Samstag, 24. April 2010

15 »Fantastische Funde oder Fälschungen?«

Teil 15 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«,
von Walter-Jörg Langbein


Prof. Dr. Javier Cabrera Darquea (1924-2001) hat im Verlauf von Jahrzehnten eines der ungewöhnlichsten Museen unseres Planeten aufgebaut, die ich je gesehen habe. In Hülle und Fülle werden da Artefakte gezeigt, die – so sie echt sind – zu einem Umschreiben der Geschichte der Menschheit führen müssten. Wer Reisen unternimmt, um die Geheimnisse unseres Planeten zu erforschen, stößt immer wieder auf unliebsame, mysteriöse Artefakte.

In zahlreichen Museen kann man oft sehr anschaulich sehr viel über die Entwicklungsgeschichte der Menschheit erfahren. Wertvolle Ausstellungsstücke illustrieren den Werdegang des Lebens vom primitiven Einzeller bis zum Computerexperten. Der Museumsbesucher kann so nachvollziehen, wie die Evolution gewirkt hat: als treibende Kraft bei der Entstehung der heutigen tierischen Lebewesen ebenso wie beim Aufstieg des Menschen vom primitiven »homo sapiens« zum Jetztmenschen.

Andächtig wird die Evolution als neuzeitliche Form einer wissenschaftlich anerkannten »Gottheit« verehrt. Vor Jahrhunderten war es Blasphemie, den biblischen Gott anzuzweifeln. Als Evangelium des modernen, aufgeklärten Menschen gilt heute als treibende Kraft nicht mehr Gottvater, der Schöpfer. Noch verpönter ist in wissenschaftlichen Kreisen, die große Göttin, die nach altem Glauben alles Leben hervorgebracht hat und – ewigen Zyklen der Wiederkehr folgend – immer wieder gebiert. Der patriarchalische Gott hat die Göttin verdrängt und wurde in wissenschaftlichen Kreisen durch die heilige Evolution ersetzt. Sie ist in vermeintlich aufgeklärten Kreisen der hehren Wissenschaft heute ebenso sakrosant wie der allmächtige Schöpfergott der Bibel vor Jahrhunderten.

Etwas hat sich allerdings geändert: Ketzer wurden vor Jahrhunderten gefoltert und verbrannt. Heute müssen sie um ihre Existenz bangen, so sie sich um einen Platz in der Welt des wissenschaftlichen Establishments bemühen. Tabus gibt es auch in atheistischen Kreisen der Wissenschaft.

In wissenschaftlichen Werken unserer Tage wird ebenso lautstark »die Wahrheit« verkündet wie einst in den religiösen Traktaten unterschiedlichster Couleur. Aber wie einst Theologen zum Beispiel nicht ins Konzept der Bibel passende Texte verbrannten oder nur verboten... so fristen auch Museumsartefakte eine ärmliches Dasein, die nicht zur allgemeinen Lehrmeinung passen. Sie verschwinden in muffigen Kellerräumen, wenn sie nicht gar – da angeblich wertlos – zerstört werden.

Als unanfechtbarer Kanon »der wissenschaftlichen Wahrheit« gilt: die Evolution führte zu einem allmählichen und kontinuierlichen Aufstieg. Der heutige Mensch hat den Zenit erklommen, alle menschlichen Vorgänger waren primitiver, alle früheren Kulturen waren primitiver. Es kann vor Jahrtausenden oder gar Jahrzehntausenden keine hochstehenden Kulturen gegeben haben, die in mancherlei Hinsicht der unseren überlegen war. Warum nicht? Weil es sie nach wissenschaftlichem Glauben nicht gegeben haben darf. Wer aber die Geschichte der Menschheit unvoreingenommen wie ein spannendes, informatives Buch lesen möchte... darf sein Denken nicht irgendwelchen Dogmen unterwerfen.

Objekte, die nicht ins allgemein gültige Geschichtsbild passen, werden nicht in den heiligen Hallen unserer Museen ausgestellt. Sie fristen ein jämmerliches Dasein in Archiven und Kellern, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Oder sie werden einfach ignoriert. Objekte, die in der schulwissenschaftlichen Lehrmeinung keinen Platz haben werden rasch als Fälschungen deklariert. Es müssen Fälschungen sein, weil sie nicht echt sein können. Und sie können nicht echt sein, weil sie nicht echt sein dürfen.

