Samstag, 18. September 2010

Samstagsrezension Helga König: "der tiger am gelben fluss" von Sylvia B.

Sylvia und ich sind seit acht Monaten  sehr gut befreundet. Das jedoch hat nicht zur Folge, dass ich  ihr Gefälligkeitsrezensionen schreibe. Das Gegenteil ist der Fall. Von allen Texten, die sie bislang geschrieben hat, mag ich den hier vorliegenden Lyrikband am liebsten, weil hier besonders deutlich sichtbar wird, dass sie einen Gedanken  oder eine Geschichte in wenige  eindringliche Sätze zu komprimieren in der Lage ist. Das ist gewiss nicht einfach.

Die Gedichte bezeichnet sie als lyrische Prosatexte. Sylvias hochintellektuelle Begabung macht es möglich,  bemerkenswert minimalistisch in ihrem Schreibhandwerk vorzugehen. In diesem Punkt erstaunt sie mich immer wieder. Nichts wirkt gekünstelt. Sylvia spricht wie sie schreibt und sie tut es nicht selten mit einem geradezu atemberaubenden Tempo.

Der Lyrikband enthält viele hübsche Illustrationen der münsterländer Künstlerin. Das Bild, das ein geöffnetes Eingangstor zum Motiv hat, mag ich besonders, weil  es einen Blick ins Innenleben Sylvias zulässt. Trotz vieler schmerzlicher Erfahrungen dieser alten Seele, blühen in ihrem Seelengarten farbenprächtige Blumen. Ob es Rosen oder Bougainvilliablüten sind, bleibt der Fantasie des Betrachters überlassen.

Sylvias Gedichte sind immer sehr nachdenklich, spiegeln nicht selten ihre Erfahrungen wieder, setzen sich mit  ihren Gefühlen  auseinander und  zeigen, dass sie eine der Erotik nicht abgeneigte, disziplinierte Kämpferin ist.

In meinen Musikblog habe ich ihr Gedicht eingebunden, in dem sie ihr ganzes Selbstbewusstsein zum Ausdruck bringt. Es ist das Selbstbewusstsein einer Seiltänzerin, das sie in ihrem subtilen Sinn für Erotik am Rande eines glühenden Vulkans auslebt.

In einigen Gedichten brilliert die Lyrikerin mit Wortwitz,  in anderen  mit antiken Anleihen. Das Gedicht von Pyrrhus  können Sie in meinem Gedichtsblog, und jenes von Psyche im Gedankenblog nachlesen.

Wie in jedem Gedichtsband gibt es stärkere und wenige starke Texte. Bei Sylvia überwiegen die stärkeren Texte.  Zwei ihrer wunderschönen Liebesgedichte finden sie ebenfalls auf meinen Blogs.
 






Ein weiteres Gedicht möchte ich jetzt vorstellen. Das Gefühl, das Sylvia hier in Worte gießt, werden viele Leser kennen. Dass es immer einen Ausweg aus diesem unerquicklichen Gefühl gibt, weiß Sylvia sehr wohl und spielt während sie schreibt mit dem richtigen Gedanken, den umzusetzten  ich jedem empfehlen möchte, der nicht länger unzufriedenes Königskind bleiben möchte.

als wir zusammen standen
und über
belanglose dinge sprachen
dachte ich bei mir
so müssen sich
die königskinder
gefühlt haben

die nicht zueinander
finden konnten

beide
standen am ufer
sahen sich traurig an
dazwischen
der tiefe fluss

Du bist auch
so weit entfernt von mir
und
zwischen uns
der Fluss der belanglosen wörter

vielleicht

sollte ich

endlich

eine brücke
für uns bauen.


Sehr empfehlenswert nicht nur  für Freunde guter Lyrik.


PS:  Klicken Sie hier zu Sylvia B.s Illustrationen



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