bundestag nicht Klartext reden. Schamgefühle widersprechen nicht selten Eigeninteressen. Wir kennen das von Clinton und der Affäre Lewinski. Er wäre fast vor Scham in den Boden gesunken als man ihn im Fernsehen peinlich befragte. Beide Politiker sind Katholiken. Ihr Über-Ich schreit Sünde! und die möchten sie nicht der breiten Öffentlichkeit beichten. Darüber sollten Psychologen mal wissenschaftlich arbeiten.

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  15. @Anonym: Sie schreiben: »Das Thema der Diss war sehr ambitioniert, keine Schmalspur-Diss wie bei den meisten Politikern.« Jetzt frage ich Sie: Wozu braucht ein Politiker eine Diss? Und darf ich logisch Schlussfolgern: Schmalspur Diss läßt Rückschlüsse auf die Ambitionen der meisten Politiker schließen?

    @Helga: Eine gute Überlegung.

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  16. Wenn diese Diskussion etwas lostreten kann, dann ein Nachdenken darüber, ob man voneinander abschreiben kann bzw. sollte. Dem ironischen Ausblick auf 2021 wäre hinzuzufügen, dass auch im Business Bereich diese Problematik diskutiert wird. Zitat aus der FAZ 2.3.11:

    "Wie alles in der Welt stiften Patentrechte und Copyrights nicht nur großen Nutzen, sondern verursachen auch Kosten: Sie bremsen den Wettbewerb. Nüchtern betrachtet sind Patente Monopole auf Zeit. Sie belohnen den Erfinder mit dem Privileg einer exklusiven Rendite. Die Pharmaindustrie lebt nicht schlecht davon. Wenn es Monopolisten gibt, werden die Wettbewerber träge. Allzu leichtgläubig behaupten die Anwälte eines rigorosen Copyrights, dass die Innovationen ohne den Monopolschutz unterblieben wären. Woher wissen sie das? Ohnehin, schätzen seriöse Ökonomen, gehe nur ein Teil des Wachstums und der gebesserten Produktivität auf das Konto der Erfinder. Auch die Nachmacher schaffen Wohlstand. Aber Innovation wird überschätzt; Imitation wird unterschätzt. Die Balance fehlt."

    Im intellektuellen Bereich fehlt m.E. ebenfalls die Balance. Bildung ist doch das, was ich zwischen dem, was ich permanent zitiere, gelernt habe, an Zwischenräumen zu begreifen, daraus Verbindungen und Schlussfolgerungen zu ziehen. Ich glaube es ist volkswirtschaftliche Zeitverschwendung, wenn Menschen gleiche Sachverhalte immer und immer wieder neu umschreiben müssen. Autoren von morgen wollen nicht als die Allerklügsten dastehen, sondern Lösungen initiieren, indem sie ihre Informationen total freigeben. Nur das bringt den drohenden Kollaps der Menschheit/Erde einer Lösung nahe.

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  17. "Schmalspur Diss läßt Rückschlüsse auf die Ambitionen der meisten Politiker schließen?"

    Nein, ein enger gestecktes Themenfeld kann ebenso gut sein und die Ergebnisse brauchbar. Aus welchen Gründen auch immer hatte sich zu Guttenberg hier ein zu weites Feld ausgewählt. Vielleicht wollte er so das fehlende 2. Staatsexamen wett machen!

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  18. Ich komme schulisch aus einer Zeit, in der man pausenlos etwas auswendig lernen musste. Woher die Lehrer ihr Wissen hatten, haben sie nicht verraten. Dieses alte Wissen wabert nun neben später angelesenem im Kopf umher und damit all die Sentenzen, von denen man nicht mehr weiß, ob es Eigenkreationen oder Fremdschöpfungen sind. Verwendet man etwas, was der eigene Kopf ausspuckt, tut man gut daran zu ergoogeln, ob nicht ein Dritter derartiges irgendwann gesagt hat, um nicht Freiwild für Internethyänen zu werden.

    Im 1. Semester an der Uni hatte ich das "Vergnügen" Klausuren bei einem Rechtsphilosophieprofessor anfertigen zu müssen, der von seinen Studenten erwartete, dass sie die gesamte Vorlesung auswendig lernten, Wort für Wort. Der Prof diktierte sogar Kommas mit. Die beste Note erhielt derjenige, der am besten abspulen konnte.
    Was blieb philosophisch hängen? Was hatte das mit Kants berühmtem Grundgedanken zu tun?

    Die Eigenleistung bestand im Auswendiglernen. Was ist, wenn die Sätze plötzlich wieder aus dem Kopf steigen oder all die beim Lesen visuell abfotografierten Sätze? Werden Menschen mit fotografischem Gedächtnis jetzt an den Pranger gestellt? Ein weites Feld.


    Was bringt uns als Gesellschaft voran und was bewirkt Stillstand? Neben Innovation auch aus Vorhandenem Neues zu gestalten und es zu verbreiten. Nach Fehlern bei Dritten zu suchen und Anprangern sind Maßnahmen von Menschen, die selbst nichts zu Wege bringen, so meine Erfahrung.

    Ist ein ein Künstler, der eine Collage kreiert, ein Plagiator? Eine interessante Frage, wie ich finde.

