Dienstag, 13. April 2010

Gibt es Kindesmissbrauch? - Versuch einer Definition

Die Tragik des Menschen ist es, dass seine Sprache zu ungenau ist, alle denkbaren Sachverhalte unmissverständlich auszudrücken. Ziemlich hölzern kommt das luftige Element des Wortes plötzlich daher, wenn emotionale Bereiche berührt werden, oder wenn es gar gilt, Fakten auszudrücken, die aufgrund sorgsam gepflegter Tabus und stillen Übereinkommens der Gesellschaft einfach nicht ausgesprochen werden sollen.
Kommt man einmal nicht umhin, sie in Worte fassen zu müssen, etwa im Falle der jüngsten Skandale innerhalb der Kirche, bemüßigt sich die allgemeine Sprachregelung seltsamer Wortkonstruktionen.

Kindesmissbrauch ist eine solche Konstruktion. Klar, jeder ahnt zumindest, was damit gemeint ist. Dennoch ist die Bemühung solcher Umschreibungen mit gewissen Schwierigkeiten verbunden, die uns früher oder später zwingen werden, uns mit unserem Sprachgebrauch auseinanderzusetzen.


Der Terminus Missbrauch setzt voraus, dass es auch einen regelkonformen Gebrauch gibt

Ich will es ein wenig provozierend ausdrücken, um zu verdeutlichen, was ich meine. Deshalb frage ich:
Wie könnte die regelgerechte Benutzung des Gegenstandes Kind aussehen? Sollten wir eine Bedienungsanleitung erarbeiten, damit die artgerechte Haltung von Kindern sichergestellt ist und die Eltern lange Freude an ihnen haben? Und ich frage weiter: Ist nicht schon die Benutzung eines Wortes wie Kindesmissbrauch der Beginn ebendessen?

Es gibt noch einen weiteren Grund, der meiner Auffassung nach gegen die Verwendung des Ausdrucks Missbrauch sprechen müsste, (wenngleich ich zugeben muss, dass ich ihn auch selbst manchmal verwende, da uns allen ja die Sprachungenauigkeit zugunsten der Schicklichkeit mit der Muttermilch eingeflößt wurde): Es ist die verharmlosende Tendenz, die darin liegt. Die mildernde Klangmauer, die sich zwischen dem Hörer/Leser und seiner Fähigkeit zum Mitgefühl errichtet, indem Dinge derart umschrieben werden.

Dabei ist das Wort Kindesmissbrauch nicht das einzige derart verschleiernde Wort. Man nehme nur den Begriff Konzentrationslager. Wer oder was konzentriert sich dort? Zu welchem Zweck? Der Begriff gibt uns keinerlei Auskunft darüber. Oder das Wortungetüm Inquisition. Das nichts anderes bedeutet als Untersuchung? Wer oder was wird untersucht? Auf welche Art? Von der Bezeichnung selbst erfahren wir es nicht.


Wie könnte man die Dinge besser auf den Punkt bringen?

Kindesmissbrauch.
Dieses unmenschliche Wort meint in Wirklichkeit:
Erwachsene Männer (manchmal auch Frauen) zwingen Kinder zu sexuellen Handlungen.

Da aber auch der Begriff sexuelle Handlungen das Wesentliche lediglich ahnen lässt, will ich mich dem Kern der Sache weiter annähern:
Erwachsene Männer stecken im schlimmsten Fall ihren erig.ierten P.enis mit Gewalt in Vag.ina oder Anu.s eines kleinen Kindes und fügen ihm damit schlimmste Schmerzen und Verletzungen zu.

Warum schreiben wir: Ein Kind wurde misshandelt, wenn wir eigentlich meinen: Ein Typ mit sadistischer Veranlagung hat einem wehrlosen, ihm ausgelieferten Kind die Hosen heruntergezogen und es mit dem Gürtel grün und blau geschlagen? Denn: Ja. Auch solche Handlungen sind rein sexuell motiviert. Welchem anderen Zweck könnten sie wohl sonst dienen, als der Befriedigung besonders pervertierter G.eilheit? Der sogenannten Erziehung? Welche meist nur ein Euphemismus ist für Dressur? Jeder Pferdezüchter wird Ihnen sagen können, dass selbst Dressur besser mittels Lob und Belohnung funktioniert, als durch Schläge.

