Sonntag, 31. Oktober 2010

41 »Die Schlange, die vom Himmel steigt«

Teil 41 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Vielleicht die schönste Pyramide der Welt...
Sie ist für mich eine der schönsten Pyramiden der Welt: »Castillo« nannten sie die Spanier, geweiht war sie dem Gott Kukulkan. Die heute sichtbare Pyramide wurde über eine ältere gebaut. Die »Urpyramide« steckt wie ein Kern in der »neuen«.

Der plündernde »Eroberer« Francisco de Montejo baute hier sein Lager auf... im Zentrum einer einst gewaltigen Metropole. Einst war die Mayastadt mindestens fünfundzwanzig Quadratkilometer groß. Sie ist heute weitestgehend vom Erdboden verschwunden. Weite Teile müssen noch rekonstruiert werden. Wo mögen sich noch Fundamente im Erdreich verborgen finden? Die Spanier haben gewaltig gewütet und unermesslich kostbare Kulturgüter verwüstet und zerstört.

»Heidnischer Glaube« war den Vertretern des christlichen Abendlandes ein Gräuel. Dabei dürften die meist des Lesens unkundigen Europäer, die gen Mittel- und Südamerika zogen wohl kaum wirklich fromm und gottesgläubig gewesen sein! Man muss es immer wieder wiederholen: Zeugnisse der uralten Kulturen Zentralamerikas wurden rücksichtslos vernichtet. Kultstätten wurden verwüstet, fortschrittliche Siedlungen abgefackelt, Menschen wurden gefoltert und ermordet.

Prof. Dr. Hans Georg Wunderlich (1928-1974) bringt es in seinem Standardwerk »Die Steinzeit ist noch nicht zu Ende« (1): »Kolumbus, Cortés, Pizarro und wie sie alle hießen, sie waren nach heutigen Vorstellungen bestenfalls Abenteurer, in der Mehrzahl aber tatsächlich nichts anderes als brutale Erpresser und Killer. »Nach Prof. Wunderlich waren »die Konquisadoren durchweg goldgierige Massenmörder – und das waren sie wirklich«.

Der Kulturphilosoph Egon Friedell (1878-1938) kritisiert mit Recht die Arroganz der Spanier. In seinem geradezu legendären Werk »Kulturgeschichte der Neuzeit« (2) schreibt er: »Als Hernando Cortez im Jahre 1519 den Boden Mexikos betrat, fand er eine hochentwickelte, ja überentwickelte Kultur vor, die der europäischen weit überlegen war; als Weißer und Katholik, verblendet durch den doppelten Größenwahn seiner Religion und seiner Rasse, vermochte er sich jedoch nicht zu dem Gedanken erheben, dass Wesen von anderer Weltanschauung und Hautfarbe ihm auch nur ebenbürtig waren. Es ist tragisch und grotesk, mit welchem Dünkel diese Spanier, Angehörige der brutalsten, abergläubischen und ungebildetsten Nation ihres Weltteils, eine Kultur betrachteten, deren Grundlage sie nicht einmal ahnen konnten.«

Ein Kalender aus Stein
Die Kukulkan-Pyramide beeindruckt nicht durch monumentale Wuchtigkeit, sondern durch schlichte Eleganz und Leichtigkeit. Was mögen die Priesterarchitekten dem sakralen Bauwerk der Mayas
an Wissen anvertraut haben? Haben wir schon das im Stein verewigte Wissen schon vollständig entschlüsselt? Das wage ich zu bezweifeln. Fakt ist: Das Bauwerk des Kukulkan besteht aus neun Plattformen. Vier Treppen führen nach oben zum Kukulkan-Tempel. Insgesamt sind es 364 Stufen. Eine 365. Stufe gewährt Zutritt zum Tempel, Zwei Säulen säumen den Eingang. Gefiederte Schlangen sind zu erkennen.

Jede Treppenstufe steht für einen Tag. 365 Treppenstufen entsprechen exakt der Dauer eines Jahres von 365 Tagen. Die Mayas waren geradezu besessene Astronomen. Sie beobachteten die Planeten und Sterne. Über Jahrhunderte hinweg notierten sie die Ergebnisse ihrer präzisen Beobachtungen. Sie erkannten das Gesetz der ewigen Wiederkehr. Die Zeit, das wussten die Mayas – und das war die Grundaussage ihrer Philosophie – besteht aus sich ewig wiederholenden Zyklen: seit Anbeginn des Universums drehen sie sich wie die Räder eines genial entworfenen Mechanismus.

Die mystische Schlange
steigt vom Himmel herab
Die Mayas haben ohne Zweifel ihre Erkenntnisse in unzähligen Codices verewigt. Die aber wurden von den barbarischen Eroberern mit Enthusiasmus gesammelt und in gewaltigen Feuern verbrannt. Erhalten geblieben ist ein astronomisches Werk in Stein: die Pyramide des Kukulkan! Alle Jahre wieder bietet sie so etwas wie einen Film, eine »Lichtshow«.. mit der Präzision eines Uhrwerks: immer am 21. März und am 21. September kriecht Gott Kukulkan als Schlange aus Licht vom Himmel herab... und verschwindet wieder ins Himmelreich.

Damit dieses Phänomen Jahr für Jahr pünktlich zu den Sonnwendfeier an 21. März und am 21. September sichtbar werden konnte, waren umfangreichste Berechnungen und präzise Entwürfe erforderlich. Die Kukulkan-Pyramide musste millimetergenau platziert werden, sonst würde nicht seit Jahrhunderten Sonnenlicht und Schatten eine Schlange vom Himmel steigen und wieder entschwinden lassen...

Ich habe diesen »Film« mit einigen Tausend anderen Besuchern am 21. März gesehen. Schon am Morgen hatte ich mich eingefunden. Erst gut anderthalb Stunden vor dem Sonnenuntergang begann’s: die Sonne leuchtete die dem Westen zugeneigte Pyramidenfläche an. Wie unzählige Kegel von Taschenlampen projizieren die Sonnenstrahlen Licht auf die nördliche Pyramidenfront. Dreiecke aus Licht entstehen, wandern von der Spitze der Pyramide nach unten. Ein Schlangenkopf taucht aus dem Schatten auf...

Deutlich ist der Leib der zur Erde kriechende Schlange zu erkennen, von der Schwanzspitze bis zum geöffneten Maul. Die Schlange vollendet ihre Reise: aus dem All zur Erde. Dies geschieht alljährlich am 21. März. Und alljährlich am 21. September kehrt sie wieder in die unendlichen Weiten des Alls zurück!

Ein steinerner Schlangenkopf
Worte vermögen den Zauber nicht wirklich zutreffend zu beschreiben. Es ist ein Mysterium aus Stein, Licht und Schatten.. wir vor den Augen des Betrachters eine Schlange aus Licht entsteht, die sich mit ihrem mächtigen Kopf aus massivem Stein am Boden vereint.

Astronomische Kenntnisse waren Voraussetzung.. ebenso wie perfekte Baukunst! Und Astronomen der Extraklasse waren sie, die Mayas! Über viele Jahrhunderte beobachteten sie Sterne und Planeten. Sie verfügten in Chichen Itza über ein perfektes Observatorium!

In Chichen Itza gab es auch eine »Kirche« der Stern- und Planetenforscher. Das Kultgebäude heißt heute »Caracol«, zu Deutsch »Schneckenhaus« oder »Schneckenturm«. Wie es bei den Mayas hieß, das weiß heute niemand mehr zu sagen ... Deutlich ist der Zweck des Bauwerks zu erkennen: Es war ein Observatorium. Der Name ist leicht erklärt: Im Inneren führt eine Wendeltreppe bis zur höchsten Stufe. Schon aus einiger Distanz fällt die ungewöhnliche Kuppel des astronomisch-sakralen Denkmals auf.

Das Observatorium der Mayas
Auf drei Stufen erhebt sich das Gebäude an der idealen Stelle in der Stadt. Die Maya-Astronomen hatten den perfekten Blick auf die Venus, die sie studierten. Auch Sonnenbeobachtungen wurden mit wissenschaftlicher Akribie durchgeführt. Leider nagte der Zahn der Zeit über die Jahrhunderte am »Caracol«, der aber nichts von seiner majestätischen Aura eingebüßt hat. Leider lässt sich die Ruine nicht mehr exakt genug rekonstruieren. So kann so manches Maß von astronomischer Bedeutung nicht mehr erkannt werden. Und die Manuskripte der Astronomen, die es gegeben haben muss, wurden wohl von den Spaniern mit Eifer verbrannt. Oder ruhen sie noch irgendwo in geheimen Verstecken, die die Plünderer übersehen haben?

Trotzdem muss man auch heute über die Präzision der Baumeister der Mayas staunen. Der Grundriss des Caracol hat ein Seitenverhältnis von 5 zu 8. Auf den ersten Blick erscheint das nicht weiter ungewöhnlich zu sein. Doch entspricht diese Relation exakt dem Verhältnis der Umlaufzeiten von Erde und Venus, 365 zu 584. Wie viele astronomische Daten mögen wohl einst in das Maya-Observatorium eingeflossen sein? Fest steht:

Durch kleine Fensterchen und Luken wurden wichtige Sterne angepeilt. Planeten wurden beobachtet. Ergebnisse wurden notiert. Die Mayas wollten dem Geheimnis des Universums auf die Spur kommen. Sie wollten eruieren, nach welchem Plan sich Sterne und Planeten bewegen.

Die Mayas verfügten über enormes astronomisches Wissen. Sie versuchten Gesetzmäßigkeiten im Zusammenspiel der kosmischen Körper zu erkennen. Hinter den Planeten und Sternen vermuteten sie einen intelligenten Plan.

Tausende bestaunen das Wunder von Chichen Itza
Zurück zur Pyramide von Kukulkan und der Schlange aus Licht ... Das Phänomen lockt auch heute noch Tausende von Maya-Nachkommen, aber auch Touristen, an. Die Schlange, geformt aus Licht und Schatten, wandert von der obersten Tempelplattform nach unten. Sie ringelt sich die steilen Pyramidenstufen hinab....und kehrt auch wieder nach oben zurück.