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  19. "Nach Fehlern bei Dritten zu suchen und Anprangern sind Maßnahmen von Menschen, die selbst nichts zu Wege bringen, so meine Erfahrung."
    Dem kann ich nur zustimmen. Bei andern Menschen Fehler finden zu wollen ist die Wand, hinter der sich die eigenen Fehler eingekerkert haben.

    Als gute Hintergrundinformation zum Thema Dissertation, Bildung etc. empfehle das Buch "Tatort Universität". Der Neid und die beamtenmäßige Zwietracht ist nirgendwo stärker ausgeprägt als dort. Und wenige Bereiche sind bislang intransparenter als dieser.

    Picasso sagte (sinngemäß) in den Höhlen von Lasceaux stehend: "seit hier ist alle Kunst nur noch Dekadenz." Schon vor 10.000 Jahren haben Menschen "Kunst" geschaffen, höchste Kunst. Werke von heute sind oft nur "Ab-Leitungen" davon oder Entwicklungen, die jeder haben könnte. Künstler von morgen schaffen Collagen aller, mit dem Internet wird m.E. Kunst schon bald vollkommen neu definiert bzw. kooperativ entwickelt. Die Darstellung der zu Guttenberg-Disserationsseiten im Guttenplag ist für mich Kunst.

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  20. @Helga König: Ich glaube, der berühmte Spruch von Kant: Hab Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!, der hat viel mit Eurem kommadiktierenden Professor zu tun. Denn er impliziert, dass es Mut braucht, sich von den Vordenkern zu lösen und eigene Wege zu gehen. Auch auf die Gefahr des Scheiterns hin. Im Zweifelsfall: sich auflehnen gegen den allmächtigen Prof und sich ein Ungenügend einhandeln. Von wem will man diesen Mut ernsthaft verlangen? Wer Kants Satz befolgt, der stellt sich erst mal außerhalb der Gesellschaft. Auf viele Jahre hin. Bis er eines Tage (unweigerlich) Kult wird, könnte er verhungert sein. Nur die wenigsten Menschen bringen die Härte auf, stur ihren Weg zu gehen. Denn beigebracht wird ihnen von Anfang an, dass sie a) Bestandteil einer Herde sind und b) dass es größere Geister gibt als sie selbst, die es zu ehren gilt. Kaum eine Doktorarbeit dürfte ausschließlich originäres Gedankengut enthalten. Abgeschrieben haben fast alle, auch wenn viele sicherlich geschickter umformuliert haben als Guttenberg. Ist einer imstande, eine gesamte Doktorarbeit aus eigenem Geist heraus zu verfassen, dann hat er längst die Ebene verlassen, auf der man einen Doktortitel noch benötigt.
    Kaum jemand hat das Dilemma jemals besser zum Ausdruck gebracht als Richard Wagner, der seinen Wotan im zweiten Akt der Walküre sagen lässt: "Denn selbst muss der Freie sich schaffen! Knechte erknet ich mir nur!"
    Der vollkommen verwirklichte Mensch wird niemals in einer Schule herangezogen. Und er zeigt sich auch nicht durch das brave Verfassen einer Doktorarbeit. Je eher die Lüge entlarvt ist, dass Ausbildung und Zeugnisse mehr sind als der Mensch selbst, desto besser ist das für uns alle.

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  21. Liebe Ursula, ich teile Deine Meinung in jedem Punkt. Mindermeinungen zu vertreten ist nicht einfach, besonderns an der Uni nicht. Die wenigsten haben den Mut dazu. Die meisten Studenten formulieren Sätze geschickt um, um Plagiatvorwürfen zu entgehen und das ist alles. Eigenständiges Denken ist nicht gefragt. Gedanklich haben solche Umformulierer natürlich nichts Neues entwickelt, aber sie zeigen Fleiß im Schreiben von Fußnoten und zeigen, dass sie angepasst und nicht aufmüpfig sind. Die Kreativität dieser Leute ist gleich Null.

    Mich widert die Verlogenheit in dieser Gesellschaft an. Viele verstecken sich hinter irgendwelchen Zeugnissen, die sie vor ewigen Zeiten eingesammelt haben und leiten daraus den Anspruch auf Privlegien für die Ewigkeit ab. Nicht die derzeitige Leistung zählt, sondern die Leistungen von vorgestern.

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  22. Liebe Helga, genau das ist das Problem. Oder wie drückte es der geniale George Tabori aus: Heutige Kunst kannst Du nicht mit dem Atem von gestern machen. Ebendieses wird aber immer wieder versucht: der Doktortitel von vor dreißig Jahren rechtfertigt ein hohes Salär und ehrerbietige Anrede, auch wenn der Träger vielleicht schon Jahre zuvor in die innere Emigration gegangen ist, weil er das Theater selbst nicht mehr erträgt.

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  23. An Anonym: Picasso hat gelassen eine Wahrheit ausgesprochen. Er konnte damit umgehen.

    In der Kunst wurden Epoche um Epoche abgekupfert, vielleicht konnte erst in der Moderne aufgrund der Abstraktion wirklich Eigenes entstehen. Andy Warhol hat sich durch sein Kunstverständis über den Anspruch Schöpfergott zu sein, dann lustig gemacht. Warhol war ein Genie, weil er die Konsumwelt in ihrem gesamten Sein begriffen hat und daraus seine Schlüsse für Kunstproduktion zog. Mit seiner Kunst hält er der Gesellschaft den Spiegel vor.

