Sonntag, 27. Februar 2011

58 »Steht Cabreras Museum vor dem Aus?«

Teil 58 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 27.02.2011


Prof. Cabrera schließt sein
privates Museum auf
Foto: Walter-Jörg Langbein
So manches Mal habe ich Prof. Javier Cabrera Darquea (1924-2001) besucht. Und jedes Mal war es für mich fast ein magischer Moment, wenn er die Tür zu seinem geheimnisvollen Museum aufschloss. Wenn die Tür aufgedrückt wurde, erschloss sich mir eine fremdartige Welt. Ich betrat ein Museum, das in Teilen mehr einem Horrorkabinett glich. Es war wie in einem Indiane-Jones-Film: der Abenteurer betritt eine fantastisch anmutende Welt.

Auf viel zu engem Raum bewahrte Prof. Javier Cabrera Darquea Steine unterschiedlichster Größen auf. Regale quollen förmlich über von meist schwarzen Steinen in Faustgröße. Am Boden lagen solche in Medizinballgröße... und alle waren sie mit Gravuren versehen. Auf manchen Steinen war nur eine Ritzzeichnung zu sehen. Andere wiederum erzählten in Bilderfolgen faszinierende Geschichten. Es war immer wieder ein Erlebnis, von Prof. Cabrera durch eine faszinierende Welt geführt zu werden. Er tat dies immer voller Elan und mit Begeisterung.

Tausende Steine mit Zigtausenden von Gravuren müsse man, so beteuerte Prof. Cabrera Darquea immer wieder, wie ein Buch lesen. Ich frage mich besorgt: Werden die gravierten Steine bald verstummen... bevor man ihnen richtig zugehört hat? Laut Cabrera ruhen in einem unterirdischen Depot noch sehr viel mehr rätselhafte Objekte. Nur ein Bruchteil der Funde konnte, so Cabrera, in sein Museum geschafft werden. Gibt es dieses mysteriöse Depot wirklich? Wenn es nicht der Fantasie Cabreras entsprungen sein sollte.... wird es wahrscheinlich nie seine Schätze freigeben. Denn Prof. Cabrera nahm das Wissen, wo sich das ominöse Depot befinden soll, mit ins Grab.

Ein Mensch reitet Saurier
Foto: Walter-Jörg Langbein
Die Bibliothek der gravierten Steine erzähle, so der Museumsgründer, fantastisch anmutende Geschichten: Von uralten Epochen unseres Globus, als Menschen und Saurier gemeinsam unseren Planeten bevölkert haben sollen. Ja es soll den Menschen sogar gelungen sein, Saurier zu domestizieren und auf ihnen zu reiten. Eine uralte Kultur sei in graue Vorzeit untergegangen.

Prof. Cabrera Darquea trug seine Thesen über die fantastische Vergangenheit unserer Erde stets mit missionarischem Eifer vor. Sei Museum war sein Leben. Kritik an seinen oft kühn anmutenden Gedanken konnte den sonst sehr umgänglichen Mediziner gelegentlich aufbrausend werden lassen. Allerdings sah er sich immer wieder auch unfairer und unsachlicher Kritik ausgesetzt. Sein Museum wurde auch von Kritikern lächerlich gemacht, die nie auch nur einen Fuß in das mit Fundstücken überquellende Gebäude gesetzt haben. Viele Jahre wäre das möglich gewesen. Seit dem Tod Cabreras aber wurde das immer schwieriger!

Gleiches Motiv in Ton
Foto: Walter-Jörg Langbein
Auf anderen Steinen wurden medizinische Eingriffe dargestellt: keine einfachen Operationen, sondern Organtransplantationen wie Herzverpflanzungen. Gar manches Mal erklärte mir Prof. Cabrera Darquea, wie man die Vielzahl von Einzelbildern wie ein Buch lesen könne: von Sauriern, Menschen und moderner Medizin vor unermesslichen langen Zeiten. Erst als der Gelehrte Vertrauen zu mir gefasst hatte, durfte ich seine »Geheimkammer« betreten. Tausende Figürchen aus gebranntem Ton erzählten die gleichen Geschichten wie die gravierten Steine: von Menschen, die als Zeitgenossen der Saurier lebten... und von komplizierten Operationen in grauer Vorzeit. Kurzum: Prof. Javier Cabrera Darquea wollte die Besucher seines Museums ein Buch lesen lassen, das das Bild von unserer Vergangenheit auf den Kopf stellte.

Nach unserem heutigen Verständnis waren die Saurier nie und nimmer Zeitgenossen des Menschen. Diese Monsterwesen waren nach dem Konsens der Gelehrtenwelt viele Jahrmillionen ausgestorben, als der Mensch auftauchte. Und natürlich wurden erst vor wenigen Jahrzehnten Herzoperation ausgeführt, nicht in grauer Vorzeit. Und doch zeigte Prof. Cabrera Darquea just solche Motive in seinem Museum.

