Sonntag, 31. Januar 2010

Im Gespräch mit Ephraim Kishon - Teil 2

Walter-Jörg Langbein
Teil 2
1930 hatte Friedrich Torberg mit seinem Roman »Der Schüler Gerber« einen zutiefst packenden, erschütternden Protest gegen die »Pädagogik« des Zerbrechens geschaffen. Torberg, dessen literarische Größe außer Zweifel steht, wurde zum Übersetzer Kishons. Der Literat trat hinter dem Übersetzer zurück.

Zwischen Kishon und Torberg herrschte ein reger Briefwechsel. Die beiden schrieben sich fast eintausend Briefe, die beide als literarische Genies erkennen lassen. Waren sie Freunde.. oder Feinde? Oder beides? Ihre Briefe spiegeln eine komplizierte, ja komplexe Welt wieder, geprägt von Freundschaft und Neid, Liebe und argwöhnischem Hass.

Lisa Kishon, Kishons zweite Frau, und David Axmann haben rund 150 Briefe ausgewählt. Die Briefe erschienen unter dem Titel »Dear Pappi -My beloved Sargnagel« als Buch... ein bewegendes Dokument, eine packende Dokumentation zweier wirklich großer Literaten.

Wer diesen Briefwechsel mit einigen wenigen Worten beschreiben will, muss scheitern. Begriffe versagen, können die ganz besondere Freundschaft zwischen dem erfolgreichsten Satiriker aller Zeiten und dem berühmtesten Übersetzer niemals zutreffend beschreiben. Dieser Briefwechsel – ein einzigartiges literarisches Dokument – lässt erahnen, warum Ephraim Kishon zum Phänomen Kishon wurde: Weil Autor und Übersetzer über einen ganz besonderen Humor verfügten, den gewiss auch eine Sintflut wie zu Noahs Zeiten nicht hätte erschüttern können.

Teil 2 des Interviews


Walter-Jörg Langbein: Wenn Sie an den Tod denken...

Ephraim Kishon: Ich bin da ja wirklich sehr neugierig. Ich werde es ja wohl vor Ihnen erleben. Nach meiner Auffassung ist Sterben ein Schlafen ohne Traum. Ich glaube, wenn ich sterben, dann wird das so sein, als wenn ich traumlos schlafe.

Walter-Jörg Langbein: Ist das eine eher angenehme oder eine unangenehme Vorstellung für Sie?

Kishon: Eine sehr angenehme. Es wäre eine schlimme Vorstellung zu denken: Ich sterbe und werde immer wieder und wieder geboren – und das mit der Last der Erinnerung an alle Fehler, die ich vielleicht einmal begangen habe. Ich glaube, man kann sich bestenfalls daran zurück erinnern, was man als Embryo erlebt hat. Das erscheint mir logisch, denn schon als Embryo hat man ein Gehirn. Warum soll man sich nicht an seine Zeit als Embryo erinnern?

Vorher ist Dunkelheit, und ich hoffe, dass es auch nach dem Tode erlösende Dunkelheit geben wird, die die Gnade des Vergessens gewährt. Was da kommt, da haben weder ich, noch mein Hündchen, noch der Papst oder das Oberrabbinat eine Ahnung.

Ich meine, wenn man sich mit solchen Fragen beschäftigt, sollte man sich nicht überlegen: ›Was ist nach dem Tode?‹ sondern ›Wofür leben wir?‹ Haben Sie sich das schon einmal überlegt?

Walter-Jörg Langbein: Ja, aber ich bin zu keiner wirklichen Antwort gekommen.

Kishon: Stellen Sie sich vor, wie ignorant wir sind, wenn es um diese einfachste Frage geht: Wofür? Und das ist für mich die wichtigste Frage. Sie ist wichtiger als Überlegungen von der Art ›Woher kam das erste Molekül?‹ oder ›Wie entstand das erste Leben?‹ oder ›Wie wurde der sogenannte Urknall vor Jahrmilliarden ausgelöst?‹.

Was ist da los? Würfelt da oben im Himmel ein alter Mann um unser Los? Spielt hier unten auf der Erde ein Zirkus, und der alte Mann da oben schaut zu? Ich glaube, man sollte richtig fragen lernen. Erst wofür, bevor man sich an das ›Wie?‹ wagt!

Walter-Jörg Langbein: Waren Sie einmal der Antwort näher, als Sie es heute sind?

Kishon: Das nicht. Aber es gab manchmal wichtiger Probleme. Ich habe die Ehre gehabt, die Nazizeit, den Holocaust, zu durchleben. Da fragte ich mich nicht ›Wofür?‹, sondern ›Wie komme ich da lebend heraus?«

Neulich habe ich ein altes Tagebuch gefunden, welches ich im Alter von siebzehn Jahren – es war um das Jahr 1940 – geschrieben habe, und da steht über einem Kapitel ›Wofür?‹ Es ist interessant: Die Menschen sprechen über alles. Etwa über die Frage, wie das Leben entstanden ist. Sie ergehen sich in astrologischen Fragen. Aber keiner weiß eine Antwort auf die Frage nach dem ›Wofür?‹.

Ich weiß da nicht mehr als mein Hündchen. Im Buch der Tatsachen, wo alles verzeichnet steht, ist diese Seite leer. Was den Tod angeht, so glaube ich, dass er ein Schlaf ohne Traum ist, eine totale Dunkelheit. Das glaube ich, ja das hoffe ich. Aber auf die Frage ›Wofür leben wir?‹, da habe ich keine Antwort. Die Beschäftigung mit dieser Frage ist etwas wie ein Fass ohne Boden, ein Teufelskreis.

Ich bin wirklich interessiert, unterhalte mich gern mit Theologen über diese Frage. Ich glaube, auch sie haben keine Antwort.

Walter-Jörg Langbein: Nach christlichem Verständnis schuf Gott den Menschen mit der Möglichkeit, sich für Gut oder Böse zu entscheiden. Er entschied sich für das Böse, für die Sünde. Gott musste seinen Sohn schicken, der für die Erlösung des Menschen starb.

Ephraim Kishon: Und das soll eine Antwort auf die Frage ›Wofür ist das Universum da?‹? Ich kenne die Antwort auf das ›Wofür‹ auch nicht, aber eines meine ich sagen zu können: Das ist es nicht!

Walter-Jörg Langbein: Ich habe während meines Studiums der evangelischen Theologie auch über die Frage nachgedacht: Gibt es Leben im Universum, auf anderen Planeten?

Kishon: Sicher gibt es solche Wesen! Ich bin sogar sicher, dass es einmal Kontakt geben wird mit solchen Wesen aus dem All. Sie sind ein junger Mann: Sie werden solch einen Kontakt mit außerirdischen Intelligenzen erleben.

Das wird natürlich das größte Ereignis der Weltgeschichte sein. Dann werden alle Theorien über diese Themen zusammenbrechen, alles Wissen wird sich als Kinderkram erweisen. Und es wird kommen, davon bin ich überzeugt. Es ist doch vollkommen unvorstellbar, dass wir die einzigen intelligenten Lebewesen im All sein sollen! Unsere Welt ist ein kleiner Splitter am Rande des Universums – eines Universums aus einer unendlichen Vielzahl von Universen. Wir sind nicht der Mittelpunkt, nicht der Nabel des Seins! Wir sind auch nicht allein! Das wäre unvorstellbar!

Walter-Jörg Langbein: Für manche christliche Theologen ist es unvorstellbar, dass es noch andere intelligente Wesen im All gibt. Sie sagen: Christus ist für die Sünden der Menschen auf der Erde gestorben, nicht für die der Außerirdischen? Warum nicht? Bevorzugt Gott die Erde? Oder starb Christus auch auf anderen Planeten? Wurde er immer wieder ans Kreuz genagelt?

Kishon: Das ist für mich keine Antwort, die ich ernstnehmen könnte. Ich unterhalte mich gern mit Theologen, Rabbinern, über solche Fragen, werde oft eingeladen. Und wenn ich dann zum Beispiel einem hochgebildeten Rabbi die Frage nach dem ›Wofür?‹ stelle, dann übergeht er sie, tut, als habe er nichts gehört und fragt vielleicht: ›Noch einen Schluck Wein?‹
Ich habe einmal eine Humoreske geschrieben: Ich sterbe, mache verschiedene Stadien durch und stelle dann fest, sapperlott, die alten Ägypter hatten recht! Die Götter haben tatsächlich Tiergesichter!

Walter-Jörg Langbein: Sind Sie religiös, Herr Kishon?

Kishon: Nein, ich bin Humorist. Aber sehen Sie: Wir leben am Rand einer Galaxie mit Sternen wie Sand am Meer. Und unsere Galaxie ist nur eine von vielen, und es gibt ja auch wiederum Galaxien wie Sand am Meer. Als der Mensch zum erstenmal mit Apollo 11 zum Mond startete, da war ich dabei. Ich war von der amerikanischen Regierung eingeladen worden.

Ich sah, wie Apollo 11 startete. Das war schon ein einmaliges Erlebnis. Wie sich das gigantische Raumschiff auf einem Feuerstrahl gen Himmel erhob. Aber was ist die Entfernung Erde/Mond? Ein Nichts. Es gibt Galaxien, zu denen ist das Licht Milliarden von Jahren unterwegs. Nicht ich, Kishon, brauche so lange mit dem Fahrrad, sondern das Licht. Da ist die Reise zum Mond nichts.

Walter-Jörg Langbein: Sie sagten soeben, Sie seien Humorist und daher nicht religiös. Schließt das einander aus?

Kishon: Sehen Sie, es ist sehr schwer, ja unmöglich, sarkastisch zu sein und alles Mögliche kritisch zu beschauen und das Religiöse auszusparen. Zu sagen: Alles ist lächerlich, nur das Religiöse ist über alles erhaben... Das geht nicht.
Fortsetzung folgt!

Ausblick auf Teil 3 des Interviews

Walter-Jörg Langbein: Herr Kishon, in Ihrem neuen Buch ›Abraham kann nichts dafür‹ steht eine interessante Satire am Schluss. Ein Außerirdischer sieht die Erde, und das Kindergezänk der Diplomaten führt letztlich zum atomaren Holocaust.