Wer sich einen guten Platz ergattern möchte, sollte schon frühmorgens bei der Kukulkan-Pyramide erscheinen. Denn bald schon setzt der Massenansturm ein. Das weitläufige Areal wird förmlich von Menschen überflutet ... sehr zum Ärger der katholischen Kirche! Wird doch auf diese Weise – unwissentlich oder nicht – ein uralter Kult der Mayas ... die Anbetung der Schlange, die vom Himmel kommt ... fortgeführt ... Es empfiehlt sich, sich möglichst nah bei den Ruinen eine Unterkunft zu suchen. Auf diese Weise kann man schon frühmorgens die Ruinenanlage betreten, ohne störende Besuchermassen Pyramide, Observatorium, Tempel und Opferbrunnen auf sich wirken lassen.

Im »Buch der Jaguar-Priester« heißt es: »Sie (die Götter, Ergänzung des Verfassers) stiegen von der Straße der Sterne hernieder. Sie sprachen die magische Sprache der Sterne des Himmels. Ihr Zeichen ist unsere Gewissheit, dass sie vom Himmel kamen. Und wenn sie wieder herniedersteigen, dann werden sie neu ordnen, was sie einst schufen.«

Nach Jahrzehnten des Forschens bin ich davon überzeugt: Die Mayas sahen den Ablauf der Geschichte des Universums als ewige Wiederkehr von Zeit-Zyklen. Sie rechneten in astronomischen Zahlen. Sie überblickten wahre Zeitmeere, die sich kein Mensch vorstellen kann. Sie maßen Zeitenläufe nach Milliarden von Jahren. Für die Mayas folgten einander Weltuntergang und Neuanfang immer wieder aufs Neue! Kulturen wurden geboren, Kulturen blühten zu höchstem Niveau, um wieder zu versinken. Doch jedem Ende wohnte bei den Mayas ein Neuanfang inne ...

Leben wir am Vorabend des Jahres 2012 im Angesicht des nächsten Weltuntergangs? Endet im Jahr 2012 wieder ein Zyklus der Mayas? Steigen dann wieder Götter vom Himmel... Astronautengötter? Naht die nächste Apokalypse? (Zu diesem Thema habe ich mich ausführlich in meinem Buch »2012 - Endzeit und Neuanfang« geäußert!)

Astronautengott aus dem All?
Fußnoten(1) Wunderlich, Hans Georg: »Die Steinzeit ist noch nicht zu Ende«, Reinbek bei Hamburg 1977, S. 184

(2) Zitiert von Wunderlich, Hans Georg: : »Die Steinzeit ist noch nicht zu Ende«, Reinbek bei Hamburg 1977, S.186

»Das Geheimnis der fliegenden Männer«,
Teil 42 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 07.11.2010






Samstag, 30. Oktober 2010

Samstagsrezension Helga König: La mia cucina

Der Autor dieses Buches ist der ultrasympathische italienische Koch, Kochbuchautor und Fernsehkoch Sante de Santis. Er ist Inhaber des Ristorante "San Pietro" in Stuttgart mit dazugehöriger Kochschule.
Die schönen Fotos von ihm und seinen Speisen hat Klaus Arras realisiert.

Die Rezepte zeigen, dass de Santis ein sehr kreativer Koch ist, der es versteht, seine Gäste zu verwöhnen.

Sante de Santis wartet zunächst mit zwei sehr geschmackvollen Menüs auf. Das eine Menü nennt er "Normale", das andere "Nobile". Die Rezepte für die einzelnen Gänge sind gut erklärt. Dabei gefallen mir de Santis handschriftlichen Aufzeichnungen, weil sie für eine ganz persönliche Note sorgen. Sehr gut sind die "Sedanini mit frischen Steinpilzen", bei denen man das Steinpilzpulver und der trockene Weißwein nicht vergessen darf. Traumhaft auch sind "Frische Brombeeren in der Knuspertruhe" und die "Pfirsiche in Alufolie gebacken mit süßem Herz". Diese Desserts schließen jeweils die beiden Menüs ab.

Der Koch wartet mit einer Vielzahl von anderen delikaten Menüs auf. Die Speisen harmonieren stets perfekt miteinander. Dennoch sollte man den Mut aufbringen, seine dargebotenen Rezepte zu neuen Menüs zusammenzustellen, um nicht das Gefühl zu haben, einfach nur stupide seine Kreationen abzukupfern.

Seine "Crostini mit rohem Schinken" passen zu einem Glas Rosé sehr gut. Gefallen haben mir auch die "Sizilianischen Grapefruits", die eine ideale Begleitung für Thunfischtranchen sind. Das Originalrezept wird mit Orangen zubereitet werden, vertraut der Fernsehkoch seinen Lesern an.

Sehr raffiniert ist die Zubereitung der "Taglioni mit Venusmuscheln", auch der "Rinderfiletstreifen in Tomatensauce" und der "Regenbogen von Thunfisch, Grapefruit, Feigen und Oliven". De Santis hat ein Händchen für das gewisse individuelle Etwas in seinen Rezepturen.

"Die "Doradenfilets mit kandierten Zitronen und Kräuterkartoffeln" finde ich besonders gelungen. Die Kräutermischung aus Minze, Zitronenmelisse, Rosmarin und Basilikum passt bestens zu diesem mediterranen Fisch. Ein großes Lob für den Koch aufgrund seiner "Avocadotörtchen mit Basilicum und Hummerkrabben". Diese Vorspeise gehört von jetzt an zu den Vorspeisen, die ich zubereite, wenn Gäste kommen.

Der "Seeteufel in Oliven" mit Rosmarin aromatisiert ist ein schönes Sommergericht und das "Geschmorte Lamm mit Tomaten und Couscous", das mit Ingwer und Mandeln zubereitet wird, ist ein delikate Speise jetzt im Herbst. Dazu ein Glas Vino Nobile und man wähnt sich im Schlaraffenland.

Im Anschluss an den Rezeptteil informiert der Koch über verschiedene italienische Lebensmittel. Das macht er sehr ausführlich und hochinformativ. Seine Ausführungen über Olivenöl haben mir gut gefallen und auch die zu Minestrone, - eigentlich Minestra-, zu Crostini und zu anderen kulinarischen Spezialitäten aus Italien, die ich an dieser Stelle nicht alle aufzählen möchte.

Das Kochbuch ist ein sehr persönliches Kochbuch, das die Handschrift dieses freundlichen Kochs trägt, den man spontan knuddeln möchte. De Santis ist ebenso süß wie seine Dessertkreationen, ein zum Mensch gewordener Teddybär:-))

Empfehlenswert.
Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.


Freitag, 29. Oktober 2010

Freitagskolumne - »Post an Wagner«: Gutes und böses Geld

Eine Antwort auf Franz Josef Wagners Kolumne
»Liebe Tierfreunde«, BILD, 27. 10. 2010

Lieber Franz Josef Wagner,

»seitdem ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere.« Dieses Zitat von Arthur Schopenhauer fiel mir sofort ein, als ich Ihren Beitrag las.

Was genau ist es, das den Menschen so weit über die Tiere erhebt? Seine Fähigkeit zu strategischer Kriegsführung? Zur Erfindung der Atombombe? Sein Vermögen zu eiskaltem Kalkül, wenn nötig, in jahrzehntelanger Folgerichtigkeit?

Warum sollte es verwerflicher sein, 7000 € in die Gesundheit einer Katze zu investieren, als beispielsweise diese 7000 € alljährlich auf nächtlichen Sauftouren durchzubringen, wie nicht wenige Leute das tun?

Gutmenschliches Abrechnen fremden Geldes, das scheint überhaupt ein Volkssport geworden zu sein. Wir haben uns einen Staat geschaffen, der seinen Bürgern längst nicht mehr zutraut, über das eigene Geld zu verfügen. Das wird weggesteuert und für »höhere Zwecke« verbrannt. Ja, wir scheinen tatsächlich Knechte eines Staatswesens vom Geiste Franz Josef Wagners geworden zu sein.

Ein anderes Beispiel ist die Aktion »Brot statt Böller«, die uns alljährlich den Grad unseres schlechten Gewissens in Euro und Cent vorrechnet: Ihr schießt Böller in den Himmel statt zu spenden? Schämt Euch!

Der dahinter stehende gute Gedanke lässt eines außer Acht: Jede Geldausgabe, sei es für eine Katze, für einige allabendliche Drinks oder für Silvesterraketen ermöglicht anderen Menschen ein Auskommen. Tierarzt, Barbetreiber oder Böllerproduzent werden keine Not leiden, solange die Menschen frei entscheiden, wofür sie ihre Kohle ausgeben. Hinzugerechnet werden müssen sämtliche Angestellte und sonstige Mitarbeiter, sowie die Zulieferer und Zwischenhändler der Betreffenden: All diese Menschen und die von ihnen abhängenden Familien werden davor geschützt, selbst in die Situation eines Hilfsempfängers zu kommen. Weil sie ihr Auskommen erwerben dürfen, statt es sich schenken lassen zu müssen.

Es gibt eine höchst gefährliche Tendenz. Dies ist mir vor einiger Zeit schon klargeworden, als mich in irgendeinem Internetforum jemand blöde anging: »Sie haben ja Werbung auf Ihren Websites! Schämen Sie sich eigentlich nicht?« Ich sah mir daraufhin die Website des Meckerers an. Diese enthielt einen Bettellink nach dem Motto: »Diese Seiten zu pflegen ist ein hoher Aufwand. Bitte spenden Sie an Kontonummer ...«

Nun stelle ich die Frage: Was veredelt den Bettler gegenüber dem, der sein Geld auf herkömmliche Weise verdient? Wodurch ist es ehrenwerter, sein Auskommen zusammenzubetteln, statt eine konkrete Gegenleistung dafür zu bieten? Wo werden wir als Gesellschaft hinkommen, wenn nur geschenktes Geld gutes Geld, verdientes Geld aber »böses Kapital« ist, das drastisch zu besteuern und dessen Erwerb streng zu reglementieren ist?