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  24. Liebe Ursula, das besserwisserische Bildungsbürgertum und die Pseudointellektuellen sind die schlimmsten Sargnägel für unsere Gesellschaft. Was diesen Leuten fehlt ist Schaffensmut, Kreativität und Toleranz. Junge aufstrebende Gesellschaften sind meistens frei von solchen Gruppierungen. Nur satte Gesellschaften glauben sich solche Bremsklötze leisten zu können. Aber hier wird sich geirrt, keine Gesellschaft kann sich eine vermeintliche Oberschicht und gehobene Mittelschicht leisten, die sich auf den Lorbeeren von Vorgestern ausruht.

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  25. Liebe Ursula,

    mit Deinem Beitrag, indem du offen aussprichst, was Sache ist, hast du wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen. Das war für viele Politiker ein gefundenes Fressen, diesen Mann, der sich so beliebt gemacht hat, schnellstens wieder los zuwerden. Neid und Missgunst sind schuld daran, dass Karl-Theodor zu Guttenberg dieser dramatische Abgang beschert wurde. Denn ich finde, die Gründe, die dazu geführt haben reichen nicht aus, einen solch kompetenten Politiker, der sein Amt mit Liebe und Bravour ausgeführt hat, nun den „Laufpass“ zu geben. Klar hat er seinen Rücktritt erklärt, was hätte er anderes tun sollen, wenn die Menschen in seinen eigenen Reihen ihm nicht de Rücken stärken.
    Er fühlte sich unter Druck gesetzt, als Betrüger bezeichnet und für sein Amt anscheinend nicht mehr tragbar zu sein. Welche Konsequenz hätte er ziehen sollen? Daran konnte auch die Bundeskanzlerin nichts mehr ändern. Er hat seinen zu Unrecht getragenen Doktortitel zurückgegeben. Er hat sich entschuldigt für sein Vergehen. Du sagst Ursula, die Betroffenen sollen Ihre Tantiemen zurückfordern. Das wäre völlig korrekt.

    Ich bin der Meinung diese Angelegenheit hätte auf einer anderen Ebene geführt werden müssen. Für das Amt, das zu Guttenberg als Verteidigungsminister innehatte, war er die beste Besetzung überhaupt. Es ist einfach nur bedauerlich, dass ein guter Politiker an seinem Doktortitel gemessen wird, ihm mehr Bedeutung geschenkt wird, als seinen wahren Leistungen.
    Ich bin fast davon überzeugt, dass Karl-Theodor zu Guttenberg irgendwann zurückkommen wird. So einen Mann lässt man nicht einfach gehen.

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  26. Liebe Rita, danke für Deinen Komm. Guttenberg ist kaum drei Tage weg, da tritt der Zweck der Übung bereits zutage: Sein Nachfolger ist offenbar dabei, die Bundeswehrreform zurückzubauen: http://www.welt.de/politik/deutschland/article12701871/De-Maiziere-entlaesst-Guttenbergs-Reform-Architekten.html
    Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ...

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  27. Sieh mal einer an. Das stinkt doch zum Himmel.

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  28. ... und zwar tausend Meter gegen den Wind!

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  29. Interessant, was Du da soeben schreibst, Ursula. Das hatte ich mir gedacht. Wie ich heute früh bereits schrieb: wer eine Leiche braucht, findet sie. Wer weiß, ob nicht diejenigen, die zu Guttenberg beraten haben, ihm bewusst eine Leiche untergejubelt haben, die man dann finden konnte. Sicher hat zu Guttenberg schon tausendmal sein Doktortitelbestreben bereut. Wer weiß schon, wer ihn beraten, ihm eingeredet hat, dass er den Titel nötig hätte in der bildungsbürgerlichen Gesellschaft.

    Sein Name und sein Geld haben genügt. Bildungsbürger gehen bei Geld schon in die Knie.

    Ich habe vor Jahren eine sehr interessante Beobachtung machen dürfen. Es war auf einer Polterhochzeit. Der Brautvater war sehr reich, sehr intelligent, aber ungebildet. Der Ärzte, Rechtsanwälte, der Architekturprofessor und die Gymnasiallehrer wälzten sich im Staub, um am Tisch des reichen Herren Platz nehmen zu dürfen.

    Es war sehr interessant all die Speichellecker zu beobachten. Als der Brautvater 2 Jahre später ein Steuerproblem bekam, zerrissen sie sich alle die Mäuler und brachen den Stab über ihn an dessen Trog sie jahrelang gierig gesoffen hatten.

    Als er wenig später erneut erfolgreich Geschäfte tätigte, wälzten sie sich wieder im Staub, käuflich wie sie alle waren. Moral und Bildungsbürgertum, ich lache mich tot.

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  30. Ich war - obwohl der CDU/CSU nicht nahestehend - der offenen, freundlichen Art von zu Guttenberg irgendwie verbunden. Nach diesem Fall bin ich jedoch vorsichtig geworden. Zur Vermeidung der Tatsache, dass wir nichts so sehr herbeiwünschen wie heilsbringende Autoritäten, war dies ein hervorragendes Lehrbeispiel.