Kishon: In dieser Satire bin ich der Außerirdische. Sehen Sie, das ist ja schon wieder ein schöner Zeitungstitel: ›Ephraim Kishon: Ich bin ein Außerirdischer!‹
Vieles, was gesagt wird von sogenannten Diplomaten, ist Fassade, Quatsch, Kinderei, die Herren schwingen da hehre Reden und meinen etwas ganz anderes.

Walter-Jörg Langbein: Besteht die von Ihnen beschriebene Gefahr einer weltweiten Zerstörung Ihrer Meinung nach wirklich?

Hinweis
Die Fortsetzung des Interviews, der dritte Teil, erscheint am 07.02.2010

Teil I

Teil III

Foto Ephraim Kishon: ©Verlag Langen Müller

3 »Die Toten von Chauchilla (Peru)«

Teil 3 der Serie
Monstermauern, Mumien und Mysterien
von Walter-Jörg Langbein


Einst war die mysteriöse Hochebene von Nasca nur eine trostlose Einöde, in die sich Touristen so gut wie nie verirrten. Die gewaltigen, in den Erdboden gescharrten Zeichnungen und »Landebahnen« interessierten allenfalls einige wenige Experten.

Maria Reiche (geboren am 15. Mai 1903 in Dresden, verstorben am 8. Juni 1998) hat einen Großteil ihres Lebens in Nasca verbracht. Sie kämpfte wie eine Löwin für die Bewahrung der uralten Riesenbilder in der Wüste. Ihr ist es zu verdanken, dass sie nicht schon längst unwiderruflich zerstört worden sind, etwa von »Sportlern«, die in der Wüste von Nasca Autorennen veranstalteten und in zwei Jahren größere Schäden anrichteten als die Unbilden der Natur in zwei Jahrtausenden.


Auch Maria Reiche lenkte nicht die Aufmerksamkeit der Welt auf das Mysterium von Nasca. Das änderte sich aber anno 1968 schlagartig! Damals erschien das erste Buch eines Schweizers, der zum erfolgreichsten Sachbuchautor der Welt wurde! Seit Erich von Dänikens Weltbestseller »Erinnerungen an die Zukunft« ist die riesige Ebene von Nasca zu einer Touristenattraktion geworden. Unzählige Menschen strömen in das winzige Wüstendorf. Es gibt Hotels, sogar einen kleinen Flugplatz. In kleinen Propellermaschinen kann man das Wunder von Nasca wirklich erleben: aus der Luft! Mit Begeisterung fliegt man über eines der größten Geheimnisse, die unsere Erde zu bieten hat.


Nur aus der Vogelperspektive sind gewaltige Scharrzeichnungen auszumachen. Da gibt es welche von Tieren unvorstellbaren Ausmaßes. Selbst kleinste anatomische Einzelheiten sind zu erkennen... wie etwa bei einer wirklichen »Riesenspinne«. Selbst aus Weltraumstationen machten Astronauten die imposanten »Bahnen« aus, die im Nichts beginnen und sich kilometerweit erstrecken. Sie laufen schnurgerade durch die Wüste laufen und enden ebenso abrupt wie sie begonnen haben.

Wer schon einmal das Geheimnis von Nasca vom Flugzeug aus studiert hat, der kommt nicht umhin zuzugeben, dass Däniken mit seiner Hypothese Recht haben könnte. Vielleicht sollten Linien und Tierbilder tatsächlich die fliegenden Götter der Vorzeit zur Rückkehr zur Erde bewegen.

Doch während heute zur Freude der Einheimischen zahlreiche Touristen von den Riesenbildern angelockt nach Nasca kommen, gibt es ein anderes, ein düsteres Geheimnis, über das viele Menschen vor Ort allenfalls nur zu flüstern wagen! Nur wenige Kilometer von Nasca entfernt soll es Zombies gegeben haben. Untote sollen die Lebenden in Angst und Schrecken versetzt haben! Wer das Vertrauen alteingesessener Menschen gewinnt, so schwer das auch ist, dem erzählen sie hinter vorgehaltener Hand Geschichten über den »Ort des Schreckens«. Heute sind es nur noch sehr wenige Wissende, die die alten Überlieferungen kennen. Oder sind weit mehr Menschen in das Mysterium eingeweiht.. von denen aber die meisten schweigen wie das sprichwörtliche Grab?

Morgen oder übermorgen werden die gruseligen Überlieferungen in Vergessenheit geraten sein. Schließlich leben wir doch in einer »aufgeklärten« Zeit. Für alten Aberglauben haben wir doch keine Zeit mehr. Oder verdrängen wir lediglich einen Teil der Wirklichkeit, nur weil wir manches nicht zu erklären vermögen? Bilden wir uns nur ein, »alles« zu wissen... und leugnen penetrant eine fremdartige Realität?

Dabei ist der unheimliche Friedhof sehr einfach zu finden. Er liegt nicht verborgen irgendwo im Urwald... sondern offen in der Wüste! Man fährt vom Städtchen Nasca auf der legendären Panamericana Richtung Lima. Vier Kilometer hinter Nasca geht ein Weg ab. Folgt man ihm, dann erreicht man nach knapp fünfzehn Kilometern den »Cementario von Chauchilla«, den »Friedhof von Chauchilla«. Die Bezeichnung »Friedhof« ist allerdings für Europäer und Amerikaner höchst irreführend. Bei einem »Friedhof« erwartet man Gräber mit steinerner Umrandung und massivem Grabstein. Die Namen der Toten, Geburts- und Sterbedaten sind verzeichnet. Zu Ehren der Toten werden Blumen und Kränze niedergelegt. Dergleichen gibt es in Chauchilla aber nicht.


 Wie groß mag das Areal von Chauchilla ursprünglich gewesen sein? Wir wissen es nicht. Die Wüste hat im Laufe der Jahrtausende die Bestattungsfelder wieder verschlungen. Einst wurden hier auf einigen Quadratkilometern Tausende, wahrscheinlich sogar Zehntausende begraben. Wer waren die Toten? Mit Sicherheit vermag das heute niemand mehr zu sagen. Einig sind sich die Archäologen freilich in der Datierung. Sie kamen zu verblüffenden Ergebnissen! Die ersten Toten wurden vor »mehreren Jahrtausenden« beerdigt. Sie wurden also lange vor der Inka-Zeit bestattet. Welcher Kultur gehörten sie an? Wurde die uralte Zivilisation bereits von Vorgängern der Inkas vernichtet? Oder gab es sie noch zu den Zeiten der Inkas?

Sie sollen hier auf dem Friedhof von Chauchilla Zombies ihr Unwesen treiben. Zombies? Der Glaube an aus dem Reich der Toten zurückkehrende Wesen war einst in Südamerika weit verbreitet. Der österreichische Gelehrte Prof. Hans Schindler: »Mit der Christianisierung wurden Zombieüberlieferungen weitestgehend verdrängt und durch die neue Glaubenslehre ersetzt. Im Christentum ist kein Platz für solche Kreaturen der Nacht! Offiziell kennt keiner mehr die Furcht einflößenden Überlieferungen.« Im Volksglauben haben sie sich freilich bis in unsere Tage erhalten. Nicht nur unter Grabräubern. Auch unter Grabwächtern. Nicht nur in Chile, sondern auch in Peru!

Auch hier waren und sind bis in unsere Tage Grabräuber aktiv. Hunderte Ruhestätten wurden nach und nach entdeckt und mit pietätloser Gewalt geöffnet und geplündert. Höchst pietätlos ging man mit den ausgebleichten Gebeinen um. Man warf sie auf der Suche nach Grabbeigaben aus den Gräbern, wo sie oft liegen blieben. Grabräuber mit etwas mehr Taktgefühl begruben die sterblichen Überreste wieder.

Wer heute über den staubigen Friedhof geht, stellt schaudernd fest, dass überall Knochen und Knochensplitter herumliegen, von Menschen, die hier einmal lange vor der Zeit der Inka zur letzten Ruhe gebettet worden waren. Immer noch werden Gräber entdeckt, die den schatzsuchenden Plünderern entgangen waren. Einige davon hat man geöffnet und nicht wieder zugeschüttet. In hockender Stellung kauern die Toten darin. Ihre Leiber - wohl nur noch Skelette - sind in einfache Gewänder gehüllt. Manche sehen wie gefesselt aus. Ihre Totenschädel liegen, manchmal seltsam schief, auf den Schultern. Am besten sind die Haare erhalten.

Prof. Hans Schindler zum Verfasser: »Früher wurde der Friedhof von Chauchilla bewacht, weil sich die Menschen vor Zombies fürchteten. Sie nahmen an, dass die Toten in die Welt der Lebenden zurückkehren, als lebende Leichen nur von Rachegefühlen beseelt!« Sie suchten angeblich, so Prof. Hans Schindler, jene auf, die sie für ihren Tod verantwortlich machten. Oder die Nachkommen ihrer Mörder. Oder solche Menschen, die ihre Ruhe gestört hatten.

Jahrelang erforschte Prof. Hans Schindler archäologische Stätten in Südamerika. Er gewann er das Vertrauen auch von Menschen, die sonst niemandem ihr Wissen über die Kreaturen der Nacht anvertrauten. Sie erzählen ängstlich um sich blickend leise flüsternd über Zombies. Besonders häufig sollen diese Furcht einflößenden Geschöpfe direkt beim Friedhof des Schreckens aufgetreten sein. Noch 1992 wurden dem Verfasser unheimliche Stories bestätigt, die als Vorlagen für einen Horrorfilm bestens geeignet wären.....

Im September des Jahres 1913 waren wiederholt einige Jugendliche nachts auf den Cementario geschlichen, um Gräber zu öffnen und zu plündern. Sie hofften weniger auf Keramiken als auf Gold. Mehrfach hatten sie vergeblich nach wertvollem Schmuck gesucht, als eine gespenstische Erscheinung die jungen Männer so sehr in Angst und Schrecken versetzte, dass sie sich bis ans Ende ihrer Tage nie mehr auch nur in die Nähe des antiken Friedhofs wagten. Sie waren überzeugt, von Zombies vertrieben worden zu sein. Die Toten seien in die Welt der Lebenden zurückgekehrt, um die Menschen daran zu hindern, weiterhin die uralten Grabstätten zu schänden.