Neulich hörte ich vom Fall eines Kleinverdieners. Zu stolz für Hartz-4. Weshalb er 12 Stunden am Tag arbeitet, damit aber nur wenig über dem Hartz-4-Satz verdient, weil die Branche eben nicht mehr hergibt. So ein Blödmann muss bestraft werden!, sagt das System und verlangt ihm den vollen GEZ-Satz ab. Im Gegensatz zu einem Hilfeempfänger, für den »das Recht auf Information und gesellschaftliche Teilhabe» ein Menschenrecht darstellt.

Also: Lassen Sie dem Tierarzt seinen Verdienst. Nicht, dass der sich für seine Arbeit noch schuldiger fühlen muss, als er sowieso schon ist. Denn, nicht wahr: Wenn dieser Unmensch nicht wäre, dann wäre halb Afrika gerettet. Einschließlich seiner Königspinguine und Elefanten.

Herzlichst,

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Buchneuerscheinung: »Einfach nur lernen! - Multiplikation« von Ursula Prem

Großeltern sind als familieninterne Nachhilfelehrer sehr angesagt, wenn es um das Erlernen der Grundrechenarten geht. Für Kinder ist es faszinierend, zu beobachten, wie Opa eine vielstellige Multiplikationsaufgabe blitzschnell löst. Und das ganz ohne Taschenrechner. Einfach so, mit Papier und Bleistift. »Die Lösung lautet 21.148.464«, erklärt Opa mit vergnügtem Grinsen, noch während der Enkel krampfhaft überlegt, was die Lehrerin nun eigentlich gesagt habe, wie so eine Aufgabe zu lösen sei. Natürlich hat er das Multiplizieren längst in der Schule gelernt. Und doch - irgendwie geht es längst nicht so selbstverständlich und leicht wie bei Opa.

Was ist Opas Geheimnis?
»Ja, zu unserer Zeit, da mussten wir rechnen bis die Schwarte krachte!«, erklärt Opa vergnügt. »Taschenrechner gab es damals ja noch gar nicht. Zapfen aus dreistelligen Zahlen mussten wir rechnen, einfach so, und wehe, sie sind nicht aufgegangen. Dann konnte man von vorne anfangen. Ja, das Rechnen, das hat man uns wirklich noch beigebracht damals.«

Diese Situation, die sich in unserer Familie tatsächlich so abgespielt hat, sagt sehr viel über die Gründe der heutigen Bildungsmisere aus. Betrachtet man den Unterricht an einer Grundschule, dann sieht man, dass ein Großteil der kostbaren Lernzeit gerade im Fach Rechnen für das Ausmalen bunter Lösungsbildchen draufgeht. Diese Zeit, für einfaches Rechnen genutzt, die macht den eigentlichen Unterschied zwischen Bildungsland und Pisa-Schock aus. Wir brauchen keine weiteren »Systeme«, kosmetische Umbenennungen der Schulformen oder über mehrere Jahre »ausgereifte« Konzepte mehr. Diese haben wir schon zu lange, und sie sind es, die uns an den Punkt gebracht haben, an welchem wir heute stehen.

Die Ursache eines Problems kann niemals dessen Lösung sein. Also brauchen wir neue Wege. Rechnen lernt man nicht durch Ausmalen. Sondern nur durch Rechnen.

Reihenweise einfach nur rechnen - Sie finden, das überfordert die Kinder?
Unsere Kinder sind heute überfordert. Gar keine Frage. Alleine das Suchen der eigentlichen Aufgaben zwischen all den bunten Bildchen auf Arbeitsblättern und in Schulbüchern ist eine gewaltige Herausforderung für sie, wenn sie noch nicht gelernt haben, Wichtiges vom Unwichtigen zu unterscheiden. Das Ergebnis nennt man dann »Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom«: Die Aufmerksamkeit springt von Punkt zu Punkt in der verzweifelten Suche nach einem lohnenswerten Inhalt.

Wenn wir all das erkannt haben - warum ändern wir es nicht auf eigene Faust?
Auf die Bildungspolitik warten? - Vergessen Sie's! Die wartet nämlich selber: auf die nächste Wahl. Inzwischen wachsen die Kinder heran und werden wahltaktischen Kalküls geopfert. Bringen wir ihnen einfach das bei, was sie brauchen, und sorgen wir dafür, dass sie Gelegenheit zum ausreichenden Üben bekommen. Und wenn die Schule das nicht schafft, dann greifen wir zur Selbsthilfe. Mehr ist gar nicht notwendig.

Die Buchreihe »Einfach nur lernen!«
Der erste Band von »Einfach nur lernen!« ist kürzlich erschienen und behandelt das Gebiet der Multiplikation. Figürchen, bunte Muster, weitschweifige Erklärungen? - Weit gefehlt. In »Einfach nur lernen! - Multiplikation« finden sich Übungsaufgaben in großen Mengen. Dazu ein paar elementare Merksätze zum Auswendiglernen. Auf unnötigen Ballast wird bewusst verzichtet, um den Kopf frei zu haben für den eigentlichen Sinn der Sache: das Rechnen.

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Einfach nur lernen! - Multiplikation


Mittwoch, 27. Oktober 2010

Die Lust einen Krimi zu schreiben! Teil I

Die Idee einen Krimi zu schreiben, entstand aus purer Neugier. Ich schreibe seit vielen Jahren, habe Kurzgeschichten und drei Bücher veröffentlicht. An einen Krimi hatte ich mich bisher nicht gewagt. Ich muss gestehen, dass mich Tuna von Blumenstein, nachdem ich sie hier bei »Ein-Buch-Lesen« kennenlernen durfte, dazu ermuntert hat. Sie selbst hatte bereits ihren Krimi aus der Region zu schreiben begonnen.

Ich zögerte, obwohl das neugierige Kribbeln in mir nicht mehr zur Ruhe kam. So habe ich mich entschlossen, einen neuen Weg in puncto Schreiben zu gehen. Etwas Wesentliches hatte ich jedoch vergessen: zu recherchieren! Ich bemerkte es sofort, als ich über die Ermittlungsarbeiten in meinem Krimi nachdachte. Was wusste ich denn? War es logisch, was ich begonnen hatte, zu schreiben? Hier erfinderisch zu werden, macht keinen Sinn. Die Handlung selbst kann fiktiv sein. Aber die polizeilichen Ermittlungsarbeiten sollten stimmig durchgeführt werden. Das heißt: einige grundlegende wichtige Abläufe zu erfahren. So legte ich denn meine »Feder« nieder und besuchte das nächste Polizeirevier.
Da ich den genauen Hergang meines Krimis noch nicht vollständig im Kopf hatte, stellte ich meine Fragen eher allgemein. Der Beamte war zuvorkommend, aber die Antworten halfen mir nicht wirklich weiter. Ich hätte meine Fragen gezielter stellen müssen. Wir fanden jedoch ein gemeinsames Thema: das Schreiben! Er verriet mir, dass er selbst auch ein Buch geschrieben hätte, das allerdings nur für den Freundeskreis bestimmt wäre. Es sei eine delikate Geschichte, die er nicht öffentlich machen wollte. Ich tat ihm jedoch meine Meinung kund, dass ein Autor keine Hemmungen zeigen sollte. Der eigentliche Grund, warum ich dort vorgesprochen hatte, stand nicht mehr zur Debatte.
So musste ich mich mit den wenigen Informationen zu frieden geben und widmete mich meinem Manuskript. Weit kam ich nicht, die Angaben waren nicht ausreichend. Es blieb mir nichts anderes übrig, als mit dem zuständigen Kriminalamt, welches ich im Internet schnell ausfindig machen konnte, Kontakt aufzunehmen. Zuerst fragte ich per Mail an, ob ich überhaupt einige Fragen stellen dürfte. Ich schilderte den Grund meiner Anfrage und wartete auf Antwort. Vier Tage waren vergangen und ich befürchtete, dass meine Anfrage ignoriert wurde.

Einen Tag später traf die Antwort ein und lautete: »Selbstverständlich dürfen Sie Ihre Fragen stellen. Wir werden sie baldmöglichst beantworten.« Ich verfasste eine Liste mit Fragen und mailte sie zurück. Hocherfreut begann ich, an dem Inhalt meines Krimis zu arbeiten. Wie sollte ich beginnen? Das war für mich eine entscheidende Frage. Es sollte am Anfang bereits eine gewisse Spannung entstehen.

Nach einigen Tagen bekam ich eine Mail mit allen beantworteten Fragen. Ich fand es sehr nett, dass die Dame vom Präsidium so zugänglich gewesen war. Jetzt konnte ich richtig loslegen …

Wie es weiter geht, erfahren Sie am nächsten Mittwoch!
Lesen Sie auch Teil II

Anmerkung der Redaktion:
Rita Hajaks Krimi ist soeben erschienen.

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Sonntag, 24. Oktober 2010

40 »Die Pyramide und eine Schlange aus Licht«

Teil 40 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Eine der geheimnisvollsten Pyramiden der Welt
Der altehrwürdige Name Chichen Itza, bekannt durch die »Kukulkan-Pyramide«, wird von »humorvollen« Touristen gern zu »Chicken Pizza« verballhornt. Er lässt sich mit »Am Rand der Quelle von Itzá« übersetzen. Im Jahre 455 christlicher Zeitrechnung, so heißt es, haben die Itzá, die Quellen entdeckt, die dem mystischen Ort ihren Namen gaben.

Etwa 300 Meter nördlich von Chichen Itza lockt ein unheimlicher »Brunnen der Opfer« Touristen wie Einheimische an. Wie entstand der »Cenote de los Sacrificos«? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Brach ein unterirdischer Hohlraum ein, so dass sich ein Schlund auftat? Oder schlug ein Himmelskörper ein, der das kreisrunde Loch schuf?