    Interessante Hintergründe dazu aus der Schweiz:
    http://www.schweizmagazin.ch/panorama/6090-Die-Hitler-Guttenberg-Parallelen.html

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  31. @Anonym: danke für Ihren Kommentar. Der Artikel im Schweizmagazin arbeitet meiner Ansicht nach mit einem an den Haaren herbeigezogenen Vergleich. Dies gibt der Schreiber am Anfang sogar zu, wenn er erklärt, selbstverständlich seien ein Hitler und ein zu Guttenberg "nicht direkt" miteinander vergleichbar. Wenn aber etwas nicht vergleichbar ist, warum wird dann versucht, genau das zu tun?

    Von "kritikloser Verehrung" schreibt das Magazin. Hierzu sage ich nur: Thema verfehlt! Denn darum geht es gar nicht. Es geht vielmehr um die Frage, ob die öffentliche Schlachtung einer Person, wie sie in den letzten Tage stattgefunden hat, mit einer humanen Gesellschaft vereinbar ist. Man denke sich: Ein Kindermörder, der noch nicht verurteilt ist, wird auf jedem Zeitungsfoto selbstverständlich verpixelt dargestellt, um seiner "Persönlichkeitsrechte" willen. Jemand, der in seiner Doktorarbeit geschummelt hat, darf jedoch auch ohne Gerichtsurteil beliebig durch den Dreck gezogen werden. Irgendwie haben wir die Prioritäten völlig falsch gesetzt, wenn wir annehmen, die demonstrative Menschlichkeit einer Gesellschaft müsse sich ausgerechnet an Kindermördern abarbeiten, könne aber Menschen mit wesentlich geringen Vergehen (öffentliche Personen oder nicht) außen vor lassen. In solch einer monströsen Gesellschaft ohne jeden gesunden Maßstab möchte ich nicht leben. Was ist ein Doktortitel wert, wenn die Welt insgesamt so verblödet ist?

    Leider ist immer wieder festzustellen, dass gerade das Internet, welches eigentlich eine großartige Chance auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe des Einzelnen darstellt, zum Austragungsort für solche Hetzjagden verkommt. Ob es um einen Verteidigungsminister, einen hochrangigen Rezensenten einer großen Verkaufsplattform, einen einzelnen Buchautoren oder um einen Mörder geht: Im Netz ist alles, was sich bewegt, zum Abschuss freigegeben. Was genau haben wir alle von so viel destruktiver Energie? Bringt uns das wirklich weiter?

    Grüße also in die Schweiz, die sich lieber die Frage stellen möge, ob sie weiterhin jedem offensichtlichen Diktator ein Nummernkonto zur Bunkerung seiner Beute einrichten möchte ...

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  32. Hi UP,

    Ihr letzter Einwurf stimmt völlig.

    Guttenberg vs. AH: es geht im Schweizer Magazin nur um eine Dimension und das ist die Frage, warum wir immer wieder dazu neigen, einer Autorität/Führer zuzujubeln - und unsere ganzen Hoffnungen in ihn zu setzen. Ich habe darauf keine Antwort und bin dankbar, dass mir (als Guttenberg Unterstützer) hier die Augen geöffnet wurden. Letzten Endes hat er sich selbst soweit gebracht, niemand hat eine Hetzjagd veranstaltet, im Gegenteil, er wurde geradezu milde behandelt. Stellen Sie sich vor, wie schnell Westerwelle oder Trittin weg gewesen wären.

    Der Guttenberg Fall eignet sich m.E. nicht als Beispiel für Hetzjagden, die zweifellos heute vollkommen ungerechtfertigt stattfinden, im Netz oder wo auch immer.

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  33. Was Konservative wie Prof. Baring zu Guttenberg sagen, steht hier:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,749319,00.html
    Er analysiert die Fähigkeiten Guttenbergs m.E. treffend.

    Ich war bei einem Wahlkampfauftritt von Frau Merkel in Stuttgart - am Tag des Rücktritts von Guttenberg. Sie hat versucht, das Ganze als Hetzjagd der Presse etc. darzustellen. Sie wurde ausgepfiffen, selbst eingefleischte CDU Anhänger (und nicht nur S21 Gegner) haben sich gewundert.

    Ich bin auch der Meinung von Helga König, dass Guttenberg das Ganze an-empfohlen wurde, sein Ghostwriter wird sich hoffentlich irgendwann outen. Ich könnte mir vorstellen, dass eine große Zahl an Doktoren in den Parteien aktuell etwas mulmig zumute ist. Warten wir es ab.