Die drei jungen Burschen hatten begonnen, ein Loch auszuheben. Sie hatten eine Stelle ausgewählt, in deren Nähe sie schon mehrere Gräber entdeckt hatten. Bislang hatten sie allerdings die erhofften Schätze nicht gefunden, nur gut erhaltene Skelette in morsches Leinen gehüllt und einige Keramiken. Ihr Loch war schon mehr als mannstief, da vernahmen sie ein undefinierbares Geräusch. Sofort hörten die jungen Männer auf zu graben. Als sie aus dem Loch lugten, machten sie in einiger Entfernung so etwas wie ein Licht aus. War man ihnen auf die Schliche gekommen? Das Licht, zunächst mehrere hundert Meter entfernt, kam immer näher. Die Gestalt war in einen langen Umhang gehüllt und trug eine flackernde Laterne. Als sich der Wind drehte, meinten die Grabräuber den Geruch von Moder wahrzunehmen und das Klappern von Knochen zu hören. Schließlich schien das Wesen sie entdeckt zu haben und kam auf ihre Grube zu. Es ächzte und stöhnte dabei.

Vor Angst wie gelähmt beteten die drei Burschen um himmlischen Beistand. Die Kreatur blieb stehen. Im Mondlicht war nun zu erkennen, dass sie nicht das Gesicht eines lebenden Menschen hatte....sondern die grinsende Fratze eines Totenschädels. Langsam hob der Zombie einen Arm und deutete mit seiner Knochenhand in Richtung der zitternden Schatzsucher. Der Zombie - und nichts anderes konnte das Wesen nach Ansicht der Männer in der Grube sein - drehte sich um und gab einen heulenden Laut von sich. Da erhoben sich in einiger Entfernung zwei, drei ähnliche Gestalten und wankten zielstrebig in Richtung der Grabräuber. Hatte ihr letztes Stündlein geschlagen? Die Gestalten näherten sich ihnen. Waren sie den Zombies hilflos ausgeliefert? Konnten sie mit ihren einfachen Werkzeugen die Kreaturen der Nacht abwehren? Plötzlich wich die von Angst verursachte Starre von ihnen. Sie sahen nur eine Chance: Flucht vor den Unheimlichen. In Rekordgeschwindigkeit verließen die jungen Männer das Erdloch und rannten so schnell wie noch nie im Leben davon. Ihre Werkzeuge ließen sie zurück.

Einer von ihnen blickte aus sicherer Entfernung noch einmal zurück. Vier Zombies starrten in das Loch, das die Burschen ausgehoben hatten. Hinter ihnen stand der Vollmond tief am Himmel....hinter den unheimlichen Wesen. Für Sekunden meinte der entsetzte junge Mann erkennen zu können, dass es lebende Leichen waren, wandelnde Skelette, an deren Knochen Reste von mumifiziertem Fleisch hingen... Untote aus dem Zwischenreich.


 Der kompetente Prof. Hans Schindler zum Verfasser: »Für viele Menschen aus Chauchilla waren die jugendlichen Grabräuber von Zombies vertrieben. Als moderner Wissenschaftler darf ich an eine solche Erklärung nicht glauben. Gibt es eine bessere, eine natürliche?«

Tatsächlich liegt eine realistischere Lösung auf der Hand. Aber entspricht sie auch der Wahrheit, oder nur modernem Wunschdenken, das Mysteriös-Unheimliches nicht zulassen mag? Der Friedhof von Chauchilla wird schon seit Jahrzehnten von professionellen Grabräubern heimgesucht, die mit den Archäologen eine Art Wettkampf austragen. Waren vielleicht die »Zombies« nichts anderes als Grabräuber, die sich unliebsame Konkurrenz vom Leibe halten wollten? Das wäre eine auch für moderne Menschen der Jetztzeit akzeptable Lösung.

Tatsächlich sind auch heute noch Grabräuber im dem weiten Areal aktiv. Es fehlt an finanziellen Mitteln für archäologische Ausgrabungen. Eine Rund-um-die-Uhr-Bewachung des weitläufigen Geländes mitten in der Wüste ist nicht finanzierbar. Außerdem schrecken viele Einheimische davor zurück, nachts auch nur in die Nähe des mysteriösen Friedhofs zu gehen. Dann werden die Grabräuber aktiv. Man kann sie auch am Tage antreffen. Auf den ersten und zweiten Blick sind sie nicht von Archäologen zu unterscheiden. Sie hoffen auf Grabbeigaben und graben systematisch nach weiteren Mumien, die vor Jahrtausenden der Wüste anvertraut wurden.

Wer heute das Gräberfeld von Chauchilla aufsucht.... fühlt sich in eine andere, höchst fremdartige Welt versetzt. Absolute Windstille und scharfe Windböen wechseln einander ab. Der Boden blitzt weißlich auf – im gleißenden Sonnenlicht ebenso wie nachts bei Vollmond. Unzählige Gräber sind geöffnet. Ihre »Bewohner« hocken, mit eng an den Leib gezogenen Beinen, tief unten in den Gruben. Schaut man näher hin, dann erkennt man, dass die Körper in sackartigen Gewändern stecken. Manchmal halten schmale zusätzliche Stoffbahnen die »Bekleidung« der Mumien zusammen, manchmal sind es sauber gearbeitete Seile.

Je nach Stand des Toten ist der Stoff grob oder fein. Auch die Toten unterscheiden sich... Arm und Reich wurden aber offenbar nebeneinander beigesetzt. Wahrscheinlich wurden unzählige Arme einfach im trockenen Wüstenboden verscharrt. Reicheren gewährte man »Grabkammern« aus getrockneten Ziegeln. Es gab aber offenbar keine separaten Friedhöfe für Arme und Reiche.

Die Totenschädel wurden nicht in Stoff gehüllt, sondern auf die Knochensäcke gesetzt. War das schon immer so? Oder haben die Ausgräber die Schädel aus den Leichensäcken geholt? Archäologen, die ich befragte, verneinten das. Die Gebeine sollten durch die sackartige Umhüllung zusammengehalten werden. Kein Knochen sollte verloren gehen. So und nur so konnte es ein Leben nach dem Tode geben. Die Schädel aber mit dem prachtvollen Haar wollte man nicht zu den übrigen Knochen in die Säcke stecken. Die Toten sollten in stolzer Haltung die Reise von unserer in die andere Welt antreten.

Die Mumine von Chauchilla wurden, wie die von Chile, nicht präpariert wie ägyptische. Man hat auch nicht ihre Innereien entfernt. Vielmehr trockneten die Körper im heißen Wüstensand aus.


Erstaunlich gut erhalten sind diese uralten Stoffe. Auch die groben sind manchmal mit besonderer Sorgfalt gewebt. Es kommt mir so vor, als hätten Arme ihren Verstorbenen besonders liebevoll gewebte Stoffe umgelegt. Wenn sie schon teure Ware nicht leisten konnten, so sollten doch die »groben» Stoffe so sorgsam wie nur möglich gearbeitet sein.

Wirklich krass ist der Kontrast zwischen den ausgebleichten Schädeln und dem Haaren, die wie dichte Perücken auf den Häuptern der Toten sitzen. Zu Lebzeiten müssen die Menschen prachtvolle Mähnen gehabt haben. Es sind die echten Haare der Toten, die zum Teil Jahrtausende im Wüstenboden auf ihre Auferstehung gewartet haben. Die Rückkehr ins Reich der Lebenden dürften sie sich vollkommen anders vorgestellt haben, als von Grabräubern oder Archäologen ans Tageslicht gezerrt zu werden.

Kilometerweit liegen heute auf dem riesigen Areal von Chauchillo Knochensplitter unterschiedlichster Größe verstreut, zu Hunderttausenden, nein... Millionen.


Wie alt mögen die Knochen sein? Mir wurde glaubhaft versichert, dass noch vor wenigen Jahrzehnten Tote auf dem Friedhof von Chauchilla beigesetzt wurden. Was will man den Toten wünschen, ob sie vor einigen Jahrzehnten oder einigen Jahrtausenden beigesetzt wurden? Endet unsere Pietät nach einiger Zeit?

Hinweis
Teil 4 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«
erscheint am 07. Februar 2010:
»Mit Grabräubern unterwegs«

Zurück zu Teil II der Serie [...]

Zu Teil IV der Serie [...]

Homepage von Walter-Jörg Langbein


©Fotos: Walter-Jörg Langbein. Alle Rechte vorbehalten.

Donnerstag, 28. Januar 2010

Ankündigung: Walter-Jörg Langbein auf RTLII

Am kommenden Sonntag  (31.01.2010 um 18:00 Uhr), wird Walter-Jörg Langbein zu Gast in der Sendung Welt der Wunder auf RTL2 sein. Thema des Beitrags: Bibelmythen.