Wie auch immer: Die scharf umrandete Wunde der Erde füllte sich mit Wasser. Sahen sie die Mayas als einen Eingang in die Unterwelt an? Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kaufte der ehrenwerte Konsul und Hobbyarchäologe Eduard Thompson die Grundstücke an den Grenzen der Stadt Chichen Itza. Dafür bezahlte er einen Spottpreis: 75 US-Dollar. Was Eduard Thompson beabsichtigte, wurde schnell klar. Es ging ihm nicht um die Suche nach wissenschaftlicher Erkenntnis, sondern um Plünderei! Sofort wurde mit der methodischer Untersuchung begonnen. Der Ausdruck Räuberei ist wohl eher angebracht.

Einer der großen Pioniere der Erforschung Chichen Itzas war Augustus Le Plongeon (1826-1908), der Comte de Coqueville. Der leidenschaftliche Wissenschaftler war alles andere als ein ahnungsloser Hobbyforscher, der am Schreibtisch fantasiereiche Thesen austüftelte. Plongeon war ein Archäologe der alten Schule. Er suchte vor Ort nach Hinweisen auf die Geschichte der Mayas. Zwölf Jahre verbrachte er zum Teil unter spartanischsten Bedingungen in Mexiko. Allein fünf Jahre davon hauste er in den Ruinen der Maya-Metropole Chichen Itza. Der tschechische Maya-Experte Miloslav Stingl würdigte den wissenschaftlichen Querdenker so: »Wir verdanken ihm die erste wirklich archäologische Erforschung des gesamten Stadtareals (gemeint ist: Chichen Itza). Vergessene Pyramiden und Tempel befreite er von ihrer grünen Selvahülle (Urwald).«

Tor zur Unterwelt ... der Cenote von Chichen Itza
In den Jahren 1904 bis 1907 wurden Taucher hinab in den Cenote geschickt. Sie wurden rasch und immer wieder fündig. Neben etwa fünfzig Skeletten wurden Tausende wertvoller Objekte geborgen. Offenbar war der Brunnen einst genutzt worden, um den Göttern Opfer zu bringen: kostbare Kunstobjekte und... Menschen. Gingen die Menschen freiwillig in den Tod, etwa um die Götter in Dürrezeiten gewogen zu machen und Regen zu schenken? Wie dem auch sei: Zahllose Kostbarkeiten wurden im Schlamm am Boden des Cenote gefunden... und – verbotener Weise – per Geheimkurier in die USA geschafft. Thompsons Diebstähle fielen auf, trotz seiner hohen Position als Konsul musste er das Land verlassen.

Im Verlauf der letzten dreißig Jahre besuchte ich wiederholt die mysteriöse Ruinenstadt von Chichen Itza. So manches Mal schlenderte ich durch die parkähnliche Anlage, die die einstige Größe der Stätte allenfalls nur noch erahnen lässt.

Im Verlauf der letzten drei Jahrzehnte bereiste ich die Welt von Ägypten bis zu den Neuen Hebriden. Nirgendwo auf der Welt faszinierte mich eine Botschaft aus uralten Zeiten wie die der Schlange aus Licht. Jahr für Jahr steigt in Chichen Itza ein himmlisches Wesen auf die Erde herab. Jahr für Jahr kann so etwas wie ein Film beobachtet werden, den geniale Baumeister der Mayas vor vielen Jahrhunderten schufen... für die Menschen der Zukunft? Für uns? Jahr für Jahr lockt das uralte Spiel aus Licht und Schatten Zigtausende in ihren Bann.

Die Schlange aus Licht steigt vom Himmel herab
Immer wieder schlenderte ich zum »Tempel der Krieger«,»Templo de los Guerros« genannt. Von einer gewaltigen Vorhalle sind nur 60 martialische Säulen erhalten. Flachreliefs lassen die meisten von ihnen als Darstellungen von Kriegern erkennen. Viele von ihnen sind bewaffnet, mit Speerschleudern und Wurfspießen. Andere sind mit gebogenen Stöcken ausgerüstet. Damit konnten geschickte Krieger feindliche Wurfgeschossen abwehren. Gegen Attacken mit messerscharfen Steinklingen gespickte Keulen konnten sie allerdings nichts ausrichten.

Einst waren die bis an die Zähne bewaffneten Gestalten bunt bemalt. Bis auf kleine Farbreste ist davon nichts mehr erhalten. Einst trugen die starken Männer aus Stein das Dach einer Vorhalle.. alle oder einige? Wie mag das Dach ausgesehen haben? Wie groß mag es gewesen sein? Welchem Zweck mag es gedient haben? Versammelten sich hier die Gläubigen, bevor sie den Tempel betreten durften?

Der Tempel der Krieger mit seinen Säulen
Von besonderer Bedeutung war für den »Tempel der Krieger« eine geheimnisvolle Steinplastik, Chak Mool genannt. Der Maya-Forscher Agustus Le Plangeon gab im Jahr 1875 der mysteriösen Figur diesen Namen. Wie sie bei den Mayas hieß, das wissen wir nicht. Ein menschliches Wesen liegt da rücklings. Die Beine sind angewinkelt, die Ellenbogen in den Grund gestemmt. Auf der Brust trug Chac Mool (zu Deutsch etwa »Roter Jaguar« oder »Großer Jaguar«) so etwas wie ein Gefäß. Es ist reine Horrorfantasie, wenn behauptet wird, menschliche Herzen seien in diesem Gefäß als Opfer dargebracht worden. Vorsicht: Wir dürfen nicht in das »Denken« der spanischen Mordplünderer verfallen, die ihr grausiges Vorgehen mit Hinweisen auf die angeblich so primitiven Mayas begründen wollten. Es ging ihnen aber nicht um das Auslöschen einer vermeintlich primitiven Kultur, sondern um primitive Gier nach Gold und Reichtum!


Der Tempel der Krieger mit seinen Säulen

»Die Schlange, die vom Himmel steigt«,
Teil 41 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein
erscheint am 31.10.2010

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Samstag, 23. Oktober 2010

Samstagsrezension: Vier Freundinnen auf Schatzsuche- Cosima Prem




Neuerdings betreibe ich auch einen Blog mit Rezensionen von Kinderbüchern, den man von der Hauptseite meiner Rezensionsplattform http://www.rezensionen.co/ aus ansteuern kann. Für diesen Blog halte ich derzeit Aussschau nach wirklich gelungenen Kinderbüchern, die ich dann mit großer Freude rezensiere, um Erwachsenen, aber auch Kindern bei der Suche nach guten Kinderbüchern behilflich sein zu können. Die Kinderbücher, die ich lese und rezensiere, schenke ich Jakob, dem kleinen Goldschatz in unserer Familie.

Da er noch nicht lesen kann, wird er Cosimas Buch von seiner Mutter vorgelesen bekommen und ihr gewiss wieder Löcher in den Bauch fragen: "Mama, wann darf ich Cosima kennenlernen und ihr ein Küsschen geben?"


Cosima, die Tochter der von mir geschätzten Autorin Ursula Prem hat im Alter von 8 Jahren ihren ersten Roman verfasst. Als ich das Foto des hübschen Mädchens auf der Rückseite ihres Buches sah, ihre nachdenklichen Augen und ihre betont hohe Stirn, wusste ich, hier wartet kein Fake auf mich. Dieses Kind war in der Lage in diesem Alter ein Buch zu schreiben.


Ihr Roman beginnt mit einer Mobbinggeschichte, wie sie an Schulen heutzutage immer häufiger geschieht. Das gemobbte Kind schließt Freundschaft mit einem anderen gemobbten Mädchen und schafft es, sich auf diese Weise aus der Isolierung zu lösen. Von da an nimmt das Feuerwerk der Abenteuer, das vier Freundinnen - zwei weitere Mädchen vervollständigen das Kleeblatt - entzünden, seinen Lauf.


Ute, Alina, Anna und Doris heißen die Mädchen, die auf Schatzsuche gehen. Kindesentführung und Verbrecherjagd in Phantasielandschaften, gibt es zu bestehen aber auch das Bergen eines alten Familieschatzes, den die Mädchen sich am Ende teilen.


Mir gefällt, dass Cosima im Team denkt. Das Wichtigste sind dieser kleinen Autorin Freundschaften, wichtig auch ist ihr, dass Eltern ihre Kinder knuddeln. Sie zeigt in ihrem Text, was Kinder wirklich brauchen.

Sie zeigt, welche Phantasien Kinder beflügeln und dass man Kinder nicht mit überflüssigen Erklärungen überfrachten soll. Kindern ist vieles sofort klar, weil sie intuitiv weitaus mehr erfassen als Erwachsene.


Genau dies macht Cosimas Buch zu einem wirklichen Abenteuer für Kinder. Hochintelligent verfasst und gerade deswegen konzentriert auf das Eigentliche, schreibt diese Achtjährige sich in die Herzen nicht nur ihrer Altersgenossen, sondern auch kleinerer Kinder ein, die möglicherweise noch nicht alles verstehen, aber fasziniert sind von den vielen Dingen, die sich ereignen.


Cosima bietet nicht nur einen spannenden Inhalt, sondern sie ist auch stilistisch brillant. Ich wünsche mir, dass ihr Buch bei vielen Kindern an Weihnachten auf dem Gabentisch liegt. Die Kinder werden erfreut sein, da bin ich mir sicher.




Vier Freundinnen auf Schatzsuche ist überall im Buchhandel erhältlich.


Freitag, 22. Oktober 2010

Freitagskolumne - »Post an Wagner«: Also dann Prost!