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  34. Ich finde es bedenklich, wie Guttenberg als Täter (!) von vielen Kommentatoren einfach zum Opfer stilisiert wird! War er es nicht, der immer schnell und ohne nähere Prüfung Leute entlassen hat, sei es nun bei dem umstrittenen Kaketenangriff in Afghanistan oder bei dem Kommandanten der Gorch Fock? Und sind es nicht diese Leute denen später durch Prüfung von anderer Seite bescheinigt wurde, nicht Schuldig zu sein? Derselbe Herr Guttenberg aber - und alle seine Anhänger - verlangten bei ihm Nachsicht. Der Straftatbestand wird da ganz opportunistisch zum Kavaliersdelikt und er selbst redet sich damit heraus, er hätte schließlich nebenbei auch noch Beruf und Familie gehabt. Legitimiert das nun also einige meiner ehemaligen Kommulitoninnen - als alleinerziehende Mütter, die nebenbei noch arbeiten gingen und studierten (!) - ihre Abschlussarbeiten zu fälschen? Warum soll ein Herr Guttenberg, der sich selbst als Adel sieht und gehabt (den es in Deutschland seit der Weimarer Republik rechtlich in Deutschland nicht mehr sieht), als ein elitärer Machtmensch auf der Überholspur und gespielter Saubermann hier nun anders behandelt werden und anders Rechenschaft für seine Taten stehen als jeder andere Bürger dieses Landes auch?
    Davon einmal abgesehen halte ich die in dem Beitrag aufgestellte Behauptung, bei wissenschaftlichen abschlussarbeiten wäre Betrug Gang und Gäbe als ziemlich frech!
    Ein Mensch der sich unter dem Deckmantel des Saubermanns schon so manch eine Verfehlung geleistet hat, der sich akademische Titel durch Betrug (!) erschlichen hat, musste den Hut nehmen. Richtig so!

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  35. @André Kramer: danke für den Komm. Ist es nicht auffällig, dass die Doktorarbeit zu Guttenbergs genau in einem Moment zum Thema wurde, als er versuchte, eine Bundeswehrreform durchzubringen, die sicher vielen gegen die Hutschnur geht? Wenn es üblich ist, dass Doktorarbeiten nicht grundsätzlich seitens der Universität auf Plagiat überprüft werden, dann sollten jetzt sämtliche Doktorarbeiten von Politikern auf den Prüfstand kommen. Kommen sie aber nicht. Denn die anderen preschen ja nicht mit Reformen vor und treten damit anderen Interessen auf die Zehen. Ich für meinen Teil sehe die Manipulation einer Doktorarbeit eher entspannt. Ich glaube nicht, dass ein Arzt mit Doktortitel eine Hämorrhoide geschickter zieht, wenn er Jahre zuvor 350 Seiten zum Thema "Die Schleimhaut des linken Nasenflügels" gefüllt hat. Auch ein Anwalt muss nicht unbedingt ein Doktor sein. Wenn er das ist, was man in Bayern einen "g'hauten Hund" nennt, dann fühle ich mich damit weitaus besser. Wozu also die Titel? Um damit, nach offizieller Abschaffung des Adels, einen neuen Adel zu erschaffen? Eine neue Möglichkeit, etwas zu sein, ohne etwas leisten zu müssen? - Och nö.
    Damit sei nichts gegen Menschen gesagt, die sich aus ernsthaftem Interesse für ein Wissensgebiet in die Materie vergraben und eine klasse Doktorarbeit schreiben. In einer Gesellschaft aber, die mangels brauchbarer Hierarchien akademische Titel braucht, dürfte das aber die Ausnahme darstellen.

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  36. Können wir Ihren Text für

    http://proguttenberg.wordpress.com/

    mit Quellenangabe übernehmen?

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  37. @Anonym: danke für die Anfrage. Da wir in diesem Blog aus suchmaschinentechnischen Gründen großen Wert auf Unique Content (Inhalte, die es nur bei uns gibt) legen, kann ich leider nicht zustimmen. Wenn Sie den Artikel dennoch Ihren Lesern zugänglich machen möchten, so dürfen Sie jedoch gerne einen für Sie interessanten Absatz zitieren und dann einen Link "Hier weiterlesen" auf unsere Seite setzen. :-)

    Ursula Prem

    AntwortenLöschen
  38. Liebe Frau Prem,

    ich habe Ihren Artikel gerne gelesen, halte ihn aber in Teilen für leicht tendenziös.

    Es beginnt mit den Aussagen zu Afghanistan, die das Potential an Bodenschätzen weit übertreiben. Natürlich hat Afghanistan Bodenschätze, und auch genug um (hoffentlich) Teile des Wiederaufbaus damit finanzieren zu können. Im Vergleich zu den ölreichen Staaten sind diese Bodenschätze jedoch ein Witz. Der angebliche Hunger der Amerikaner nach Bodenschätzen (Öl) war ja auch eine viel bemühte These im Falle des Irakkrieges. Nun, Jahre später, sehen wir, dass die Amerikaner abziehen, die irakische Regierung die alleinige Kontrolle über das Öl hat und der einzige Weg der Amerikaner an das Öl zu kommen die Zahlung der gängigen Marktpreise ist. Nach allem was sich beobachten lässt entwickelt sich die Situation in Afghanistan ähnlich. Der Grund, dass der Westen sich in Afghanistan befindet, ist einzig und allein die Sicherheitslage. Die Taliban, die ehemals engsten Verbündeten von Al-Qaida, drängen mit aller macht wieder nach Afghanistan. Sollte die Taliban sich jemals wieder etablieren, kann man sicher sein, dass ihre Al-Qaida Freunde zügig folgen werden - es gibt schließlich keinen Grund Menschen die eine Ideologie teilen die Aufnahme zu verwehren. Um genau diese Situation zu vermeiden, die Al-Qaida erneut eine Rückzugsbasis für tödliche Operationen in der ganzen Welt geben würde, sind wir in Afghanistan. Meiner Meinung nach zu Recht.

