»Liebes Mädchen aus Afghanistan«, BILD, 06.08.2010
Lieber Franz Josef Wagner,
das Gefährliche an Bildern wie dem von Ihnen kommentierten ist die unmittelbare emotionale Betroffenheit, die sie beim Betrachter auslösen. Ein einziges Bild wird plötzlich zum Symbol alles Bekämpfenswerten. Und weil dies so ist, sind solche Bilder wie geschaffen für den Einsatz zu propagandistischen Zwecken. Überall auf der Welt werden Frauen misshandelt. Sogar hier bei uns. Es ist eine traurige Tatsache. Wollte man in jedem Fall Krieg deswegen führen, dann befände sich unsere gesamte Armee im dauernden Auslandseinsatz, und es wäre doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, noch dazu mit unklaren Erfolgsaussichten.Der jungen Frau ohne Nase wurde mindestens zweimal Gewalt angetan: Einmal, als ihr bestialischer Ehemann und seine Spießgesellen die Tat verübt haben. Und zum zweiten Mal, als irgendjemand auf der Welt beschloss, die Weltöffentlichkeit für den Afghanistankrieg mit ihrem Bild geneigt zu machen. Ihr Bild hilft also dabei, den Krieg am Laufen zu halten, ohne die Öffentlichkeit über seine wahren Gründe informieren zu müssen.
Ich frage mich:
- Wäre Amerika an der Nase einer afghanischen Frau interessiert, wenn es in Afghanistan nicht unerschlossene Bodenschätze zu holen gäbe?
- Wann in der Menschheitsgeschichte wurde für Frauenrechte ein regulärer Krieg geführt? (Nein, der Trojanische Krieg zählt nicht mit! ...)
Herzlichst,
Ursula Prem
P.S.: Nachtrag 13. August 2010, 10:42 Uhr - Hier ist ein interessanter weiterführender Link zum Thema:
http://boomel.lhwclan.de/?p=1038
Der Herr Wagner ist halt auch nur ein Rädchen im System, nehmen Sie es ihm nicht übel. Ethische Grundsätze erlangt man eben nicht durch das Gehalt das einem gezahlt wird.
AntwortenLöschenAber hier ,informativ, der Hintergrund warum es dieses Bild so propagandistisch gibt :(
http://file.wikileaks.org/file/cia-afghanistan.pdf
Hallo Boomel, danke für Ihren Komm! Ich habe mir erlaubt, einen Link zu Ihrem sehr interessanten Blogbeitrag als PS unter meinen Artikel zu setzen.
AntwortenLöschenLG, Ursula Prem
Das Bild ist übrigens Pressefoto des Jahres 2010 geworden. Ganz zurecht, wie ich finde. Der Einschätzung, dass dieser Frau durch das Foto ein zweites Mal Gewalt angetan wurde, kann ich mich nicht anschließen. Sie lebt und studiert jetzt in den USA. Ihr Bild sendet eine positive Botschaft an all jene Frauen, denen körperliche Gewalt angetan wurde.
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