Herzoperation als Steingravur
Foto: Walter-Jörg Langbein
Die Reaktion der Gelehrtenwelt fiel weitestgehend unisono aus: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf... muss es sich bei den Museumsartefakten um Fälschungen handeln. Zu diesem Urteil kamen die Gelehrten in der Regel, ohne auch nur einen Stein oder Tonfigur auch nur in der Hand gehalten zu haben. Als dann Cabrera starb, verlor das Museum seinen wichtigsten Unterstützer. Und dann kam der 15. August 2007. Ein gewaltiges Erdbeben suchte Südamerika heim. Betroffen war hauptsächlich Peru. Aber auch Ecuador, Brasilien und Chile spürten die Ausläufer.

In Peru starben nach amtlicher Zählung »über 510 Menschen« Wie viele Tote insgesamt zu beklagen waren, ist nicht bekannt. Unter den Ärmsten der Ärmsten gab es so manches Opfer, das nie in die Statistik aufgenommen wurde. Allein im Städtchen Pisco wurden 80 Prozent der Häuser zerstört, 200 Tote wurden aus den Trümmern geborgen. Das Hypozentrum des Bebens – es erreichte eine Stärke zwischen 7,5 und 8 – lag vor Südamerika: wo sich die Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte schiebt. So entstehen regelmäßig Erdbeben. Ein noch stärkeres Beben könnte sehr wohl eine gewaltige Flutwelle auslösen und ein ganzes Land, ja einen Kontinent verwüsten.

Herzoperation in Ton gebrannt
Foto: Walter-Jörg Langbein
Auch Ica wurde vom Erdbeben heimgesucht: Prof. Cabreras Museum wurde beschädigt. Gravierte Steine zerbrachen oder wurden zumindest beschädigt.

Wie überstanden die so leicht zerbrechlichen Tonfiguren die Katastrophe? Trotz intensiver Recherche konnte ich das nicht erfahren. Angeblich wurden die Tausenden von fantastischen Tonfiguren bereits vor dem Erdbeben in ein »Depot« gebracht. Angeblich blieben diese »unmöglichen« Objekte verschont. Sie sind aber nicht mehr im Museum zu bestaunen. Wo befinden sie sich? Ich habe erhebliche Bedenken... und befürchte, dass das mysteriöse Museum vor dem Aus steht.

Als Prof. Javier Cabrera Darquea noch lebte, führte er gern interessierte Menschen durch sein Museum. Er wollte so viele Mitmenschen mit seinem Enthusiasmus anstecken. Während der sympathische Mediziner vor Ort lebte, ist die neue Leiterin Eugenia Cabrera nach Lima gezogen. Die Tochter Cabreras steht theoretisch für Besichtigungen des Museums zur Verfügung. Sie muss aber jedes Mal erst aus Lima anreisen... ein höchst umständliches Unterfangen in Peru.

»Urmeli« in Stein graviert
Foto: Walter-Jörg Langbein
Theoretisch kann man einen Teil der Museumsstücke noch sehen (nur die gravierten Steine!), praktisch ist das aber recht schwierig geworden. De facto ist die Sammlung kaum noch für die Öffentlichkeit zugänglich. Ich befürchte, dass das einst berühmte Museum zusehends in Vergessenheit gerät. Und dann ist es nur noch ein Schritt, bis die gravierten Steine in der Versenkung verschwinden. Zur Erinnerung: Pater Crespis Sammlung wurde bereits zum Großteil abgetan. Ein Großteil der gravierten Metallplatten ist für immer verloren. Sie wurden zum Beispiel Teil – das ergab meine Recherche – beim Kirchenbau in Cuenca im Boden einbetoniert.

Ich bedauere diese allgemeine Tendenz sehr: Archäologische Objekte, die das herkömmliche Geschichtsbild zu erschüttern drohen... sollten nicht ungeprüft zu Fälschungen erklärt werden. Wirkliche Wissenschaft sollte den Mut haben, sich auch kritischen Fragen zu stellen. Könnte man doch die Fundstücke Cabreras wie ein Buch lesen. Das aber kann nicht geschehen, wenn alle umstrittenen Funde rasch zum wertlosen Plunder erklärt werden... Und das meist per Ferndiagnose.

Auf meinen Reisen zu den mysteriösesten Orten unseres Planeten habe ich immer wieder archäologische Objekte sehen dürfen, die es eigentlich nicht geben dürfte. Ich sehe es als meine Aufgabe an, diese Funde der verbotenen Archäologie so gut wie möglich zu dokumentieren.

Dank: Ich bedanke mich vielmals bei Eugenia Cabrera, die mir stets ausführlich auf meine Fragen zum Museum ihres Vaters antwortete.

Alle Fotos: Walter-Jörg Langbein

»Gold in geheimnisvollen Gräbern«,
Teil 59 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 06.03.2011

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