Zur Homepage von Walter-Jörg Langbein

Mittwoch, 27. Januar 2010

Ich wär so gern ein Star




Die kleine Ramona lag mal wieder in ihrem rosa Himmelbett, starrte an die Decke und träumte davon, eine berühmte Sängerin zu sein und Tausende von Fans zu haben, die sie anhimmelten. Sie träumte davon, eine Stimme zu haben, die glasklar war und sie wünschte sich, endlich mal auch nur einen einzigen Ton zu treffen. Täglich nahm sie Gesangsunterricht bei einer der besten Gesanglehrerinnen in ganz Hamburg, aber sie traf trotzdem bei keinem einzigen Lied auch nur einen einzigen Ton richtig. Ramona raffte sich auf und zog sich ihre Lieblingsklamotten an, kämmte sich ihre goldblonden Wuschellocken und ging dann runter ins Wohnzimmer, wo ihre Gesangslehrerin schon auf sie wartete. Die beiden begannen mit dem Gesangsunterricht, doch statt von Stunde zu Stunde besser - und damit glücklicher zu werden, wurde Ramona trauriger und trauriger. So beschloss sie, erst einmal mit dem Singen aufzuhören, und ihr wahres Talent zu finden. Am Nachmittag ging sie auf den Spielplatz zu den anderen Kindern, sie wollten ein Theaterstuck aufführen und Ramona hatte die Hauptrolle bekommen. Sie spielten und hatten viel Spaß dabei. Nachdem Spielen kam ein dicker bärtiger Mann auf sie zu und sagte: „Du hattest doch eben die Hauptrolle in dem Stück?"
"Ja, Sir!"
"Ich muss dir sagen, du warst umwerfend und ich wollte dich fragen, ob du Lust hättest in unserer Schauspielschule zu einem Star zu werden.“
„Zu einem Star?“ rief Ramona. „Ja, aber gerne doch, aber sie sollten wissen, dass ich nicht singen kann!"
„Nein, nein, du sollst nur schauspielern." Ramona nickte und sie strahlte übers ganze Gesicht. Dann ging sie nach Hause und erzählte ihrer Mutter davon. "Was? Und wie will er uns erreichen?" fragte die Mutter, do da klingelte das Telefon. Ramona sprang auf, riss den Hörer von der Gabel und brüllte ihren Nachnamen hinein.
"Aua, mein Ohr!" ertönte es am anderen Ende. "Hallo Ramona, ich bin es, der Mann vom Spielplatz, ich heiße übrigens Jack Fussel ...;" Ramona kicherte. "Wie ein Fussel?"
"Ja, ... ähm, gib mir doch bitte mal deine Mama!"
„Ja, mache ich!“, antwortete sie begeistert. Gespannt beobachtete sie ihre Mutter, wie sie immer wieder „Ja“ oder „Nein“ sagte, und dabei oft nickte oder den Kopf schüttelte. Endlich legte Ramonas Mutter auf und rief: „Mein Kind du wirst ein Star!" Yuppie! Sie nahmen sich an den Händen und tanzten im Kreis herum. "Na, dann überlege dir doch schon mal einen Künstlernamen.“
„Einen was?“
„Einen Künstlernamen, das ist ein Name, mit dem man berühmt wird. Mit dem Namen Ramona Schmidt, wirst du sicher nicht berühmt!"
"Ach so ... mh ... vielleicht ... "Tracy Twisten!"
„Ja!" freute sich Ramonas Mutter.
Und so wurde aus Ramona doch ein Star!

Dienstag, 26. Januar 2010

Autoren leben länger...

...sie können sich so manchen Frust von der Seele schreiben. Ein äußerst erholsames Gefühl, kann ich dazu nur sagen. Wo andere Menschen den Ärger des Alltags in sich hineinfressen, geben wir Schriftsteller unseren Frust an unsere Werke weiter. Was sich nicht unbedingt in negativen Teilstücken ausdrückt.

Mein erster Roman „Vampir in Untermiete“ ist hierfür ein gutes Beispiel. Entstand die Idee hinter dem Buch ursprünglich, weil es mir ungerecht vorkam, Vampire immer nur als blutrünstige Bestien darzustellen, so erkannte ich sehr schnell die Möglichkeiten, die mir dieser Roman offenbarte. Alltagsbegegnungen inspirierten mich zu Charakteren des Romans und spielten mir die Möglichkeit in die Hand, diese Erfahrungen in geschriebene Worte umzuwandeln. Ich fühlte mich seltsam schwerelos, als ich die Geschehnisse Schwarz auf Weiß vor mir sah. Es war, als hätte ich die Gedanken aus meinem Kopf bekommen und wäre nun um einen schweren Brocken, der mir auf der Seele lastete, erleichtert worden.

Ebenso verhielt es sich mit der Ideenfindung zu meinen Romanen. Sie drücken sehr genau die Stimmung aus, in der ich mich während des Schreibens befand. „Maskerade des Todes“ entstand aus einem Gefühlswirrwarr heraus. Mich beschäftigte der Tod seit einigen Jahren, ich kam mit dem düsteren Gesellen nicht zurecht, er hatte mich zu vieler Menschen beraubt, die mir sehr viel bedeuteten. In mir keimte eine Idee auf. Wie wäre es, im Voraus erkennen zu können, wann er zuschlägt und in welcher Form er in Erscheinung treten würde? Von dieser Vorstellung ging eine Faszination für mich aus, der ich mich nicht mehr entziehen konnte. Folgerichtig baute ich den Gedankengang aus. Kann man mit dem sicheren Wissen des Todes dazu übergehen diesen zu verhindern? Was würde ich empfinden, wenn ich über die Fähigkeit verfügte den Tod vorherzusehen? Wie würde ich damit umgehen? Welche Möglichkeiten offenbaren sich mir? Meine Überlegungen gingen zu konkreten Szenen über und ehe ich mich versah, hatte ich innerhalb weniger Wochen einen fertigen Roman vor mir liegen.

Merkwürdigerweise betrachtete ich von da an den Tod mit ganz anderen Augen. Er schien zu einem Gefährten geworden zu sein, den man nicht loswerden konnte, der aber auch für manche Menschen ein Freund sein konnte.


Ein Autor verfügt über die Fähigkeit sein Innerstes nach Außen zu stülpen und in Worte zu fassen. Er kann seinen Gedanken Flügel verleihen und gibt diese mit seinen Werken an den Leser weiter. In „Seele im Glashaus“ bediente ich mich der Möglichkeit einen Funken Romantik in das Leben meiner Leser zu bringen, paarte dieses Vorhaben jedoch mit einer großen Portion Spannung. Ob dieses Vorhaben tatsächlich gefruchtet hat, fragen Sie sich nun? Das kann ich Ihnen nicht mit letzter Bestimmtheit sagen, allerdings erhielt ich äußerst positive Resonanz auf diesen Roman und fühlte mich dadurch bestätigt.


Ebenfalls ein Punkt, der einem Autor wahrscheinlich einen nicht unwesentlichen Schub gibt. Positive Kritiken! Labsal für die Seele eines jeden Schriftstellers. Vor allen Dingen, wenn der Leser in seiner Kritik gerade die Punkte wiedergibt, die dem Autor besonders wichtig waren in seinem Werk. So geschehen mit „Rebellion der Vampire“. Ich nahm mit wahrer Begeisterung die wenigen Kritiken entgegen, die bisher geschrieben wurden und stellte fest, dass gerade dieses Buch vom Leser sehr positiv bewertet wurde.


Vielleicht gibt es dafür eine sehr einfache Erklärung, die wiederum das Leben eines Autors verlängern kann. Weiterentwicklung! Ein guter Schriftsteller wird nicht auf einem Level stehenbleiben und sich damit zufriedengeben, er will höher hinaus, seinen Worten mehr Tiefe verleihen, den Humor mit Charme und Eleganz einfügen, den Charakteren Esprit einhauchen. Rege geistige Tätigkeit führt dazu, dass ein Schriftsteller länger geistig agil bleibt, am Leben hängt, denn irgendwie muss das nächste Werk doch noch umgesetzt werden.


©Sylvia Seyboth


Meine Romane auf amazon:
Vampir in Untermiete: O`Donaghue-Chroniken Teil 1
Rebellion der Vampire: O`Donaghue-Chroniken - Teil 2
Maskerade des Todes
Seele im Glashaus

Meine Internetseite:
http://www.sylviaseyboth.cms4people.de/

Montag, 25. Januar 2010

Handwerkszeug für die Seele - Der Weg zur Mühelosigkeit

Oft hören wir Lehrsätze wie: In der Ruhe liegt die Kraft, oder im losgelöst sein erfahren wir Neues, die Leere zwischen den Speichen macht das Rad aus. In der Mitte sein, im Hara, usw.
Wer von uns ist schon in seiner Mitte, in der Ruhe, im Hara. Viele aber wollen da hin. Wollen dahin, wo einfach gelingt, was erstrebt, das Richtige getan wird, um das Richtige zu erreichen.
Auf diesem Weg ist einiges zu lernen und abzuwerfen, was diesen Zustand bisher verhinderte. Es gibt so viele Wege, wie es Menschen gibt.

Es gilt, zum Natürlichen des Menschen zurückzukehren. Viele Menschen sind mittlerweile auf dem Weg des Erkennen-wollens angelangt und viele Menschen wissen, dass wenn ich im Aussen etwas verändern möchte, ich im Inneren, also bei mir selbst beginnen muss. Das hat eines für sich. Wir stehen nicht vor dem unlösbaren Problem, die Welt verändern zu müssen, sondern können bei uns bleiben und sehen, was mit uns los ist.
Das ist schwierig genug. Wie beginnen wir nun mit diesem Prozess?

In der Regel spielten wir das Spiel Angriff und Verteidigung. Etwas von Außen greift uns ja schein-bar immer an. Der Chef, der Nachbar, das Wetter, die Umstände und vor allen Dingen der Lebenspartner.
Nach der Phase der Verliebtheit geht das los. Wie heißt es so schön? Sie hängen aneinander. Wie ist das, wenn der Partner an mir hängt? Das ist eine Weile schön, aber dann?

Das erste Gefühl jenseits der Hochphase signalisiert einen Mangel und den finden wir natürlich beim Partner. Zu viel Wiederholung, das anhänglich sein? Nimmt sie die Kraft des Zaubers?
Das auch, aber Partner gibt uns etwas nicht, was er uns doch die ganze Zeit gab. Wir machen ihn verantwortlich. Und so kommen wir schnell in das Spiel von Angriff und Verteidigung, weil wir von Aussen erwarten und nicht bekommen und der Partner soll das ergänzen, was fehlt.

Das Drama der Verantwortung, Schuldgefühle kommt hinzu und somit programmieren wir unser zukünftiges Leben weiterhin mit den Fesseln und Doktrinen der bis dahin aufgenommenen Glaubenssätze, bis wir völlig erschöpft und blockiert vielleicht fremde Hilfe suchen. Um genau diese Blockaden geht es. Um die Blockaden in uns, um die Blockaden unserer Gesellschaft, um die Blockaden aller Gesellschaftsformen weltweit. Das alles ist ja nicht natürlich, das ist konstruiert.

Doch bleiben wir bei uns. Ich glaube nicht, dass archaische Lebensformen ein für uns harmonischeres Leben gaben, wenn man bedenkt, dass das enge familiäre Zusammenleben nur mit einer strengen Rangordnung mit eigenen Gesetzmäßigkeiten aufrecht erhalten werden konnte und es nicht um eine Grundlegende Selbsterkenntnis des Individuums ging. Dies hatte seine Zeit in der Entwicklung der Menschheit und war somit natürlich und eingebettet im Ökosystem der Natur mit all seinen täglichen Programmierungen.