Mein Fazit:
Kindesmissbrauch existiert nicht, da es das notwendige Gegenstück: Den rechten Kindesgebrauch, nicht geben kann. Nennen wir die Dinge doch beim Namen, um sie auf diese Weise ans Licht zu holen. Gewöhnen wir uns eine klare Sprache an: Nennen wir einen Kinderf.icker einen Kinderf.icker, statt ihn durch die Bezeichnung Pädophiler noch ungewollt zum Kinderfreund zu ernennen.


P.S.: Wer nun meint, die Punkte innerhalb der ungehörigen Begriffe würden ebenfalls der Verschleierung dienen, der hat damit in gewisser Weise Recht: Sie dienen dazu, gerade Suchmaschinen wie Google Catholic nicht daran zu hindern, auf diesen Artikel zuzugreifen.

Kommentare:

  1. Liebe Ursula,

    mit diesem Beitrag sprichst du mir aus der Seele. Handlungen werden mit Bezeichnungen verschleiert, die alles Mögliche bedeuten könnten. Es ist eine gewisse Gewohnheit die Dinge so zu nennen, wie man sie gelernt hat. Auch ich bin dafür, alles auf den Punkt zu bringen und genau zu definieren. Dann weiß jeder, was gemeint ist. Gehemmt fühle ich mich nicht auszusprechen, was ausgesprochen werden muss.

    LG.Rita

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  2. Liebe Ursula, gut dass Du die Dinge beim Namen nennst: Ich zitiere:

    " Wie könnte man die Dinge besser auf den Punkt bringen?
    Kindesmissbrauch.
    Dieses unmenschliche Wort meint in Wirklichkeit:
    Erwachsene Männer (manchmal auch Frauen) zwingen Kinder zu sexuellen Handlungen.

    Da aber auch der Begriff sexuelle Handlungen das Wesentliche lediglich ahnen lässt, will ich mich dem Kern der Sache weiter annähern:

    Erwachsene Männer stecken im schlimmsten Fall ihren erig.ierten P.enis mit Gewalt in Vag.ina oder Anu.s eines kleinen Kindes und fügen ihm damit schlimmste Schmerzen und Verletzungen zu."

    Genau darum geht es, es geht aber auch um die Beschneidung kleiner Mädchen, nicht selten mit einer alten Glasscherbe. Auch dies ist Kindesmissbrauch, der weltweit millionenfach stattfindet.

    Junge Mädchen und Buben in Drittländer werden für Sextouristen (Kuba, Thailand)- besonders für alte Männer ( nicht selten alte Akademiker)zur Verfügung gestellt.

    Die anale Penetration führt dazu, dass die Schließmuskel zerfetzen. Wer fragt nach den Problemem, die all diese Kinder ein Leben lang haben. Die Ursache allen Übels sind Zwänge und Unaufgeklärtheiten, sind aber hauptsächlich Respektlosigkeiten gegenüber seinen Mitmenschen.

    Wo es an Ethik und Mitgefühl mangelt, kommt genau dies alles vor. Liebe Grüße Helga

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  3. Kindesmissbrauch ist ein Unwort. Denn in der Tat: Wenn es Kindesmissbrauch gibt, müsste es auch richtigen Gebrauch von Kindern geben. Aber Menschen sind keine Dinge. Man sollte niemals einen Menschen gebrauchen.

    Walter

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  4. Liebe Rita, liebe Helga, lieber Walter!

    Vielen Dank für Eure Kommentare. Aufgrund der Erfahrungen vergangener Jahrtausende gehe ich davon aus, dass der Mensch eine unselige Zwischenstufe der Entwicklungsgeschichte darstellt: Zu instinktlos, um ein Tier zu sein, zu mitleidlos, um ein Gott zu sein. Ich hoffe wirklich darauf, dass die Evolution, Schöpfung, das Was-auch-immer, nun endlich einen Zahn zulegt und dafür sorgt, dass sich Wesen entwickeln werden, die auch dann in den Spiegel sehen können, wenn sie sich und ihre Intentionen vollständig zu erkennen vermögen.

    Ursula

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