Eine Antwort auf Franz Josef Wagners Kolumne
»Lieber Rausch«, BILD, 25.02.2010

Lieber Franz Josef Wagner,


soeben fand ich im Archiv Ihrer Kolumnen ein poetisches Loblied an den Rausch. Keine Ahnung, warum mir diese Perle der Wortkunst bislang entgangen war. »Ich kenne mich aus mit Räuschen«, lassen Sie den Leser wissen, »der Briefschreiber Wagner wird im Rausch ein Dichter.« Und: »Der Rausch ist die Sehnsucht nach der Sehnsucht nach der Sehnsucht.«

Und wissen Sie was? - Sie haben recht! Auch ich finde es sehr wichtig, an prominenter Stelle in der meist gelesenen Zeitung Deutschlands für einen möglichst hohen Alkoholkonsum zu werben, indem man dessen Vorzüge ins rechte Licht rückt. Wer möchte schließlich nicht gerne ein anderer Mensch werden? Unsere Kinder jedenfalls scheinen die Vorteile des Suffs bereits gerafft zu haben: »Jeder zweite 15-jährige betrinkt sich regelmäßig«, lautet eine der neuesten einschlägigen Nachrichten.

Nun könnte man natürlich auch darangehen, sich öffentlich Gedanken zu machen über all die Strukturen, die unsere Welt für viele so unerträglich machen, dass sie sie nur noch im Vollrausch ertragen. Über all die Lügen und schlecht gezimmerten Psychokrücken, mit denen wir täglich überzogen werden. Denen wir nur schwer entgehen können. Und die so verzweifelt leicht zu durchschauen sind, dass man sie sich nur noch schön trinken kann, wenn man keine echten Strategien gegen sie findet.

Für Kinder und Jugendliche ist unsere Welt besonders tragisch: Vom Kindergarten an werden sie eingeschworen auf »Soziale Kompetenz« und Konfliktvermeidung um jeden Preis (»Hier sind wir alle Freunde! Deshalb darfst Du nicht zurückhauen. Niklas wird sich bei Dir entschuldigen, dass er Dir vors Schienbein getreten hat. - Nicht wahr, Niklas? Es tut Dir doch ehrlich leid, oder?«)

Kommen sie dann in die Schule, werden die stramm auf wehrlos Getrimmten schnell mit der Realität konfrontiert. Alle bunt gemusterten, pädagogisch wertvollen Schulbücher können sie nicht darüber hinwegtäuschen, dass die dahinter stehende Logik knallhart ist: Funktioniere, oder Du bist draußen. Landest an der »Restschule« und gehörst für die Dauer Deines weiteren Lebens zu den Losern. Lust auf den eigentlichen Lerninhalt kommt da nicht so leicht auf. Eher schon das Dauergefühl der Unzulänglichkeit und Hoffnungslosigkeit, ein Zustand, für den es eine Lösung gibt: Den Alkohol.

Alles, was einer im Rausch »sein« kann, könnte er ohne den Suff auch in der Realität erreichen. Wenn er bloß wüsste, wie. Zeit, viel darüber nachzudenken, hat er nicht mehr. Wenn der Alkohol ihn erst im Griff hat, bleiben nur wenige unverkaterte, klare Stunden übrig. Was für ein Glück also, dass Leute wie Franz Josef Wagner daherkommen und uns bescheinigen, dass wir wenigstens diesmal auf dem richtigen Weg sind. »Im künstlichen Paradies. Sternhagelvoll. Besoffen, aber glücklich.« Durch diese Absolution lässt sich das Leben nun besser ertragen. Also dann: Prost!

Herzlichst,

Dienstag, 19. Oktober 2010

Heute im Radio: Tuna von Blumenstein

Das »Ein Buch lesen!«-Team gratuliert Tuna von Blumenstein sehr herzlich zu ihrer heute im Radio WMW (Westmünsterland-Welle) gesendeten, sehr gelungenen Vorstellung ihres Krimis »Der Tote im Zwillbrocker Venn«.


Sonntag, 17. Oktober 2010

Helga König Rezension: Dr.Ruth Westheimer »Mythen der Liebe«

Das vorliegende Buch erzählt von der Liebe in ihren ungezählten Facetten und dies geschieht dadurch, dass der Leser mit den schönsten klassischen Mythen vertraut gemacht wird.

Auf den Weg gebracht wurde das Buch von Dr. Ruth K. Westheimer und Jerome E. Singermann.

Dr. Ruth K. Westheimer, die ich das Vergnügen hatte auf der Frankfurter Buchmesse 2010 persönlich kennenzulernen, ist am 4.6.1928 geboren. Die Jüdin verließ Deutschland im Kindesalter. Ihre Eltern wurden in Ausschwitz ermordet. Ich möchte an dieser Stelle nicht ihre gesamten Lebensdaten, die man dem Klappentext entnehmen kann, wiedergeben, aber doch erwähnen, dass sie einst an der Sorbonne Psychologie und in den USA Soziologie sowie Sozialwissenschaften studierte und an der Columbia University ihren Doktortitel erwarb. Westheimer doziert heute noch in Princeton und Yale, wo sie als gefragte Expertin gilt.

Die Sexualwissenschaftlerin möchte anhand der Mythen aufzeigen, dass sich im Grunde an der Liebe zwischen zwei Menschen seit dem Altertum nichts geändert hat und die alten Mythen Probleme in der Liebe sehr gut deutlich machen.

Zur Sprache kommen: Teiresias, Phaidra und Hippolytos, Amor und Psyche, Leda und der Schwan, Helena und Paris, Laodameia und Protesilaos, Hermaphroditos und Salamakis, Narziss, Iphis und Ianthe, Danae, Pasiphae und der Stier, Theseus und Ariadne, Dido und Aeneas, Pygmalion und die Staue, Kanake und Makareus, Myrrha und Kinyras, Venus und Adonis, Pyramus und Thisbe, Hero und Leander, Orpheus und Eurydike, Alkestis und Admetos, Kephalos und Prokris, Akontios und Kypdippe, Keyx und Alkyone sowie Philemon und Baucis.

Den kurz szizzierten Geschichten sind Abbildungen berühmter Kunstwerke beigegeben, die Westheimer kommentiert hat. Mir gefällt, dass die Autorin im Hinblick auf den Mythos von Narziss Salvadore Dalis "Metamorphose des Narziss" gewählt hat, weil dieses Gemälde eine große Bandbreite an Interpretationsmöglichkeiten zulässt und wie kein anderes Bild deutlich macht, wohin Selbstverliebtheit führt. Auf den letzten Seiten des Buches findet man die Bildnachweise der insgesamt 26 Bilder.

Westheimer arbeitet sehr gut heraus, worum es bei den einzelnen Mythen geht. Es führt zu weit, an dieser Stelle alle 25 Mythen zu thematisieren, aber ich möchte auf die nach Westheimer vielleicht sinnlichste und erotischste Liebesgeschichte der ganzen Mythologie hinweisen. Hierbei handelt es sich um "Amor und Psyche". Die Autorin merkt an, dass sich hier zwei besonders schöne junge Liebende in der Dunkelheit begegnen und sich nicht durch Blicke, sondern durch die Berührung des Körpers kennenlernen. Dennoch genügt Psyche der gute und erfüllende Sex nicht. Sie muss ihren Geliebten in vollem Licht sehen und als den erkennen, der er ist, gleichgültig, welches Risiko dies birgt. Ihre Leidenschaft kann nur zu Liebe heranreifen, wenn sie dies tut, (vgl.S. 35 und 36). Den anderen als den erkennen, der er ist, macht Liebe erst möglich. Am Beispiel des Narziss wird deutlich, dass nicht jeder dazu in der Lage ist.

Ich war überrascht, wie viele Mythen mir bislang unbekannt waren. So hatte ich von "Alketis und Admetos" bislang ebenso wenig etwas gehört wie von "Kephalos und Prokris" und von "Laodameia und Protesilaos" hatte ich auch noch nie etwas vernommen.

Ich musste wirklich grinsen als ich den allseits bekannten Mythos von "Helena und Paris" las. Westheimer schreibt im Hinblick auf Paris, der als Prototyp für Männer einer bestimmten Art ein gutes Beispiel liefert: "Und glauben Sie mir, diese Typen sind nicht die tollen Hechte, für die sie sich halten beziehungsweise als die sie sich präsentieren, sondern oberflächliche Einfaltspinsel von der Sorte, die auf dieser Welt viel zu viel Schaden anrichtet."(Zitat: S. 56) Das sehe ich auch so.

Die Autorin unterstreicht, dass das Problem von Narziss nicht in erster Linie darin besteht, dass er sich selbst liebt, sondern genau wie Hermaphroditos, keinen liebt, (vgl.: S. 76). Am Beispiel von Narziss kann man gut nachvollziehen, was mit Menschen geschieht, die sich ausschließlich selbst lieben. Im Grunde nehmen sie ein kummervolles Ende, weil ihre Selbstverliebtheit keine Erfüllung finden kann.

Tief beeindruckt bin ich immer, wenn ich den Mythos von "Pygmalion und der Statue" lese. Es ist im Grunde die Geschichte der Traumfrau, die nicht perfekt bleiben kann, wenn sie ein Mensch aus Fleisch und Blut geworden ist. Westheimer fragt in diesem Zusammenhang nicht grundlos "Wann ist der Partner eigentlich der perfekte Partner? In einer Zeit der Internetlieben entsteht, wie ich meine, dieser Mythos immer wieder neu mit all seinen Erwartungshaltungen, die kaum ein Mensch zu erfüllen vermag."

Ein sehr nüchternes Urteil fällt Westheimer bezüglich "Hero und Leander", von denen sie meint, dass sie wegen ihres guten Aussehens und ihrer sinnlichen Anziehungskraft sehr schlechte Liebhaber waren, (vgl. S. 174).

Dr. Westheimer zeigt viele Facetten der Liebe auf und sie reflektiert ganz zum Schluss die Geschichte von "Philemon und Baucis". Die beiden Liebenden werden eines Tages, als sie vor dem Tempel stehen und auf ihr Leben zurückblicken auf Wunsch von Philemon in Bäume verwandelt. Sie wünschen sich während des Umwandlungsvorgang noch Lebewohl aber sie werden nicht getrennt, denn die Linde und die Eiche verschlingen ihre Äste einer Umarmung gleich auf ewig miteinander.