Cabreras gravierte Steine und Tonfiguren zeigen zum Beispiel ganz eindeutig vorzeitliche Saurier. Wie geht man mit solchen Objekten um? Wie stuft man sie ein? Man kann sie leichtfertig zu Fälschungen erklären, nach einem simplen Motto: Vor Jahrtausenden können Menschen in Südamerika nichts von Sauriern gewusst haben. Also können Artefakte, die Saurier zeigen, nicht Jahrtausende alt sein. Es gibt aber eine Alternative! Vielleicht ist unsere Vorstellung vom Wissensstand der Menschen, die vor Jahrtausenden in Südamerika lebten, falsch? Vielleicht müssen wir unsere Thesen über die graue Vergangenheit Südamerikas so ändern, dass auch unliebsame archäologische Funde Platz finden. Unsere Thesen über die Vergangenheit des Menschen dürfen keine unantastbaren Dogmen sein. Sie müssen ständig überprüft werden.

Leider weigert sich aber die Schulwissenschaft in der Regel, archäologische Funde, die nicht ins klassische Bild der Vergangenheit passen, zur Kenntnis zu nehmen.
Jahrtausende alte Saurierdarstellungen sind für Anhänger des schulwissenschaftlichen Kanons ein Gräuel. Und doch gibt es sie.

1897 wanderte der Bremer Kaufmann Waldemar Julsrud nach Mexiko aus. Wie Heinrich Schliemann (1822-1890) war er ein begeisterter Feldarchäologe aus Leidenschaft. Schliemann wurde von der Wissenschaft nicht ernst genommen. Er entdeckte Troja. Julsruds Funde dürften weitaus bedeutsamer sein für die Geschichte der Menschheit. Will man die wahre Geschichte der Menschheit wie ein Buch lesen, darf man auf Julsruds Seiten nicht verzichten.

In den Jahren 1944 bis 1952 gruben Einheimische in seinem Auftrag mehr als 33 000 kleinere Skulpturen aus. Darunter befinden sich unzählige – die genaue Zahl ist unbekannt – Saurierfiguren. Ohne dass auch nur eine einzige der phantastisch anmutenden Skulpturen wissenschaftlich untersucht wurden... erklärte man sie in Bausch und Bogen zu modernen Fälschungen. Sie konnten nicht echt sein, weil sie nicht echt sein durften.

Waldemar Julsrud funktionierte sein geräumiges Haus in ein bewohntes Museum um. Jeder freie Fleck wurde genutzt. Überall standen und lagen die bizarren Tonfiguren, auf Tischen und Schränken, in Regalen und Vitrinen. Julsruds Haus wurde zu einer bizarren Welt, die sich Menschen und monströs wirkende Wesen teilten. Tausende Figuren stellten eine Welt dar, die mehr an einen Mysteryfilm unserer Tage als an irdische Realität erinnerte. Immer mehr Neugierige besuchten die einzigartige Ausstellung. Vertreter der Wissenschaft indes hielten es nicht für erforderlich, die Artefakte näher in Augenschein zu nehmen. Sie konnten nur Fälschungen sein, weil sie Fälschungen sein mussten. Und sie mussten Fälschungen sein, weil sie nicht echt sein durften. Und um Fälschungen zu betrachten, war jedem Wissenschaftler auch ein noch so kurzer Weg zu weit... zumindest offiziell.

Anno 1964 wurde die mysteriöse Sammlung nach dem Tod von Waldemar Julsrud in ein Lagerhaus verbannt. Dort schlummerte sie, vorsorglich von der Öffentlichkeit weggeschlossen, bis Ende der 1990er Jahre Privatforscher auf die sensationellen Funde aufmerksam machten. Und siehe da... Es hatte doch wissenschaftliche Untersuchungen and Analysen der Funde gegeben. Warum aber wurden die Ergebnisse nicht publik gemacht. Warum wurden die Altersbestimmungen der »gefälschten Artefakte« nicht in die Welt hinaus posauniert? Lag es daran, dass die erhofften Resultate nicht geliefert wurden? Lag es daran, dass die Funde keine modernen Fälschungen sein können?

Fakt ist: Drei wissenschaftliche Institute aus Nordamerika (1) haben Julsrud-Objekte getestet. Unabhängig voneinander kamen alle drei zu Ergebnissen, die nur einen Schluss zulassen: Die datierten Artefakte sind keine Fälschungen! Untersuchung wurden durchgeführt:

· vom »Teledyne Isotopes Laboratories«, Westwood, New Jersey
· vom »Museum Applied Science Center for Archaeology« der »University of Pennsylvania« und
· von den »Geochron Laboratories«, Massachusetts.

