Freitag, 25. Juni 2010

Freitagskolumne - »Post an Wagner«: Frauenwitze, Männerwitze

Eine Antwort auf Franz Josef Wagners Kolumne
»Liebe Frauen«, BILD, 08. 03. 2007

Lieber Franz Josef Wagner,

dem Webmaster von BILD-Online müsste man einen Orden verleihen, denn er hält viele Ihrer älteren Kolumnen in einem Riesenarchiv verfügbar. Ich blättere dort hin und wieder, wenn ich das Bedürfnis habe, mal wieder richtig abzulachen. Auch heute ist es geglückt: Ihr Glückwunsch zum Weltfrauentag 2007 hätte wirklich einen prominenten Platz in der Witzecke von BILD verdient gehabt. Und das nicht der von Ihnen zitierten Männerwitze wegen, die auch damals schon nicht wirklich neu waren und bei Bedarf oft auch auf Frauen, Lehrer, Beamte oder Kaninchenzüchter angewandt werden.

Nein, ich musste vielmehr über die Ratlosigkeit lachen, mit der Sie dem unbekannten Wesen Frau gegenüberstehen und bekunden, Ihre Leistungsfähigkeit werde von der Lustfähigkeit der Frau bestimmt. Eine merkwürdige Aussage für jemanden, der wenige Sätze weiter erklärt: »Ich persönlich bin Single, vielleicht aus Feigheit, vielleicht aus Angst.« Das kann doch nur bedeuten: Ihre Leistungsfähigkeit ist total im Keller! – Herr Wagner, das ist ja furchtbar! Dagegen sollten Sie etwas unternehmen! Vielleicht könnten Sie sich mit Eva Herman zusammentun, die, wenn sie richtig verliebt ist, vielleicht sogar freiwillig auf ihr Wahlrecht verzichtet, damit die Welt wieder in Ordnung ist? Die auf ihre Gleichstellung pfeift und Ihnen stattdessen einen Apfelkuchen bäckt, den sie treusorgend für Sie warm hält, während Sie auf Sauftour zu Recherchezwecken durch das Berliner Nachtleben ziehen?

Ja, das Leben könnte so schön sein für einen »musealen oder komischen« Mann, als der Sie sich selbst bezeichnen. Mit einer Evagleichen an der Seite könnte für Sie nichts mehr schiefgehen, denkt man. Doch das scheint auch nichts für Sie zu sein, wie Sie an anderer Stelle zum Ausdruck bringen.

Sie scheinen hin- und hergerissen zu sein zwischen Angst und Langeweile. Haben Sehnsucht nach einer Weltordnung, die Sie gleichzeit mit ihrer langweiligen Spießigkeit abstößt.
Da diese beiden Extreme, wie schon Richard Wagner in seiner Oper »Tannhäuser« aufzeigt, nicht wirklich vereinbar sind, werden Sie also weiter Briefe schreiben. An Frauen, die Sie nicht verstehen. Werden als einzigen »Beleg« Ihrer Aussagen belanglose Witze zitieren, die, wie schon oben gesagt, sehr leicht auch mit umgekehrten Vorzeichen erzählt werden können. Werden den Schild Ihrer subjektiven Wahrnehmung wie eine Monstranz vor sich hertragen und den eigenen Frust millionenfach reproduzieren. Schade.

Bevor ich die Kolumne schließe, möchte ich nicht versäumen, Sie mit einigen sich im Umlauf befindlichen Witzen zu konfrontieren, die nicht minder platt sind wie die oben von Ihnen zitierten. Zu Ihren Gunsten will ich annehmen, dass sie Ihnen bisher unbekannt waren, denn andernfalls würde Ihre Kolumne wirken, als hätten Sie sie bewusst um die andere Hälfte der Wahrheit verkürzt. Wie wäre es mit dem hier?:

»Warum haben Frauen kleinere Hände?« Antwort: »Weil man damit in den Ecken besser putzen kann.« Oder: »Was ist der Unterschied zwischen einer Frau und einem Paar Socken?« Antwort: »Die Socken stinken erst, nachdem man drin war.« Der da hat auch was: »Was ist der Unterschied zwischen einer Frau und einem Tumor?« Antwort: »Ein Tumor kann gutartig sein.«

Na, reicht das?

Herzlichst,

Ursula Prem

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