Die verwitwte Autorin kann sich den Weg, den das alte Liebespaar in dem Mythos ging, für sich nicht vorstellen, trotz ihrer großen Trauer um ihren verstorbenen Gatten. Das ist mehr als verständlich, wenn man Dr. Ruth K. Westheimer einmal persönlich erlebt hat. Sie ist quirligstes Leben pur, eine Frau, für die Liebe Leben bedeutet und nicht deren Gegenteil.




Ein sehr schönes Buch, das anregt über die Liebe und ihrer Abgründe nachzudenken.

39 »In der ›Glimmerkammer‹«

Teil 39 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


 Dieser Beitrag enthält Fotos, die im Inneren der geheimnisvollen »Glimmerkammer« aufgenommen wurden. Diese Fotos sind eine echte Sensation. Die »Straße der Toten« ist mit ihren Pyramiden eine der bekanntesten archäologischen Stätten unseres Planeten. Die »Glimmerkammer« ist in der Öffentlichkeit so gut wie unbekannt. Fotos von der »Glimmerkammer« werden erstmals hier gezeigt. Der Blog »Ein Buch lesen!« bietet somit eine echte Weltpremiere!

Wo geht's zu den Pyramiden?
Foto: Ingeborg Diekmann

Hektisches Treiben herrscht auf der »Straße der Toten«. Busse spucken Touristen aus, die im Sauseschritt bis zur Mondpyramide eilen. Emsige Guides spulen das auswendig gelernte Wissen ab. Hastig steigen die abgehetzten Besucher wieder in ihre Busse, weiteren Attraktionen entgegen. Ob sie noch die Maria von Guadalupe besuchen? Oder geht’s zum Flughafen, um zur nächsten Station im nächsten Land zu entschwinden?

Viele Touristen nehmen sich etwas mehr Zeit. Sie besteigen sogar die beiden Pyramiden. In luftiger Höhe erfahren sie in Kurzform von ihren Führern, was in den Lehrbüchern über die »Straße der Toten« zu finden ist. Dass aber die gelehrten Wissenschaftler oftmals nur spekulieren und nur so tun, als seien alle Unklarheiten beseitigt, ahnen sie nicht.

Zahlreiche Grüppchen von Schülern beleben die »Straße der Toten«. Sie strahlen eine glückliche Heiterkeit aus. Mit Kassettenrekorder, Blöcken und Stiften bewaffnet befragen sie die Touristen. In jeder Gruppe der emsigen Schüler gibt es mindestens einen, der gut Englisch spricht.

Schulkinder interviewen Touristen
Foto: Ingeborg Diekmann


Immer wieder wird die Frage gestellt: »Was wissen Sie von den Pyramiden?« Ja... was? Millionen von Menschen marschieren die »Straße der Toten« entlang. Am eigentlichen Geheimnis gehen sie achtlos vorbei. Auf der rechten Seite, etwa einen Kilometer vor der »Sonnenpyramide«, ist ein kleines Blechschild angebracht. »Mica« steht darauf, zu Deutsch »Glimmer«. Im Verlauf verschiedener Reisen nach Mexiko habe ich immer wieder die »Straße der Toten« besucht. Immer wieder habe ich jeden greifbaren Führer oder Wächter nach der »Glimmerkammer« gefragt. Immer wieder bekam ich ein Achselzucken als »Antwort«. Ich kenne inzwischen den Weg ... bin ihn schon manches Mal gegangen ... Jedes Mal wurde ich von einem Zerberus männlichen oder weiblichen Geschlechts gestellt. Mir wurde mit deutlichen Gesten klar gemacht: »Du hast hier nichts zu suchen ...«

Der Eingang zur geheimnisvollen Glimmerkammer

Der Eingang zur »Glimmerkammer« ist weiträumig mit Stacheldraht gesichert. Ein dickes Bakschisch lässt auch dieses Hindernis bedeutungslos werden. Und ein noch üppigeres Bakschisch ermöglicht sogar... einen kurzen Besuch in der »Glimmerkammer« selbst. Leider wirkt der mysteriöse Raum wenig anziehend... dank moderner Restaurierungsmaßnahmen, die mehr zerstört als erhalten haben. Da wurde eine Betondecke eingezogen, die von Betonpfeilern gestützt wird. Die »Reparaturmaßnahmen« geschahen gewiss in bester Absicht. Offenbar drohten Decke und Wände einzustürzen. Sie mussten gesichert werden... keine Frage. Aber wäre das nicht auch etwas behutsamer möglich gewesen?

Es ist gefährlich, sich in diesem seltsamen Raum aufzuhalten, der eher einem Korridor gleicht... ohne erkennbaren Zweck. Oder verbergen Betonwände, was ungebetene Gäste nicht sehen sollen? Nichts weist heute mehr darauf hin, was einst in diesem Raum geschah.... Was aber ist dann so bedeutsam an der »Glimmerkammer«?

In der Glimmerkammer ...
Zwei wuchtige Eisenplatten, mit mittelalterlich wirkenden Schlössern gesichert, verbergen das Geheimnis der »Glimmerkammer«. Ein Bakschisch lässt den richtigen Wächter den richtigen Schlüssel finden... und schon werden die beiden Metallklappen zurückgewuchtet.

Wenig Licht fällt in die Tiefe. Nach einiger Zeit erkennt man etwa einen halben Meter unter der Klappe Glimmer... Ich beuge mich nach unten... und hole vorsichtig einen Klumpen Glimmer ans Tageslicht. Der Wächter blickt diskret zur Seite. Ich beuge mich in die Öffnung, leuchte mit meiner Taschenlampe umher.... überhall glimmert es. Der Schein der Lampe wird reflektiert... Glimmer, so weit das Auge reicht. Welchen Zweck erfüllt der Glimmer? Woher stammt er?
Man kann Glimmer als Verzierung einsetzen, keine Frage. Aber warum hat man großflächig einen unterirdischen Raum von oben mit Glimmer abgedeckt? Etwa zehn Zentimeter dick ist die Glimmerschicht, stelle ich fest. Das Mauerwerk darunter – die Decke der »Glimmerkammer« – soll einen halben Meter stark sein. Glimmer, eingebettet zwischen zwei dicke Steinbecken, kann nicht als Schmuck gedient haben.... Man konnte die Glimmerschicht ja nicht sehen. Welchem Zweck diente sie dann?

Eine dicke Glimmerschicht isoliert
die unterirdische Kammer ...

Dreißig Meter lang ist die mit Glimmer abgedeckte Fläche. Ein kundiger Guide erklärt mir: »Die sorgsam ausgelegte Glimmerfläche liegt unter einer wuchtigen Steinmauer von mindestens einem halben Meter Dicke. Wie groß das Areal ist, das so isoliert wurde.. wissen wir nicht. Weitere Grabungen sind erforderlich...« Die erforderlichen Grabungen aber, sind alles andere als einfach. Man muss sich durch harten Stein arbeiten.

Glimmer hat wirklich erstaunliche Eigenschaften. Glimmer ist extrem hitzefest (bis zu 800 Grad!), extreme Temperaturschwankungen erträgt Glimmer mit Gelassenheit.. genauso wie die meisten Säuren! Glimmer ist hervorragend geeignet als elektrisches Isolationsmaterial.

Zu Beginn des dritten nachchristlichen Jahrtausends sehen wir die technischen Aspekte von Glimmer, zum Beispiel als Isolator. Welchen Schutz sollte die Glimmerschicht vor zwei (oder mehr) Jahrtausenden bieten? Wurde Glimmer vor zwei Jahrtausenden nicht als Schutz im technischen Sinne verstanden?

Glimmer, so weit das Auge reicht ...

Natürlich müssen auch und gerade im Bereich der »Straße der Toten« Grabungen, so versicherte mir immer wieder, erst noch genehmigt werden. Das aber geschieht im konkreten Fall aber offenbar nicht. Seltsam: Die schlauchartige »Glimmerkammer« ist sehr viel kleiner als die bisher bekannte Glimmerfläche. Oder anders ausgedrückt: Die Decke ist sehr viel größer als der Raum darunter!

Erich von Däniken schrieb in seinem Buch »Der Tag an dem die Götter kamen« (1): »Mir ist in dieser Glimmerstory die Geheimniskrämerei verdächtig. Eisenplatten. Vorhängeschlösser. Die meisten der Wächter haben keine blasse Ahnung...Man komme mir, bitte, nicht mit der fadenscheinigen Erklärung, man müsse diese Kostbarkeit vor den Touristen schützen! Dazu wären zwei Wächter im Schichtdienst ausreichend. In Chichén-Itzá dürfen Touristen im Gänsemarsch in das Innere der Pyramide kriechen, um den steinernen Jaguar zu bewundern. Man könnte – wenn gar so kostbar – schusssichere Panzerglasscheiben vor die Wände stellen. Oder sollen hier nur lästige Fragestellungen abgewimmelt werden?«

Welche Ausmaße die durch Glimmer isolierte Fläche hat, das vermag niemand zu sagen. Sollte es neben der bekannten »Glimmerkammer« weitere Räume geben, die noch unzugänglich sind? Seit Jahren gibt es konkrete Hinweise auf eine weitläufige »Unterwelt«... unter der »Straße der Toten«, die vor mindestens 1800 Jahren verschlossen wurde. Sie soll mit den Pyramiden in Verbindung stehen.

Fürsten- oder Herrschergräber werden vermutet... womöglich ausgestattet mit unvorstellbaren Schätzen und Kostbarkeiten. Hat die »Glimmerkammer« etwas mit unterirdischen Grüften zu tun, die seit rund zwei Jahrtausenden unentdeckt geblieben sind? Sollte die Glimmerschicht Schutz bieten... wovor auch immer?

Was befindet sich hinter dem Schuttberg?