    Nun zu zu Guttenberg: Was Afghanistan angeht, so hat er gesagt, dass die dortige Situation, "umgangssprachlich als Krieg" bezeichnet werden könnte. Er hat sie aber nicht explizit Krieg genannt. Daher enthält seine Aussage, in meinen Augen, viel des politikertypischen herumlavierens. Aber dazu kann man stehen wie man möchte.

    Was wichtig für die zu Guttenberg Diskussion ist, und in Ihrem Artikel völlig ignoriert wird, ist die Tendenz mit zweierlei Maß zu messen. Jeder einfache Soldat einer Bundeswehruni, der beim plagiieren erwischt wird verliert seinen Titel UND wird degradiert (also niedrigerer Rang, kleineres Einkommen etc.). Hätte man es bei zu Guttenberg bei der Entfernung des Titels belassen, so wäre er deutlich weniger bestraft worden als jeder seiner "Untergebenen". Wenn man erst einmal beginnt Menschen in erste und zweite Klasse zu unterteilen, sich ein beliebter Adeliger mehr erlauben darf als seine Angestellten, etc. so ist die Demokratie (deren eine Säule ja die Gleichbehandlung aller Menschen ist) selbst in Gefahr. Daher war sein Rücktritt völlig richtig!

    Zu guter Letzt zu Ihrer Aussage bzgl. der Dissertationen. Haben Sie dafür Beweise? Quellen? Ich halte die Aussage nämlich für ziemlichen Humbug. Ich habe unendlich viele Dissertationen in meinem Leben gesehen, Lug und Betrug habe ich da wenig festgestellt. Das ist so eine klassische Aussage, die sich schnell in den Raum werfen lässt, aber unbewiesen/unbelegt völlig wertlos ist. Und natürlich gilt auch hier der alte Grundsatz der Demokratie: "Es gibt Gleichheit im Recht, nicht im Unrecht". Mit anderen Worten, weil Andere morden habe nicht ich das Recht zu morden und weil andere plagiieren hat zu Guttenberg nicht das recht zu plagiieren.


    Das sind meine Gedanken zu Ihrem Artikel...

    Mit freundlichen Grüßen

    Christian S.

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  39. Hallo Christian S., danke für Ihren Kommentar. Was die Bodenschätze Afghanistans angeht, findet sich auf Focus Online ein hochinteressanter Artikel:
    http://www.focus.de/finanzen/news/afghanistan-usa-finden-gewaltige-bodenschaetze_aid_519042.html. Laut dieser Quelle geht es dort unter anderem um den möglichen Abbau von Lithium. Thema Irak: Natürlich bezahlen die Amerikaner die marktüblichen Preise für irakisches Öl. Wenn es einen Krieg um Bodenschätze gibt, dann soll dieser vor allem sicher stellen, dass die politischen Verhältnisse im Ursprungsland dergestalt sind, dass die Lieferung der Rohstoffe überhaupt gewährleistet ist. Der Krieg um die weltweiten Ressourcen wichtiger Rohstoffe hat gerade erst begonnen.
    Was die Taliban betrifft, so wären diese nie so stark geworden, wenn sie nicht von westlichen Mächten im afghanischen Bürgerkrieg als Bollwerk gegen den Kommunismus aufgebaut worden wären. Die Geister, die ich rief, ich werd sie nicht mehr los. Etliche Waffenhändler dürften sich damals gesund gestoßen haben. Und unsere Soldaten sollen jetzt dort reingehen und das so gezüchtete Krebsgeschwür unter Einsatz ihres Lebens bekämpfen?

    Thema Guttenberg: Natürlich sollte nicht mit zweierlei Maß gemessen werden, ganz klar. Momentan wird aber genau das getan. Wäre Guttenbergs Doktorarbeit jemals auf Plagiat untersucht worden, wenn er ein kleiner Rechtsanwalt wäre? Streng genommen müsste man jetzt ALLE jemals verfassten Doktorarbeiten noch lebender Personen daraufhin untersuchen. Und man müsste auch die Frage stellen, wie es sein kann, dass zu Guttenberg sich offenbar auch aus Schriften seines Doktorvaters bedient hat, ohne dass dieser es erkannte:
    http://www.op-online.de/nachrichten/politik/bericht-guttenberg-doktorvater-abgeschrieben-1154041.html
    Sollte sich dies tatsächlich so verhalten, dann ist die Frage nach weiteren Beweisen für die Zustände an Universitäten hinfällig. Ganz klar: Ein Doktortitel bringt enorme berufliche und gesellschaftliche Vorteile, ist aber nur schwer zu erlangen. Es sei denn, man hilft ein wenig nach. Wie es aussieht, ist dies nur allzu einfach. Wer nun die menschliche Natur ein wenig kennt, der kann in etwa den Prozentsatz an Doktorarbeiten abschätzen, bei welchen es nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen sein mag ...
    http://www.fernstudi.net/blogs/diplomarbeit-schreiben-lassen-so-funktioniert-ghostwriting

    Alles in allem ist das inflationäre Anwachsen von Doktortiteln unserem Schulsystem zu verdanken. Schon in der dritten Klasse lernen die Kinder, dass es weniger auf den Inhalt einer Sache ankommt als auf die dafür ergatterte Bewertung. Sollte das später, wenn es an das Verfassen einer Dissertation geht, nicht mehr gelten?