Im Zuge der Evolution und der Transformation der Erde (Auf dieses Thema kann nach Bedarf zu einem anderen Zeitpunkt eingegangen werden), nehmen viele Menschen Leben bewusster wahr. Sobald mir mein Partner etwas vor-wirft, bin ich natürlich blockiert. Meine Energie kann nicht mehr fließen. Sich verantwortlich fühlen für das Wohlergehen des Anderen, kann eine schwere Last sein. Der eigene Weg ist nicht mehr frei, denn sobald es am Wohlergehen des Partners mangelt, macht der einen Vor-wurf und der liegt dann auf unserem Weg herum und wir stolpern darüber. Wir fühlen uns schlecht, ausgelaugt, antriebsarm und wenn sich nichts tut, reagiert der Körper mit einem Symptom.

Sobald dieses Spiel erkannt wird und wir es schaffen, dieses Denken und Fühlen, was zu den Symptomen geführt hat, loszulassen, ist es etwas Wunderbares, was dann passiert. Nur durch unsere Veränderung wird auch der Partner frei. Dann bekommt er das, was ihm vielleicht gut tut, von uns freiwillig, wir tun es dann gerne, ohne dass vorher ein Vorwurf kam. Und weil ich meine Opferrolle aufgegeben habe durch Erkenntnis und bewusster Veränderung, muss der Partner die Täterrolle des Vor-werfenden nicht mehr spielen, wenn auch er erkennt, weil ja dann nicht mehr nötig.

Das ist wie mit dem besprochenen Wasser. Die Wortschwingung und Gefühlsschwingung gibt die Informationen weiter und aus dem ätherischen Bereich verändert sich dann die Materie. Dieses so genannte Umprogrammieren ist aber harte Arbeit an sich selbst.
Das mit dem Vorwurf ist jetzt nur ein Beispiel. Unsere Sprache ist voll des Wissens. Ein Satz kann uns sagen, was alles im Argen ist.

Wenn wir uns verändern, überträgt sich das auf alles andere. Ja es steht geschrieben, auf das gesamte Universum. Der Partner verändert sich, die Kinder haben mehr Chancen und Möglichkeiten, weil sie nicht unbewusst irgendwie die unerlösten Probleme der Eltern und noch weiter zurück erledigen müssen.

Heilung entsteht durch neue Informationen, Krankheit auch. Man hat Versuche gemacht, in dem man in zwei Reagenzgläser aus Glas, jeweils eine einzelne, gesunde Zelle gab. Eine Zelle infizierte man mit einer Krankheit, die andere nicht. Innerhalb eines kurzen Zeitraumes war die andere, bis dahin gesunde Zelle auch infiziert. Nahm man zwei spezielle Gläser mit einer Sonderbeschichtung, konnte die Information nicht ins andere Glas gelangen.

Wann bin ich dann im Zentrum meiner Kraft, in der Stille des Gewahrseins? Wenn ich durch das hindurchgegangen bin, was die Stille lautstark verhindert. Dann fühle ich mich vor jeder Entscheidung geführt, denn sie kommt aus dem Bauch und nicht aus dem konditionierten Verstand.

Antoine de Saint-Exupéry schreibt: Und so kommt der kleine Prinz auf den siebten Planeten, die Erde. Nach einem Gespräch mit einer Schlange durchquert er die Wüste in Afrika und begegnet einer Blume, findet einen Rosengarten und trifft schließlich den Fuchs. Der erklärt ihm: „Man kennt nur die Dinge, die man zähmt“ und verrät dem Prinzen sein Geheimnis: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

In meinen beiden Büchern „Augenblicke im Leben eines Menschen“ und „Hinterm Horizont“ geht es letztlich um diesen Erkenntnisweg und im Zweiten speziell um den Weg zur Heilung mit einigen Beispielen über Heilungen von medizinisch dokumentierten, chronischen, so genannter unheilbarer Krankheiten auf geistigem Wege, schulmedizinisch geprüft.

Mittlerweile kann man dies alles mittels der Quantenlehre beweisen, aber das ist ein anderes Thema.

Sonntag, 24. Januar 2010

Im Gespräch mit Ephraim Kishon - Teil 1

Walter-Jörg Langbein

Ephraim Kishon, der eigentlich Ferenc Hoffmann hieß, war einer der bedeutendsten Satiriker des 20. Jahrhunderts. Ephraim Kishon wurde 1944 in das Arbeitslager Jolsva, Slowakei, verschleppt. 1945 konnte er fliehen, als er in ein Todeslager in Polen deportiert werden sollte. Ein großer Teil von Ephraim Kishons Familie wurde in Auschwitz ermordet. 1949 wanderte Kishon von Ungarn nach Israel aus.

Ephraim Kishons Weltauflage dürfte bei fast 50 Millionen Exemplaren liegen. Kishons Buch »Familiengeschichten« ist – vom »Alten Testament« abgesehen – das meistverkaufte hebräische Buch der Welt.
Ephraim Kishons Memoiren erschienen unter dem Titel »Nichts zu lachen«. Weltweit liegen rund 700 Kishon-Bücher in 37 Sprachen vor. Seine Filme wurden zweimal für den Oscar nominiert (»Schlaf gut, Wachtmeister« und »Sallah«). Dreimal wurde Kishon mit dem »Golde Globe« geehrt. Kishons Bürokratie-Satire »Der Blaumilchkanal.« ist wohl das im deutschen Sprachraum bekannteste Buch Ephraim Kishons, dessen Humor so entlarvend, aber niemals verletzend ist. Man erkennt sich wieder bei Kishon – etwa in »Satiren zur täglichen Katastrophe«... und kann über sich selbst und die eigenen Unzulänglichkeiten lachen.

Ephraim Kishon, geboren am 23. August 1942 in Budapest, Ungarn, verstarb vor fünf Jahren am 29. Januar 2005. Anlässlich des 5. Todestages des weltberühmten Schriftstellers möchte ich nochmals ein ausführliches Interview der Öffentlichkeit zugänglich machen, das mir Ephraim Kishon vor fünfundzwanzig Jahren – Frühjahr 1985 – gewährte.

Das Interview wurde in Ephraim Kishons Hotelzimmer in Frankfurt geführt. Kishon äußerte sich über Politisches wie über Philosophisches. Und gelegentlich tauschten wir die Rollen. Dann stellte Ephraim Kishon Fragen... und ich antwortete.

Im Verlauf vieler Jahre begegneten wir uns immer wieder am Rande der Frankfurter Buchmesse. Ephraim Kishons liebenswerte, liebenswürdige und warmherzige Art hat mich berührt und zutiefst beeindruckt. Seine leise Bescheidenheit, sein geschliffener Verstand und spezieller Humor machten ihn aus.... einen wirklich großen Menschen!

Interview mit
Ephraim Kishon
Teil 1

Walter-Jörg Langbein: Herr Kishon, Sie sind besonders in Deutschland erfolgreich. Worauf führen Sie das zurück?

Ephraim Kishon: Ich würde das anders formulieren: im deutschsprachigen Raum. Diese Frage ist nicht ganz neu. Sie wurde mir schon von ganz einfachen Leuten, aber auch von Professoren gestellt. Anscheinend beschäftigen sich viele Menschen mit dieser Frage. Ich muss aber, das gleich vorweg, sagen: Es gibt Länder, da bin ich erfolgreicher als im deutschsprachigen Raum. Freilich kann man nicht erwarten, dass etwa vier Millionen Finnen genauso viele Bücher von mir kaufen wie einhundert Millionen Menschen im deutschsprachigen Raum! Meine deutschsprachige Auflage ist so groß, weil der Markt hier so groß ist.

Was wichtig ist: Meine Art zu schreiben, sie ist hier sozusagen geboren. In der Tschechoslowakei, Österreich, Ungarn und Deutschland gab es schon immer das beste Publikum für diese Literatur, für meine Art zu schreiben. Noch ein Grund für meinen, wie überhaupt, schriftstellerischen Erfolg: Bei aller Ehre, die wir Schriftsteller haben, ist und bleibt die Schriftstellerei zum Teil Showbusiness. Erfolge lassen sich nicht erzwingen. Wer das könnte, wäre der reichste Mann der Welt. Das ist ein Mysterium.

Ein Musical oder ein Theaterstück kann heute ein riesiger Erfolg sein.. und zwei Jahre später wäre es ein totaler Flop geworden. Ein Faktor meines Erfolgs wird meines Erachtens von kaum jemandem bedacht. Vielleicht bin ich einfach ein guter Schriftsteller. Das kann man zumindest nicht ausschließen. Das kann man doch zumindest nicht ausschließen. Diesen Grund kann man sich doch zumindest vorstellen.

Um aber nochmals konkret auf Ihre Frage zurückzukommen: Auf die Bevölkerung prozentual umgerechnet bin ich etwa in Jugoslawien viel erfolgreicher als in Deutschland.

Walter-Jörg Langbein: Herr Kishon, vor einiger Zeit las ich, dass Sie keine Bücher mehr schreiben würden....

Kishon: Ich habe gesagt, dass ich keine Bücher mehr schreiben m ü s s t e. Nach über fünfzig Büchern, die ich in meinem Leben geschrieben habe, wäre es eigentlich unvorstellbar, dass sich da nicht eine gewisse Aversion gegen das Schreiben von Büchern entwickelt. Das Schreiben von Büchern ist ja sowieso eine unmenschliche, unnatürliche Tätigkeit.

Ich habe es auch ein wenig unbescheiden gesagt. Wenn ich nicht diesen rieisgen Erfolg hätte, ich hätte es schon längst mit Wonne aufgegeben, Bücher zu schreiben. Aber, ironisch gesagt, um aufhören zu können, bräuchte ich die Hilfe meiner Leser. Die müssten sozusagen davonlaufen.

Walter-Jörg Langbein: In einer Information Ihres Verlags heißt es, dass nur ein Teil Ihres Werkes in deutscher Übersetzung vorliegt – der wichtigere?

Kishon: Was heißt hier wichtig? Ich glaube, dass das, was ich über meine Söhne geschrieben habe, das wichtigste ist. Das Europaparlament wird es noch in fünfzig Jahren geben, aber das Problem mit dem ersten Schnuller noch in fünftausend Jahren.