An einer Seite der »Glimmerkammer« gab es einen massiven natürlichen (?) Einbruch von Gesteinsmassen. Die moderne Betondecke endet... an einer abschließenden Wand? Steht da – hinter den Brocken – wirklich eine gemauerte Wand? Endet hier wirklich der Raum? Oder setzt er sich hinter den Steinbrocken unterschiedlicher Größe fort? Wer (oder was) ließ das Geröll den Raum an einer Seite verschließen? Sollen neugierige Besucher daran gehindert werden, weiter vorzudringen?

Manches deutet auf eine bevorstehende Sensation hin: Ein vor mindestens 1800 Jahren verschlossener Gang soll geöffnet werden. Werden Herrscher aus uralten Zeiten mit kostbaren Grabbeigaben gefunden werden? Werden wir auch über Funde informiert werden, die nicht in das Geschichtsbild der Schulwissenschaften passen? Zweifel sind angebracht. Könnten die Funde doch beweisen, dass die Geschichte der Pyramidenbauer viel weiter in die Vergangenheit zurückreicht... als die Schulwissenschaft für statthaft hält!

Sollte der Name »Straße der Toten« doch kein Fantasieausdruck sein... sondern auf Gräber von Herrschern aus uralten Zeiten hinweisen?

»Was liegt hinter dem Geröll?














Fußnote
(1) Däniken, Erich von: »Der Tag an dem die Götter kamen. 11. August 3114 v. Chr«, München 1984, S. 255 u. 256

Copyright für alle Fotos: Walter-Jörg Langbein

»Die Pyramide und eine Schlange aus Licht«,
Teil 40 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 24.10.2010

Samstag, 16. Oktober 2010

Samstagsrezension Helga König: Der Tote im Zwillbrocker Venn

Meine langjährige Freundin Tuna von Blumenstein, eine jung gebliebene ältere Dame aus dem Münsterland, hat sich entschlossen, einen Krimi zu schreiben.

Der Grund hierfür ist ihre Liebe zum "Zwillbrocker Venn", einem Naturschutzgebiet im Kreis Borken, das einst ein Hochmoor war. Hochmoore sind die ideale Kulisse für Texte dieses Genres und erzeugen per se Gruseleffekte.

Im "Zwillbrocker Venn", das die nördlichste Flamingokolonie der Welt beherbergt, gibt es u.a. eine Allee mit bizarren hohlen Kopfeichen, auch einen Prozessionsweg, der dort eine alte Barockkirche umgibt und ein riesiges Holzkreuz, das auf dem Buchdeckel des Krimis abgelichtet ist. Das Kreuz soll ein magischer Anziehungspunkt im Venn sein und erinnert mich in gewisser Weise an Droste von Hülshoffs Judenbuche.

Wer hier einen Toten findet, ahnt, dass dieser Tote eher ein Täter als ein Opfer ist.

In welchem Zusammenhang steht die in Blut getauchte Natur auf dem Buchdeckel mit dem idyllischen Foto eines liebevoll dekorierten hölzernen Gartentores?

Welches Drama breitet die Autorin in ihrem dicht geschriebenen Krimi aus, der sich teilweise so schnörkellos wie ein Polizeibericht liest und von lyrischen Texten Sylvia Bs. begleitet wird?

Ich war es übrigens, die Tuna darum gebeten hat, Gedichte von Sylvia in ihren Krimi einzubinden, einerseits, weil ich diesen Mix für ein gelungenes Experiment halte, andererseits, um die Bandbreite des Könnens von münsterländer Autoren aufzuzeigen. Kritiker mögen diese Vorgehensweise in Frage stellen, ich aber finde Arbeit im Team sehr gut, wenn es darum geht, eine Sache voranzubringen. In diesem Fall geht es darum, das Münsterland auch als Reiseziel interessant zu machen.

Nun zum Krimi: Ein Mann argentinischer Herkunft wird im Venn tot aufgefunden. Wurde er ermordet oder hat er sich selbst getötet?

Tuna hat ein interessantes Verwirrspiel inszeniert. Ihr Krimi beginnt mit einer Intrige. Dass sie nahe an der holländischen Grenze auch die Drogenproblematik nicht außen vor lässt, zeigt, dass sie die Region, die sie fokussiert, mit all ihren Facetten, auch den dunkleren, thematisiert.

Diebstahl, Rauschgiftdelikte, Kindesmord und Mord bestimmen den Handlungsablauf, in dem es immer wieder pychologische Reflektionsebenen gibt und Tuna sich der Schwarz-Weiß-Malerei bewusst enthält, wenn es um das Opfer- oder das Täterprofil geht: "Mein Eindruck ist der, dass der Verstorbene als Kind zeitweise unter Kalzium-Mangel-Rachits gelitten hatte, die durch einen Vitamin-D-Mangel verursacht wird. Die Fehlstellung der Zehen kann durchaus auf das Tragen nicht geeigneten Schuhwerkes zurückzuführen sein..." ( S. 55).

Zwei Frauen spielen im Krimi, neben dem verstorbenen Argentinier mit dubiosem Vorleben, eine entscheidende Rolle. In welchem Zusammenhang sie zu ihm standen, werde ich nicht verraten.

Es gibt Menschen, die, bevor sie ein Buch zu lesen beginnen, einen Blick auf die letzte Seite werfen. Tuna lässt ihren Krimi mit einem Gedicht enden. Die letzten beiden Verse lauten:

es wird der moment kommen
in dem ich spüre
da ist nichts mehr
weder liebe
noch hass
weder angst
noch kälte

wärme wird
meinen körper durchfluten
dann werde ich ruhig
und gefasst sein
und wissen
dass ich abschied
nehmen
kann.

Diese Zeilen sind der Schlüssel zu diesem Beziehungs-Krimi, der von einem Mann handelt, von dem man sich wünscht, er habe nie gelebt.

Sehr spannend zu lesen, empfehlenswert.

Das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von der Biologischen Station Zwillbrock zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns dafür herzlich.
Covergestaltung:
Satzstudio Roth, Emden

Freitag, 15. Oktober 2010

Freitagskolumne - »Post an Wagner«: Stuttgart 21

Eine Antwort auf Franz-Josef Wagners Kolumne
»Liebe Stuttgarter«, BILD, 06.10.2010

Lieber Franz Josef Wagner,

warum solche Aufregung um einen Bahnhof?, könnte man fragen. Wurden nicht schon immer seit Erfindung der Eisenbahn Bahnhöfe gebaut? Wieder abgerissen, neu aufgebaut, um- oder ausgebaut? Den Erfordernissen der jeweiligen Zeit angepasst? - Nein. Darum geht es inzwischen nur noch sekundär, denn der Stuttgarter Bahnhof ist zu einem Symbol geworden. Zu einem Prüfstein für die Echtheit unserer Demokratie.

Ihre kleine Unterrichtseinheit in Sozialkunde, Herr Wagner, klingt ein wenig wie das, was man Achtklässlern in der Schule erzählt, um ihnen vorzugaukeln, sie hätten im Erwachsenenleben echte politische Entscheidungen zu treffen. Alle vier Jahre an der Wahlurne. »Wir wählen Volksvertreter, wir legitimieren sie, für uns zu entscheiden«, schreiben Sie. Und den Buchstaben nach stimmt es sogar. Doch wie sieht es in der Praxis aus?

Alle vier Jahre finden wir im Briefkasten einen Wahlschein. Nun sollen wir uns an einem der kommenden Sonntage aufmachen, zum Wahllokal pilgern und Kreuzchen auf einem Zettel machen. Komisch, warum muss ich dabei immer an die alte Gepflogenheit der drei Kreuze denken, die bei schreibunkundigen Menschen die Unterschrift ersetzten?

Mit diesem reichlich anspruchslosen Zeichen also legitimieren wir unsere »Volksvertreter«. Neben welchem Namen man sein Kreuzchen machen soll, ist dabei gar nicht so einfach zu entscheiden. Nach was soll man dabei gehen, wenn man sich nicht gerade zur nibelungentreuen Anhängerschaft einer bestimmten Partei zählen kann? Nach dem Lächeln auf dem Wahlplakat? - Das dürfte angesichts der Möglichkeiten geschickter Maskenbildner in Kombination mit einem guten Bildbearbeitungsprogramm eine reichlich unzuverlässige Wahlhilfe sein. Das gleiche gilt für all die Sonntagsreden von Politikern vor einer anstehenden Wahl: Geschickte Redenschreiber verstehen es, all die Wölfe mit genügend verbaler Kreide zu füttern, auf dass ihr Stimmchen lieblich und ihre Versprechungen verlockend klingen. Ein Parteiprogramm, voll von unfinanzierbaren Vorschlägen? - Egal! Nach der Wahl kommt das sowieso ins Altpapier.

Wem all das zu blöd ist, der entscheidet sich vielleicht, lieber gar niemanden zu legitimieren und tritt der großen Gruppe der Wahlverweigerer bei, die bei uns inzwischen so etwas wie die stärkste Partei stellen. Doch es nützt ihnen nichts: Gezählt werden nur die Stimmen der Wahlteilnehmer, nicht die der Nichtteilnehmer. Die stärkste Partei fällt somit einfach unter den Tisch, obwohl das Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde für sie kein Problem darstellt.

Ist auf diese Weise der Volkswille festgestellt worden, feiert sich die Partei mit den meisten Stimmen als »überragender Sieger mit hohem Rückhalt im Volk.« Ab jetzt geht es ans Regieren. Was kümmern uns die Wähler? Wir sitzen erst mal im Sattel, und bis zur nächsten Wahl haben die Spackos sicher vergessen, was wir jetzt alles mit ihrem Geld für sie anrichten. Sollte das doch mal anders sein, schieben wir es auf die Umtriebe der Opposition. Muckt das Volk auf, erklären wir den Protest zu »populistischen Stammtischparolen« oder geben den Nervtötern mit dem Wasserwerfer aufs Maul. Im Übrigen verweisen wir auf die Demokratie. Kurz gesagt: Es ist nur noch zum Speien.