    AntwortenLöschen
  40. Meiner Meinung nach machen jene Herrschaften, die die Arbeit von Herrn zu Guttenberg zu prüfen hatten... einen recht schlechten Eindruck. Zunächst war von einer vorzüglichen Arbeit zu lesen, dann hatte sie plötzlich gravierende Fehler. Dann hieß es, »damals« habe man nicht die technischen Mittel gehabt, um eine Arbeit zu überprüfen...

    Was für eine armselige Argumentation: Wenn es damals - das muss zu Zeiten der Keilschrifttafeln gewesen sein - nicht die Mittel gab, eine solche Arbeit zu überorüfen, warum hat man so getan?

    Und selbst wenn es keine Möglichkeit der Kontrolle gab, eventuelle Plagiate per Computer fremder Texte ausfindig zu machen... geben sich die Herren Prüfer selbst ein schlechtes Zeugnis:

    1.) Sie scheinen die Literatur nicht zu kennen, die zur Doktorarbeit erschienen ist. Sonst hätten sie doch die eine oder andere der so zahlreichen Stellen, die angeblich so perfide plagiiert wurden, erkannt.

    2.) Der Herr Doktorvater hat nicht erkannt, das ausgiebig aus seinem Werk plagiiert wurde. Kennt er sein eigenes Opus nicht?

    Fazit: Die Prüfer haben total versagt. Und so verdanken wir dem zu-Guttenberg-Skandal die Erkenntnis, wie schlecht die Prüfer geprüft haben. Man muss davon ausgehen, dass nicht nur im Fall zu-Guttenberg so »gearbeitet« wurde.

    Die Prüfer haben total versagt. Die Frage kommt auf: Welchen Wert hat dann noch eine Doktorarbeit, die von diesen Prüfern abgesegnet wurde? Die Prüfer sollten für ihre unbeschreiblich mangelhafte Leistung zur Rechenschaft gezogen werden!

    Warum aber geschieht dies nicht?

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  41. Liebe Frau Prem,


    mit Interesse habe ich das Antwortposting vom "9. März 2011 18:21" gelesen.

    Was Ihre Bewertung mit der Durchsicht aller Doktorarbeiten angeht, so stimme ich mit Ihnen überein. Das ist meines Erachtens sogar der springende Punkt, nämlich das Betrug in der Wissenschaft zu Guttenbergs Verhalten nicht legitimiert (und der Rücktritt damit eben auch richtig war), aber im Umkehrschluss die Überprüfung der anderen Doktorarbeiten unbedingt gefordert werden kann und sogar durchgeführt werden sollte. Allerdings wird man da nicht viel finden. Betrug bei Dissertationen findet nur in einem relativ geringen Maße statt (auch wenn Sie anderes Behaupten), da es einfach keine Ghostwriter gibt. Wenn jemand in der Lage ist eine Diss zum Thema "Verfassung und Verfassungsvertrag" einfach aus dem Ärmel zu schütteln, so gehört er mit Sicherheit zu den 100 besten Juristen Deutschlands. Diese Leute, soviel ist sicher, haben ganz andere Möglichkeiten ihr Geld zu verdienen als kleinen, dummen Doktoranden die Promotion zu schreiben. Ähnliche Überlegungen gelten auch für andere Fächer als die Juristerei. Ihr verlinkter Artikel zum Thema Ghostwriting (der im übrigen von dem Verfasser in den Kommentaren als Ironie gekennzeichnet ist) diskutiert ja Ghostwriting im Zusammenhang mit Diplomarbeiten - da mag die Situation ein wenig anders aussehen.

    Wenn zu Guttenberg ein kleiner Anwalt wäre (der er im Übrigen nicht sein kann, weil er nie das zweite juristische Staatsexamen bestanden hat und somit ohne offiziellen Berufsabschluss dasteht), so wäre seine Promotion nie so genau untersucht worden, davon muss man leider ausgehen. Er ist allerdings Spitzenpolitiker geworden und da muss man schon eine gewisse Dummheit besitzen, so finde ich, mit so einer Leiche im Keller das Rampenlicht zu suchen.


    Nun noch ein paar Worte zu Afghanistan. Auch hier stimme ich mit Ihnen überein, dass die Macht der Taliban teilweise auf die Dummheit des Westens zurückzuführen ist. In diesem Zusammenhang fragen Sie "Und unsere Soldaten sollen jetzt dort reingehen und das so gezüchtete Krebsgeschwür unter Einsatz ihres Lebens bekämpfen?" Ich stelle Ihnen die Gegenfrage: Wenn Sie an einem Krebsgeschwür selber die Schuld tragen, bspw. durch Rauchen, wäre das für sie ein Grund den Kampf gegen die Metastasierung des ganzen Körpers aufzugeben? Oder auf Afghanistan bezogen, halten Sie es wirklich für die bessere Alternative die Taliban in Ruhe zu lassen, der Al-Qaida ihre alte Operationsbasis zurückzugeben und in 1-2 Jahren die nächsten 2000 Toten aufgrund eines Anschlages radikaler Islamisten zu beklagen?