Wenn ich politische Äußerungen mache, dann in Zeitungen in Israel. Das ist dann auf die jeweilige Situation bezogen. Solche Ausführungen werden nicht übersetzt. Aber ich kann nicht nur über Probleme schreiben, die Menschen wollen lachen. Wenn mich jemand zum Lachen bringt, ich liebe ihn.

Walter-Jörg Langbein: Wobei man ja geteilter Meinung darüber sein kann, was zum Lachen ist. Sie kennen ja sicher das Reagan-Zitat, wonach er äußerte: ›In fünf Minuten beginnen wir mit der Bombardierung der Sowjetunion!‹

Kishon: Darüber hat mich der »Stern« schon telefonisch befragt. Man wollte von mir hören: ›Ein solcher Idiot, den sollte man ins Irrenhaus stecken, der dürfte nicht Präsident der USA sein. Das hat man von mir hören wollen. Aber ich habe wie immer meine eigene Meinung gesagt. Ich habe eben solche Leute gern, die keine Gromyko-Diplomaten sind, die aalglatt sind... sondern die, die ab und an Fehler machen und unerwartet eine Blödheit sagen. Im Falle Reagan war das nicht der Fehler des Präsidenten, sondern der westlichen Presse und der westlichen Demokratie. Die Sache war ganz klar für einen internen Kreis gesagt und ist dann gleich weltweit so verbreitet worden, als ob Reagan im Rahmen einer Rede gesprochen hätte. Aber, wie gesagt, ich habe Leute gern, die hier und dort stolpern.

Walter-Jörg Langbein: Aber die Äußerung war ein Fehler?

Kishon: Ja! Er hätte wissen müssen, dass solche Äußerung weitergegeben wird. Aber, wie gesagt, ich finde Ronald Reagan sympathisch, und das tun wohl auch viele Amerikaner. Meine Äußerung in der Sache wurde in der Presse korrekt zitiert.

Walter-Jörg Langbein: Was nicht immer der Fall ist?

Ephraim Kishon: Genau. Besonders im deutschsprachigen Raum habe ich da meine Probleme. Und selbst wenn ein Interview korrekt abgedruckt wird, dann wird oftmals eine Überschrift gefälscht, und das Ganze ist entstellt. Erst vor kurzem habe ich einen Prozess gegen eine österreichische Zeitung gewonnen. Diese Zeitung hatte eine Satire von mir nachgedruckt, und zwar mit einem falschen Titel! Das gab dem Ganzen einen völlig anderen Sinn, verfälschte alles. Die Zeitung wurde zu 15 000 Mark Schadenersatz verurteilt.

Oder – nehmen wir an, irgendein belgisches Pornoblatt druckt einen Blödsinn über mich ab, sagen wir: ›Kishon: Ich liebe Prostituierte!« Und dann kommt eine andere, sagen wir englische Zeitung, die schreibt: ›In der belgischen Presse ließ Kishon verlautbaren...‹ Die sind dann nicht zu fassen, geben die Verantwortung an das Pornoblatt in Belgien weiter.
Walter-Jörg Langbein: Herr Kishon, ist es eigentlich schwer, nur ein Satiriker zu sein?
Kishon: Was heißt denn hier ›nur‹?

Walter-Jörg Langbein: Ich meine, beschäftigen Sie sich auch zum Beispiel mit philosophischen Fragen, etwa dem Leben nach dem Tod?
Kishon: Aber natürlich!

Walter-Jörg Langbein : Glauben Sie an ein Leben nach dem Tode?

Kishon: Wie ist Ihre Meinung?

Walter-Jörg Langbein: Ich glaube an ein Leben nach dem Tode. Wenn Sie zum Beispiel an die Reinkarnation denken, die Lehre von der Wiedergeburt...

Kishon: Gibt es dafür Belege, Beweise?

Walter-Jörg Langbein: Ich meine schon. Im indischen Bereich gibt es zum Beispiel Berichte von kleinen Kindern, die erinnern sich an ganze Lebensläufe, Biographien von früheren Leben...

Kishon: Ich glaube, das gibt es in den Ländern des Orients mehr als hier. Aber wie ist das mit den Leuten, die schon einmal klinisch tot waren?

Walter-Jörg Langbein: Es gibt zum Beispiel von Dr. R. Moody eine ganze Sammlung von Berichten. Da haben Menschen, die bereits klinisch ›tot‹ waren und wieder ›zurückgeholt‹ worden sind, lichthelle Gestalten gesehen, die die Toten von unserer Welt in die andere führten. Diese andere Welt wird als sehr angenehm beschrieben, und viele Menschen waren bitterlich enttäuscht über die Tatsache, dass sie von den Ärzten wieder in unsere Wirklichkeit zurückgeholt wurden.

Kishon: Gibt es da Übereinstimmungen?

Walter-Jörg Langbein: Ja, diese Übereinstimmungen sind sehr stark. Nur am Rande weisen solche Berichte religiös-konfessionelle Einfärbungen auf.

Kishon: Sehen Sie, religiös gefärbt...

Walter-Jörg Langbein: Ja, viele Menschen, die bereits einmal klinisch tot waren, erinnern sich an helle lichte Gestalten. Christlich orientierte Personen nannten diese Gestalten Engel...

Kishon: Es ist in meinen Augen eine etwas naive Vorstellung, anzunehmen, die andere Welt müsse exakt den christlichen Vorstellungen entsprechen...

Walter-Jörg Langbein: Ich sehe das so: Die klinisch Toten begegnen so etwas wie einem Lichtwesen. Darauf lassen sehr viele Berichte schließen. Der christlich orientierte Mensch ist nun eher geneigt, in diesem Lichtwesen einen Engel zu sehen. Für einen Inder ist es ein Totengott...

Kishon: Und für einen Ägypter ein Gott mit einem Tiergesicht?

Walter-Jörg Langbein: Es wurden die Lichtwesen identifiziert, entsprechend der religiösen Vorprägung. Aber sehr viele ehemals klinisch Tote erinnern sich übereinstimmend an die Begegnung mit hellen Lichtwesen.
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Ausblick auf Teil 2 des Interviews
Walter-Jörg Langbein : Wenn Sie an den Tod denken...

Ephraim Kishon: Ich bin da ja wirklich sehr neugierig. Ich werde es ja wohl vor Ihnen erleben. Nach meiner Auffassung ist Sterben ein Schlafen ohne Traum. Ich glaube, wenn ich sterben, dann wird das so sein, als wenn ich traumlos schlafe.

Walter-Jörg Langbein: Ist das eine eher angenehme oder eine unangenehme Vorstellung für Sie?

Ephraim Kishon: Eine sehr angenehme. Es wäre eine schlimme Vorstellung zu denken: Ich sterbe und werde immer wieder und wieder geboren – und das mit der Last der Erinnerung an alle Fehler, die ich vielleicht einmal begangen habe. Ich glaube, man kann sich bestenfalls daran zurück erinnern, was man als Embryo erlebt hat. Das erscheint mir logisch, denn schon als Embryo hat man ein Gehirn. Warum soll man sich nicht an seine Zeit als Embryo erinnern?

Vorher ist Dunkelheit, und ich hoffe, dass es auch nach dem Tode erlösende Dunkelheit geben wird, die die Gnade des Vergessens gewährt. Was da kommt, da haben weder ich, noch mein Hündchen, noch der Papst oder das Oberrabbinat eine Ahnung.

Ich meine, wenn man sich mit solchen Fragen beschäftigt, sollte man sich nicht überlegen: ›Was ist nach dem Tode?‹ sondern ›Wofür leben wir?‹ Haben Sie sich das schon einmal überlegt?

Walter-Jörg Langbein: Ja, aber ich bin zu keiner wirklichen Antwort gekommen.
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2 »Sarkophage und Mumien«

Teil 2 der Serie 
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein
 
Kuelap... manchmal erstrahlt die mächtige Mauer der einstigen Metropole der Wolkenmenschen wie eine edle Krone aus unvergänglichem Stein hoch oben in den Anden. Manchmal leuchtet sie silbern oder kupfernfarben... ganz nach Sonnenstand und Bewölkung. Stolz präsentiert sie sich dann wie ein Denkmal der Überlegenheit einer uralten rätselhaften Kultur, das sowohl die Inkas als auch die Horden der Spanier überdauert hat. Manchmal verschmelzen Wolken- und Nebelbänke mit Erde, Stein und Himmel. Dann fragt sich der Besucher, ob die mysteriöse Mauer mehr zum Himmel als zur Erde gehört.

Kuelap... die wehrhafte Mauer mit den schmalen Eingängen trotzte nicht nur den Feinden der Chachapoyas, der Wolkenmenschen... sondern auch der Wissenschaft. Denn bis heute wissen wir so gut wie nichts über das geheimnisvolle Volk. Woher kam es? So manche Frage konnte bis heute nicht beantwortet werden.... weil die finanziellen Mittel fehlen.

Im Jahr 2000, wenige Monate vor unserer Reise ins Reich der Chachapoyas, wurden 35 Chachapoya-Mumien gefunden. Ihr Alter konnte mit Hilfe der C-14-Methode (Radiocarbontest) bestimmt werden. Sie stammten aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Nur acht der Mumien waren intakt. Es wurde eine genetische Untersuchung durchgeführt. Definitiv konnte festgestellt werden, dass die Chachapoyas keinerlei genetische Übereinstimmung mit den Indios des südamerikanischen Kontinents aufwiesen. Woher stammten sie dann, wenn nicht aus Südamerika?
Ergebnis der Untersuchung: Die Chachapoyas waren nicht mit den Inkas verwandt. Sie verwendeten auch ganz andere Mumifizierungstechniken als die Inkas. Die Inkas ließen ihre Toten austrocknen. Die Chachapoyas entfernten die Innereien der Toten. Sie waren dabei bemüht, die äußere Hülle der Leichname so unberührt wie nur möglich zu lassen. Sie nutzten die natürlichen Körperöffnungen der Verstorbenen, um die Innereien aus ihnen herauszuholen. Offenbar sollten die Toten im nächsten Leben nach der Wiedergeburt wiederzuerkennen sein. Also stopfte man in die leeren Köpfe – das Gehirn war ja sorgsam entfernt worden – Baumwolle.