Fasst man die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Untersuchungen zusammen, dann müssen die geheimnisvollen Skulpturen über einen langen Zeitraum hinweg geschaffen worden sein, nämlich zwischen 4500 vor Chr. (C14 Datierung von 1968) und 2500 v.Chr. (Thermolumineszenz Datierungen von 1973 und 1995). Doch wurde Julsrud rehabilitiert, nachdem die Fälscher-These eigentlich als widerlegt angesehen werden müsste?

Fakt ist: In Julsrud Sammlung gibt es Miniskulpturen, die Saurier darstellen. Wissenschaftliche Analysen sprechen den Artefakten Julsruds ein sehr hohes Alter zu. Ein winziger Bruchteil der Artefakte ist immerhin öffentlich ausgestellt im »Museum Waldemar Julsrud«, das am 28. Februar 2002 in Acámbaro eröffnet wurde. Jahrzehnte nach Waldemar Julsruds Tod hatte sich der Wunsch des unermüdlichen Forschers endlich erfüllt.

Fakt ist: Auch in Prof. Dr. Javier Cabrera Darqueas Museum gibt es Saurierdarstellungen. Auch diese Objekte werden gern in Bausch und Bogen verdammt und als Fälschungen diskreditiert. Dabei gibt es wissenschaftliche Studien, die dafür sprechen, dass es auch sehr alte »Cabrera-Objekte« gibt.

Fakt ist: Bereits im Sommer 1967 führte die »Compania Minera Mauricio Hochschild« eine Untersuchung von gravierten Steinen durch. Prof. Dr. Javier Cabrera Darquea zeigte mir die entsprechenden Dokumente in seinem Museum. Die Resultate sind sensationell, werden aber bis heute weitestgehend totgeschwiegen. Der Geologe Dr. Erik Wolf analysierte die Oxydationsschichten, die sich auf den Einritzungen gebildet hatten. Weitere Proben wurden von Professor Dr. Josef Frenchen vom »Institut für Mineralogie und Petrographie an der Universität Bonn« datiert. Im Frühjahr 1969 lag dann das eindeutige Ergebnis vor. Demnach müssen die Einritzungen vor mindestens 12 000 Jahren vorgenommen worden sein. Ein weit höheres Alter könne nicht ausgeschlossen werden.

Im Jahre 2002 führten Maria del Carmen Olazar Benguira und Felix Arenas Marsical Ausgrabungen in der Wüste zwischen Nasca und Ica durch. Tagelang haben sie unter schwierigen Bedingungen gegraben. 200 Meter unterhalb des Gipfels des Cerro Norte fündig: gravierte Steine, vergleichbar mit den Artefakten aus Cabreras Museum! Im Museum von Prof. Dr. Javier Cabrera Darquea verblüffen Darstellungen von komplizierten medizinischen Eingriffen: in Steine graviert und plastisch als Tonfiguren.

Einer der 2002 ausgegrabenen Steine zeigt – wie die Artefakte im Cabrera-Museum – ebenfalls eine medizinische Szene: Eine Person, die auf einem Tisch liegt, wird operiert. Der Chirurg setzt offenbar gerade das Messer an. Einige der Steine –Luc Bürgin weist in seinem vorzüglichen Nachschlagewerk ausdrücklich darauf hin (2) – waren »mit Ablagerungen verklebt«. Bürgin: »Und die Karbonablagerungen auf den mitgebrachten Boden- und Gesteinsproben waren gemäß Thermoluminiszenz-Datierung ›mehr als 61 196 Jahre‹ respektive ›mehr als 99 240 Jahre‹ alt - ›bei einem Abweichungsfaktor von 5000 bis 8000 Jahren.‹«

Bürgin schließt seine Ausführungen über die »Ica-Steine« so: »Die unendliche Geschichte der Ica-Steine ist damit um ein weiteres Kapitel reicher. Wie sie wohl weitergeht?«


Zitierte Literatur

(1) Bürgin, Luc: »Lexikon der verbotenen Archäologie: Mysteriöse Funde von A bis Z«, Rottenburg 2009, S. 22

(2) Bürgin, Luc: »Lexikon der verbotenen Archäologie: Mysteriöse Funde von A bis Z«, Rottenburg 2009, S. 102

»Geheimnisvolles Nasca«,
Teil 16 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 2. Mai 2010




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