    Mir sind die Bodenschatzfunde bekannt, von denen der von Ihnen verlinkte Focusartikel berichtet. Diese Funde sind jedoch erst in den Jahren 2009 und 2010 gemacht worden, also lange nach dem "Einmarsch" der Amerikaner. Daher hatten diese Funde mit Sicherheit keinen Einfluss auf die Entscheidung Militär nach Afghanistan zu senden. Des Weiteren sind diese Bodenschätze immer noch relativ gering im Vergleich zu den Bodenschätzen ölreicher Staaten. Wären "wir" wirklich wegen der Bodenschätze da, so hätte es, zum Beispiel, 10x mehr Sinn ergeben Libyen einzunehmen. Dort gibt es nämlich wirkliche Bodenschätze....

    Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Christian S.

    AntwortenLöschen
  42. Lieber Herr Christian S., dass es für so etwas keine Ghostwriter gibt, das halte ich für ein Gerücht. Eine Minute googeln, und Sie finden beispielsweise diese Seite hier (weshalb ich den Link zur Info ganz einfach mal hier reinkopiere): http://www.agentur-texte.de/. Interessant ist vor allem die Anmerkung, die Wahrung der Anonymität sei gewährleistet. ;-) Gut, der Bereich Jura ist in der aktuellen Angebotsliste auf der Seite nicht verzeichnet. Aber wetten: Wenn ich nach einer Minute Suchen solch eine Seite finde, dann brauche ich maximal weitere 15 Minuten, um einen entsprechenden Anbieter für Juradissertationen zu finden.

    Dass unbedingt einer der hundert besten Juristen des Landes die Dissertation verfassen müsste, das denke ich nicht. Ansonsten wäre ein Doktorand ja definitiv nicht in der Lage, solch eine Arbeit selbst zu schreiben. Ich bin sicher: Ein ansonsten arbeitsloser Akademiker mit guten Fähigkeiten des Recherchierens von Faktenwissen tut es ebenfalls. Meine Vermutung ist: Der steigenden Anzahl von Absolventen juristischer Studiengänge stehen immer weniger Arbeitsmöglichkeiten gegenüber, siehe hier: http://www.123recht.net/article.asp?a=12377&ccheck=1. Was machen so viele Juristen, die zuvor auf das "Ausbildung-ist-alles-Gedöns" hereingefallen sind und nun mit ihrem Wissen nichts anfangen können? Antwort: Sie werden entweder Abmahnanwälte oder Ghostwriter.

    Man muss schon sehr viel Vertrauen in die Natur des Menschen haben, wenn man die Fakten betrachtet und annimmt, es ginge mehrheitlich mit rechten Dingen zu:
    * Ein Doktortitel bringt hohes Ansehen und entsprechende berufliche Möglichkeiten.
    * Eine Dissertation zu verfassen ist nicht so einfach.
    * Ein wenig nachzuhelfen hingegen schon (siehe Link oben).
    * Überprüft wird scheinbar lässig, sonst hätte zu Guttenbergs Doktorvater zumindest die Tatsache bemerkt, dass die Arbeit auch Texte enthält, die aus seiner eigenen Feder stammen.

    Dem Menschen ist es evolutionsbedingt gegeben, hauptsächlich auf seinen eigenen Vorteil zu sehen, anders hätte er nicht überleben können. Nun anzunehmen, dass diese Grundregel gerade bei Doktorarbeiten nicht gelten sollte, sehe ich keinen Grund.

    Was den Afghanistankrieg angeht, so halte ich ihn zur Terrorbekämpfung für ein ungeeignetes Mittel. Die USA wurden nicht vom afghanischen Staat angegriffen. Wäre dies der Fall, wäre die Sachlage eine andere und der Bündnisfall definitiv gegeben. Auf Wikileaks lässt sich die Anzahl im Krieg getöteter Zivilisten in Afghanistan mit einigem Aufwand nachrechnen. Auf jeden Fall übersteigt sie die Zahl 2000 inzwischen um ein Vielfaches. Zivilisten. Menschen, die mit dem Terroranschlag in New York absolut nichts zu tun haben. Al Quaida hingegen ist auf diese Weise nicht zu packen, ansonsten stünden Osama bin Laden und seine Spießgesellen längst vor Gericht. Im Übrigen wäre, wenn man eine Kriegsstrategie verfolgen will, ein Angriff auf Saudi-Arabien nicht weniger gerechtfertigt. Verschiedenen Quellen zufolge stammen von dort die finanziellen Mittel, die Al Quaidas Überleben sichern.

    Thema Bodenschätze: Sowohl die Äußerung, um derentwillen Bundespräsident Köhler zurückgetreten ist, als auch die Äußerung KT zu Guttenbergs (siehe Kolumne) lassen für mich keinen anderen Schluss zu. Der Bedarf an Lithium kann nun mal nicht durch Erdöl gedeckt werden.

    Ihnen ebenfalls ein schönes Wochenende und beste Grüße,

    Ursula Prem

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