Kurios: Die Chachapoyas verwendeten eine Mumifizierungstechnik, die fremd war in Südamerika... aber wohl bekannt... im Land der Pharaonen, in Ägypten! Eine Verbindung zwischen Ägypten und dem Reich der Chachapoyas mutet mehr als kühn an. Es gibt keinerlei Belege dafür, dass jemals Kontakte bestanden. Warum mumifizierten aber die Chachapoyas ihre Toten wie die Ägypter?

Wurde das Volk der Chachapoyas von wo auch immer von Feinden zur Flucht in die Anden gezwungen? Wohin verschwanden die Wolkenmenschen? Woran glaubten sie? Welche religiösen Ansichten teilten die Erbauer von Kuelap? Wir wissen es nicht. Und wir werden es wohl nie erfahren. Es sei denn, es würden noch schriftliche Zeugnisse der Chachapoyas gefunden, die Antworten auf unsere Fragen bieten.

Aber haben sie überhaupt jemals etwas Schriftliches hinterlassen? Wenn man die mächtige Mauer von Kuelap sieht, ist man höchst beeindruckt. Dieser gewaltige Komplex muss sorgsam geplant worden sein. Es muss Berechnungen und Baupläne oder Skizzen gegeben haben. Nichts dergleichen wurde bislang gefunden!

Kuelap... war das die Metropole der Chachapoyas? Oder ist die eigentliche Hauptstadt des verschwundenen Reiches noch irgendwo in den Bergen Nordperus versteckt? Einheimisch wissen von zahllosen Mauern zu berichten, die und nur unter Lebensgefahr zu erreichenden Gefilden längst von Gestrüpp überwuchert worden sind, kaum noch zu erkennen sind... selbst wenn man direkt vor ihnen steht.

Hoch oben an senkrechten Felswänden, gern in Felsspalten, wurden turmähnliche Steinbauten wie Schwalbennester an den Abgrund gesetzt. Wer die Felswände mit einem guten Feldstecher absucht und geduldig bleibt, wird immer wieder fündig. Waren es Totenhäuser? Oder lebten Auserwählte als Wächter bei den Toten? Wir wissen es nicht.

»Ganz in der Nähe von Tingo erbauten wagemutige Wolkenmenschen die ›Türme von Macro‹.« So hatte ich bei meinen Vorbereitungen der Expedition ins Reich der Chachapoyas gelesen. Vor Ort zeigte es sich, dass der Begriff »in der Nähe« unterschiedlich interpretiert werden kann. Vor Ort erfahre ich: Die Grabtürme von Macro sind höchst interessant! Sie wurden einst besonders sorgsam gebaut, dienten sie doch Priestern und hohen Würdenträgern als vorerst letzte Ruhestätte. Die einzelnen Steine sind scheinbar fugenlos zusammengefügt. Geometrische Muster aus Stein beeindrucken in ihrer Schlichtheit.

Bis »Magdalena« im Distrikt Tingo fahren wir mit dem Jeep. Seit über drei Jahrzehnten begegnet mir bei meinen Recherchen immer wieder Maria Magdalena... so auch im Reich der Wolkenmenschen....

Einer uralten Legende zufolge lag einst die kleine Siedlung hoch oben auf dem Berg. Ein prophetischer Priester sah in einer Vision ein Erdbeben das Dorf auslöschen. Er warnte die Menschen, doch sie hörten nicht auf ihn. Ausgelassen feierten sie – es war der 20. Juli – das Fest der Maria Magdalena. Traurig holte der Priester die Statue der Maria Magdalena aus der Kirche und trug sie den Berg hinab. Auf halber Höhe entdeckte er eine schäbige Hütte. Dort fand der Gottesmann mit der Statue der Maria Magdalena Zuflucht. Kurz darauf schien die Welt unterzugehen. Ein gewaltiges Erdbeben apokalyptischen Ausmaßes brach über die Menschen aus, viele kamen um. Das Dorf wurde vollständig vernichtet. Die kleine Hütte aber blieb unversehrt. Die Überlebenden bauten an der Stelle, wo der Priester die Katastrophe überlebt hatte, eine Kirche zu Ehren der Maria Magdalena. Und rund um die Kirche entstand – der Überlieferung zufolge – das neue »Magdalena«.

Von »Magdalena« aus ist es »nicht mehr weit« bis zu den Grabtürmen von Macro... höre ich immer wieder. Und zu verfehlen sind sie auch nicht. Man muss nur Richtung Utcubamba marschieren, dann kommt man sicher ans Ziel. Immer wieder sieht man sie, die geheimnisvollen Bauten. Und so lange man den Utcubamva-Fluss links liegen lässt.... kann nichts passieren! Voller Optimismus machen wir uns auf den Weg.

Ein sehr anstrengender Marsch von mehreren Stunden bergauf, häufig durch dichtes Gestrüpp, immer wieder an steil abfallenden Klippen vorbei, scheint kein Ende nehmen zu wollen. Das Rauschen des Flusses begleitet uns. Immer wieder sieht man ihn.. tief unten. Ängstlich drückt man sich dann an die Felswand, um nicht abzustürzen. Rechts geht die steinerne Felswand steil nach oben.... links geht es kaum weniger Steil senkrecht in die Tiefe. Und weit unten hört man das Tosen des Flusses.

Immer wieder glaubt man, endlich am Ziel zu sein... doch dann gilt es wieder, einen Steilhang hinab zu klettern, um gleich wieder emporzusteigen. Der schmale Pfad bringt uns schließlich und endlich an die geheimnisvolle Stätte.

Die Totentürme trotzen den Jahrhunderten. Millimetergenau sind die sauber bearbeiteten Steine an- und aufeinandergereiht. Dienten sie nur als Grabstätten? Oder wohnten besondere Würdenträger ganz in der Nähe der Mumien? Man konnte nachts mit den Bewohnern von Kuelap nachrichten austauschen, heißt es: mit Feuersignalen.

Wir wissen, dass die Chachapoyas mehrere Meter hohe Sarkophage, meist aus Lehm und Astwerk, bauten. Diese »Särge« hatten Menschengestalt. Sie erinnern in ihrer stoischen Ruhe sehr stark an die Steinstauen der Osterinsel. Die »Sarg-Figuren« der Chachapoyas waren hohl. In ihrem Inneren kauerten in Embryohaltung die Toten. Ich sprach vor Ort mit Menschen, die voller Ehrfurcht der Chachapoyas gedenken. So erfuhr ich, woran die Chachapoyas vielleicht glaubten....

Nach mehr als dreißig Jahren intensiver Recherchen bin ich zur Überzeugung gelangt, dass die ältesten Kulturen Matriarchate waren. Die Religionen des Matriarchats handelten von der ewigen Wieder kehr des Lebens, vom zyklischen Ablauf des Weltgeschehens: Werden, Leben, Vergehen und neuerliches Geborenwerden... das war der endlose Kreislauf des Seins. Dachten die Chachapoyas ähnlich? Tote, die in Embryohaltung im Inneren von mächtigen Sarkophag-Statuen kauern... sie deuten daraufhin, dass der Tod als vorübergehendes Stadium angesehen wurde. Der Mensch stirbt, wird wieder zum Embryo, um in ein neues Leben geboren zu werden. Glaubten die Chachypoyas an die Wiedergeburt ihrer mumifizierten Toden: in einer »Geburt« aus den imposanten Sarg-Statuen?

Wir wissen, dass die Chachapoyas auf der Seite der Spanier kämpften. Fühlten sie sich den Christen im Glauben verbunden? Predigten doch auch die Christen die Auferstehung der Toten. Aber glaubten die Chachapoyas wirklich, dass die ausgetrockneten Mumien ohne »Innenleben« wieder auferstehen würden? Vielleicht wird es tatsächlich eines Tages gelingen, die eine oder andere Mumie zu neuem Leben zu erwecken... allerdings auf andere Art und Weise, als die Chachapoyasi bieten. Per Cloning kann womöglich der eine oder andere »Zwilling« der einen oder anderen Mumie neu geboren werden, um wieder zum Erwachsenen zu werden.

Im Verlauf der Jahrhunderte machten die Mumien viel mit.... Die Sarkophage – sie erinnern an die Statuen der Osterinsel – wurden bald gesuchte Objekte von Grabräubern. Die harte Hülle solcher Grabfiguren wurde zerschlagen. Die Mumien wurden herausgezerrt und die Grabtücher, in die sie eingewickelt waren, brutal abgerissen. Die Grabräuber suchten – und fanden – wertvolle Grabbeigaben. Die Mumien ließen sie achtlos liegen. Die Geschichte der Grabräuber ist fast so alt wie die Mumien selbst. Und auch heute noch wird das Gewerbe betrieben. Todesmutig wagen sich die Plünderer in Steilwände, um an die Grabstätten heranzukommen. Wie vor Jahrhunderten werden auch heute noch Mumien zerstört, um an Schätze zu kommen.

Sehr häufig finden Archäologen verwüstete Grabstätten vor. Sie freuen sich, wenn die Diebe etwas übersehen haben. In kleinsten Spuren kann ein guter Archäologe wie in ein Buch lesen. Gelegentlich werden in unseren Tagen Grabräuber auf frischer Tat ertappt oder vertrieben. Vielleicht wollen die Ordnungshüter auch nicht wirklich jemanden verhaften. Vielleicht sind es ja Verwandte oder Bekannte. Nicht immer handeln die Polizeikräfte im Sinne der Archäologen. Manchmal »schaffen sie Ordnung« in der Wüstenei, die die Grabräuber hinterlassen haben... und zerstören weitere wichtige verwertbare Spuren, die den Archäologen weiterhelfen hätten weiterhelfen können.

In Leimembamba lagern zur Zeit unseres Besuchs 200 Mumien in einem angeblich »klimatisierten« Raum. Die vielleicht fast eintausend Jahre alten Mumien sollen nicht den Temperaturveränderungen ausgesetzt sein. Sie wurden im Jahr 1996 oberhalb der Buch »Lagunda de los Condores« (»lagunde der Kondore«) entdeckt. Die Aufbewahrung der sterblichen Überreste der legendären Chachapoyas kann ganz und gar nicht als pietätvoll bezeichnet werden. In Pappkartons, Kisten aus Sperrholz und in Säcken warten die Mumien darauf, wissenschaftlich untersucht und in einem Museum ausgestellt zu werden.