All diese Ungereimtheiten muss der arme Stuttgarter Bahnhof jetzt ausbaden. Stuttgart, so viel ist klar, wird weiter existieren. Mit oder ohne neuen Bahnhof.

Herzlichst,

Sonntag, 10. Oktober 2010

Eindrücke von der Messe von Helga König

Die Frankfurter Buchmesse 2010 nahm für mich am Donnerstagabend ihren Anfang. Der Fischer-Verlag  hatte Autoren und Freunde zum Empfang ins Verlagshaus eingeladen. Auf diesem Empfang hatte ich Gelegenheit, zahlreiche Autoren,  namhafte Literaturkritiker der Printmedien, einige netteVerleger aus der Schweiz, einen überaus eloquenten Museumsdirektor aus Goch und schließlich Roger Willemsen persönlich kennenzulernen, dem ich auf seinen Wunsch hin vorgestellt wurde. Der Dialog mit diesem amüsanten  Gesprächpartner streifte die Person und Romane des diesjährigen Nobelpreisträgers Vargas Llosa, auch unterhielten wir uns über lateinamerikanische Literatur, über seinen Blickwinkel auf die Buchmesse und über Wein. Der weitgereiste Intellektuelle trinkt gerne Riesling aus dem Rheingau. Willemsen gefiel mir aufgrund seines jugendlichen Charmes, seines Esprits und  seiner feinen Art der Dialogführung. Derzeit lese ich übrigens gerade sein Buch "Die Enden  der Welt", das ich im Oktober rezensieren werde. Darauf freue ich mich schon jetzt.

Sehr lange habe ich mich mit einem namhaften Hamburger Literaturkritiker  der Printmedien unterhalten, der auch zu den Freunden des Hauses Fischer zählt und habe mir mit großer Neugierde seine Definition  eines Rezensenten  angehört, mit ihm auch sehr lange über Lyrik  gesprochen und  mich von dessen Ritterlichkeit beeindrucken lassen.  Ich dachte, Männer dieser Art seien im letzten Jahrhundert bereits ausgestorben. So kann man sich irren.

Mit einer schweizerischen Verlegerin, die bislang ausschließlich Bücher über Kunst verlegt hat, unterhielt ich mich angeregt über ihr Projekt, ein Kochbuch  zu verlegen und ihre Motive, die sie dazu bewegt haben.  Alles in allem ein wunderschöner Abend mit vielen netten Eindrücken.

Am Freitag hielt ich mich  den Tag über auf der  Buchmesse auf.  Dieses Jahr begann  ich den Besuch  in der Halle, die für argentinische Bücher vorgesehen war. Ein wenig hoffte ich, meinen alten argentinischen Professor dort anzutreffen, bei dem ich im Rahmen meines Politologiestudiums zwei Hauptseminare über Lateinamerikanische Literatur belegt hatte, an der wir  das Verhalten der Mittelschichten  in Lateinamerika untersuchten. Ernsto dürfte mittlerweile etwa 85 Jahre  alt sein, sicher lebt er mittlerweile im sonnigen Spanien oder im Bücherhimmel. Die Buchmesse scheint er nach meinen Recherchen jedenfalls nicht  besucht zu haben. Schade eigentlich. Mitunter vergesse ich, wie viele Jahre seit den Unizeiten ins Land gegangen sind.

Der Aufbau der argentinischen Literatur in der Halle war gelungen. Ich versuchte mir einen kurzen Überblick zu verschaffen  und war von den vielen Argentinierinnen begeistert, die sich in dieser Halle aufhielten. Eine der älteren Damen sprach leise ein Gedicht, während sie das Buch eines argentinischen Dichters noch geschlossen in den Händen hielt. Diese Szene berührte mich sehr.

Anschließend  nahm ich mir, wie in jedem Jahr, die Hallen für Literatur vor. Zunächst stattete ich allen  namhaften Verlagen meinen Besuch ab, weil ich weiß, dass  es dort am Nachmittag  schwierig ist, sich in Ruhe mit den Buchneuheiten zu befassen, da immer mehr Interessenten zu den Büchern greifen. Auf einzelne Neuerscheinungen im Rahmen meines Messeberichts einzugehen, halte ich für wenig sinnvoll. Ich habe mir eine Liste mit den Büchern, die mich am meisten interessieren, erstellt  und werde diese Bücher  in den nächsten Monaten lesen und rezensieren. Wie immer sind meine Interessen kunterbunt. Einige Romane, viele Psychologie- und Philosophiebücher sind dabei und natürlich auch  Kunst- Koch- und Kinderbücher. Wie stets habe ich mit vielen Presseleuten gesprochen, auch vom te-Neues-Verlag. Dieses Gespräch war für mich besonders erhellend.

Am späten Nachmittag besuchte ich den Stand von "Collection Rolf Heyne", weil ich wusste, dass ich dort dann Dr. Ruth K . Westheimer antreffen werde. Die Sexualwissenschaftlerin stellte ihr neues Buch "Mythen der Liebe" vor, das ich dieser Tage rezensieren werde.  Die quirlige, hocheloquente, über 80 Jahre junge Dame doziert nach wie vor in Princeton und Yale und hat eine sehr bemerkenswerte Vita, über die ich  mich im Rahmen meiner Rezension äußern werde.

Ich hatte die Chance,  Dr. Westheimer  freitags und samstags ein wenig näher kennenzulernen und  bin glücklich, einer solch sexuell freizüg denkenden Frau begegnet zu sein. Meine Idee, auf meiner  Rezensensionsplattform eine Erotikabteilung eingerichtet zu haben, begrüßte sie und die kleine Filmsequenz von uns beiden, die eher zufällig entstand, weil sich in meiner  Handtasche  ein Knopf der Kamera versehentlich verstellt hatte, fand sie super und war vergnügt, diese Sequenz am Samstag  im Internet zu sehen.  Ich betrachte es als großes Glück, Dr. Westheimer kennengelernt zu haben.

Am Stand von "Collection Rolf Heyne" lernte ich die Verlegerin persönlich kennen. Anja Heyne ist eine sehr elegante, ungeheuer sympathische Frau, die das Schöne liebt und deshalb dem Schönen in den Büchern, die sie verlegt, huldigt. Das Bild, das ich von Dr. Ruth K. Westheimer und ihr gemacht habe, werde ich  heute noch beiden  Damen zusenden.  Zwei großartige Frauen. Jede eine Visionärin in ihrem Metier.

Am Stand von "Collection Rolf Heyne" traf ich auch Herbert Seckler, den Inhaber der "Sansibar" auf Sylt. Er berichtete mir, dass sein Buch sehr gut verkauft werde und er von seinen Lesern gehört habe, dass ihnen der Mix aus Liebeserklärungen seiner Gäste, den schönen Landschaftsbilder von Sylt und seinen Rezepten gut gefalle. Das kann ich soweit bestätigten. Nicht grundlos habe ich sein Buch "Das große Sansibar Buch" auf Amazon mit  5 Sterne bewertet.

Amüsant war auch die Begegnung mit dem Romancier Hanns-Josef Ortheil,  mit dem ich vor über 30 Jahren das letzte Mal sprach. Ortheil war damals junger Dozent in Mainz und  ich Studentin. Wir erinnerten uns an die Lesung seines ersten Romanes "Fermer". Sein Publikum waren primär Studentinnen.:-)) Zwischenzeitlich habe ich auf Amazon einige Bücher des schon lange arrivierten Schriftstellers rezensiert, dem es stets gelingt, die leisen Töne einzufangen.









Samstags begann mein Messetag mit einem netten Gespräch mit einer sehr jungen Psychologiestudentin, die mir berichtete, weshalb sie Psychologie studiere und weshalb sie Kinderpsychologien werden möchte. Mir gefiel ihre Argumentation, denn diese zeugte davon, dass das Mädchen klug ist. Von ihr habe ich ein Bild gemacht, weil mir ihr Enthusiasmus gefiel.


Zunächst stattete ich dem Diogenes-Verlag einen Besuch ab. Dort lernte ich den Schriftsteller und Amazon-Rezensenten Rolf Dobelli persönlich kennen, der gerade sein neues Buch "Massimo Marini" vorstellte. Wir unterhielten uns ausgiebig über "Dies und Das" und verstanden uns auf Anhieb prächtig. Dobelli hat den Schalk im Nacken. Solche Männer mag ich, insbesondere, wenn sie dazu noch  Esprit haben. Dobelli hat ihn. Ich wünsche ihm, dass sein Buch ein großer Erfolg wird.

Da samstags auf der Messe fast kein Durchkommen ist, galt dieser Tag den Kunstbüchern, wo ich mit großer Freude  in unzähligen Bildbänden blätterte, mit Verlagsleuten plauderte,  immer wieder einen Kaffee und viel Wasser trank, um schließlich erneut  bei Dr. Ruth Westheimer zu landen. Mit großem Vergnügen sah ich, wie verkaufstüchtig diese bodenständige Intellektuelle ist und am Stand nicht nur ihre, sondern auch alle anderen Bücher den Messebesuchern anpries.

Da es in den Hallen sehr heiß war, hielt ich mich immer wieder einmal  eine Weile im Freien auf. Dort habe ich viele junge Menschen in Phantasiekostümen fotografiert und mit ihnen geredet. Dabei habe ich mir erklären lassen, dass die Idee  aus Japan komme. Die Kostüme fertigen  sich die jungen Leute selbst an und möchten damit den Messebesuchern Freude bringen. Die Mädels und Jungs,  mit denen ich sprach, lieben Bücher und haben die Idee, durch ihre Kleidung an die Phantasie zu erinnern, die jeden guten Autor beflügeln sollte, wenn er zur Feder greift


Bevor ich nach Hause fuhr, traf ich noch Henryk M. Broder, den ich als einen der intelligentesten Köpfe in unserem Land betrachte. Zwei seiner brillanten Bücher habe ich bislang rezensiert.  Dass Broder kluge Augen hat, war mir bekannt, dass aber auch Feuer in seinem Blick ist, wurde mir bewusst als ich ihn
fotografierte.:-))

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