Einige kurze, kritische Anmerkrungen seien gestattet: Ob aus Sicht der Chachapoyas der Unterschied zwischen Grabräubern und Wissenschaftlern wirklich so eklatant ist, wie wir uns das vorstellen? Die Toten wurden von wagemutigen Kletterkünstlern oftmals unter Lebensgefahr an möglichst unzugänglichen Steilwänden in Felsspalten zur letzten Ruhe gebettet: in Sarkophagen in Menschengestalt, manchmal auch in Holzsärgen. Bis zu ihrer Wiedergeburt sollten die Toten in Ruhe gelassen werden. Ohne Zweifel sind Grabräuber aus Sicht der Chachapoyas böse Frevler, denen nichts heilig ist. Ich glaube nicht, dass die Chachapoyas einen Unterschied zwischen Dieben und Wissenschaftlern gemacht hätten. Für sie waren sie alle Plünderer: jene, die wertvolle Schätze finden und verkaufen wollen... und jene, die die Mumien aus wissenschaftlicher Neugier und mit Pedanterie sezieren. Dabei dürfte es keine Rolle spielen, dass Archäologen meinen, sorgsamer mit den Toten umzugehen. Die Ausstellung eines Verstorbenen im wohl klimatisierten Museum in einer gläsernen Vitrine entspricht mit Sicherheit nicht der Vorstellung der Chachapoyas vom würdevollen Umgang mit Verstorbenen. Und die »Zwischenlagerung« der Toten in einem klimatisierten Depot hätte die Chachapoyas sicher entsetzt.

»Die Toten von Chauchilla«,
Teil 3 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«,
erscheint am 31. Januar 2010
»Die Toten von Chauchilla«

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Die Bücher von Walter-Jörg Langbein in unserem Shop

Donnerstag, 21. Januar 2010

Die Frau an der Spitze: Helga König

Am Samstag, 23. Januar 2010: "Ein Buch lesen" präsentiert:
Walter-Jörg Langbein interviewt die Amazon Top-Rezensentin Nr. 2: Helga König.


Mittwoch, 20. Januar 2010

Aktuelle Meldung: Störtebekers Schädel gestohlen!

Dieser Tag heute hat merkwürdig begonnen, liebe Leserinnen und Leser. Nichts Böses ahnend purzle ich aus dem Bett, hab die Augen noch kaum auf und krieg den Schreck meines Lebens:
Mein Buch »2010 - Denn Hass zieht dunkle Kreise«, auf das mein Blick zufällig fällt, hat sich irgendwie verändert!
Ich reiße die Augen auf und erkenne: Ja! Das Coverbild ist einfach verschwunden! Gestern nämlich sah das Buch noch so aus:
Heute hingegen so:

Natürlich war ich sofort alarmiert: Sollte die im Buch beschriebene Katastrophe bereits im Anmarsch sein? Schnell öffnete ich Google-News, um nachzusehen. Und tatsächlich: Es scheint loszugehen!

Montag, 18. Januar 2010

"Lies mir etwas vor"

Ab wann sollten Kinder eigentlich anfangen, hin und wieder ein Buch zu lesen?
Gute Frage. Denn wirklich lesen können die meisten ja erst, wenn sie ein bis zwei Klassen der Grundschule hinter sich haben. Also kann man sich vorher den Kauf von Büchern eigentlich sparen?

Nein, natürlich nicht. Lesen beginnt sehr viel früher im Leben. Genau genommen ist schon das Betrachten von Bildern, die erste Form des Lesens. Wer der Meinung ist, dass das kein „richtiges“ Lesen ist, der irrt. Die ersten geschriebenen Geschichten und Nachrichten, die Menschen hinterlassen haben, bestanden auch aus Zeichnungen und Abbildungen ihrer Erlebnisse, Vorstellungen und Vermutungen. Und andere Menschen waren in der Lage diese Bilder zu lesen und weiterzuerzählen.

Bilderbücher für Kinder machen also durchaus Sinn. Ein dort abgebildetes zweidimensionales Auto zu erkennen, ist schon die erste Leseleistung. Denn was für uns Erwachsene so einfach und selbstverständlich ist, muss ein junges Gehirn erst erkennen: Das dreidimensionale Auto auf der Straße kann zweidimensional abgebildet werden. Steht unter dieser Abbildung dann noch das Wort „Auto“, dann ist das für das Gehirn ein Angebot, das Abbild Auto mit einer bestimmten Zeichenkombination abzuspeichern, die „irgendwie“ dazugehört. Auch, wenn ein Kind den Zusammenhang noch nicht erkennt.

Eltern, die mit ihren Kindern die Bilderbücher gemeinsam ansehen, können noch einen weiteren Schritt mit dem Kind gehen, ohne dass das Ganze etwas damit zu tun hat, dem Kind aus eigenem Ehrgeiz, unbedingt das Lesen beizubringen und es zu überfordern. Ganz einfach, indem die Dinge, die betrachtet werden, auch gleich einen Namen bekommen. So erfahren schon die Kleinsten, dass ein Bild etwas ist, das man mit Worten beschreiben kann. Das Gehörte und Gesehene wird als Einheit abgespeichert. Passiert dies einige Male, dann wird das Kind sehr schnell ein Lieblingsbuch haben, dessen Inhalt es auswendig kennt. Es kann anhand der Bilder und der Schrift die Dinge erkennen und benennen. Ist es an diesem Punkt, dann funktioniert das Ganze schon bald ohne die dazugehörigen Bilder. Denn die Zeichenfolge wurde ja mit dem Bild zusammen abgespeichert. So kann es, passieren, dass Kinder das Wort Auto sehen und dann entrüstet mitteilen: „Auto weg!“. Klar, sie haben Recht, das Abbild des Autos ist verschwunden. Dennoch haben sie das Wort gelesen und mit dem richtigen Gegenstand verknüpft.

Doch das Lesen lernen hat noch andere Aspekte. Zweidimensionale Bilder können Babys noch nicht erkennen. Sie reagieren gelangweilt, wenn man mit ihnen Bilder betrachten möchte. Dennoch kann eine Vorbereitung zum Lesen und zum Sprachverständnis stattfinden. Und zwar durch das Vorlesen. Dabei geht es in den ersten eineinhalb Jahren nicht so sehr darum, den Inhalt zu verstehen, sondern vor allem darum, Wortmelodien aufzunehmen und unterschiedliche Stimmungen daraus zu erkennen. Mein ältester Sohn hat meiner jüngsten Tochter bereits im Alter von zwei Monaten jeden Morgen Artikel aus der Zeitung vorgelesen. Erstaunlicherweise hat sie aufmerksam gelauscht. Seiner Stimme, seiner Betonung und ich denke, sie hat sehr wohl registriert, dass das Vorlesen aus der Zeitung sich völlig von der sprachlichen Zuwendung unterscheidet, die sie sonst gewohnt war.

In den Jahren bis zum Schuleintritt, und noch eine Zeit darüber hinaus, habe ich meinen Kindern jeden Abend vor dem Schlafen vorgelesen. Eltern, die das machen, höre ich gerade aufstöhnen. Denn nicht immer ist das ein reines Vergnügen. Zum Beispiel dann nicht, wenn ein Kind - aus welchem Grund auch immer - eine Lieblingsgeschichte hat, die es wochen- oder monatelang immer wieder vorgelesen haben möchte. Man kann Kinder nicht an der Nase herumführen und vielleicht zur eigenen Entlastung, den einen oder anderen Satz überspringen. Da gibt es sofort Protest, weil das Kind die Geschichte längst in- und auswendig kennt. Für derart geplagte Eltern mag es sinnlos erscheinen, Abend für Abend den gleichen Text vorzulesen. Tun sie es trotzdem! Ihr Kind beschäftigt sich offensichtlich sehr intensiv mit dem Inhalt der Geschichte. Und das ist die zweite wichtige Voraussetzung, um wirklich lesen zu können: Die Aussagen in einem Text aufzunehmen, zu verarbeiten und zu verstehen. An diesem Punkt kann man sich ziemlich sicher sein, dass dieses Kind schon sehr bald ein Interesse entwickeln wird, herauszufinden, welche spannenden Geschichten in anderen Büchern stecken mögen. Fangen Kinder an, im Alter von etwa sieben Jahren, die ersten Bücher selbstständig zu lesen, dann sollten sie diese unbedingt selbst aussuchen dürfen. Eltern sollten ihrem Kind niemals ein Buch verweigern, weil sie der Ansicht sind, dass es pädagogisch nicht wertvoll genug ist oder ihnen sinnlos erscheint. Je mehr unterschiedliche Bücher Kinder lesen, desto kritischer können sie auch in der Auswahl ihrer Lektüre werden.



Das Lesen von Büchern ist für die kindliche Entwicklung ein ungeheurer Gewinn, der sich für das ganze Leben, auf alle Ebenen positiv auswirkt. Es fördert die Fantasie, erweitert den Wortschatz, verbessert das Verständnis für umfassende Zusammenhänge, gibt Anreize und Vorlagen zu kritischem Denken, fördert die Konzentration und macht nicht zuletzt auch noch einen Riesenspaß! Lesen ist ein aktiver Vorgang und ungleich spannender als das Betrachten von Fernsehbildern, wo kaum Raum bleibt, für eigene kreative Prozesse im Denken. All diese Eigenschaften erleichtern Kindern den erfolgreichen Schulbesuch und so manch kleine Leseratte, beginnt schon bald mit dem Schreiben eigener Geschichten.

Schenken wir Kindern Bücher und fördern wir das Lesen, wo immer es möglich ist. Damit Menschen aufwachsen, die in der Lage sind, Dinge von vielen verschiedenen Positionen aus zu betrachten und die fähig sind, bei auftauchenden Problemen, kreative Prozesse in Gang zu bringen, die befriedigende Lösungen nach sich ziehen. Das kommt sowohl dem einzelnen Menschen, wie auch unserer Gesellschaft zugute.

Übrigens, sobald die Kinder selbst lesen können, ist es eine herrliche Beschäftigung, an verregneten Sonntagnachmittagen, sich gegenseitig aus einem Buch vorzulesen und gemeinsam mit den Helden, zu lachen, zu weinen und eine spannende Zeit zu verbringen.

© gcroth
Fotos: oben: pixelio; Simone Peter;
unten: Satzstudio Roth

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