Samstag, 27. März 2010

Heidrun: Text- Helga König

Natürlich muss ich auch von Heidrun sprechen. Sie verstarb 1988. Ich lernte sie 1983 kennen. Damals war sie das  dritte Mal schwanger und ahnte nicht, dass bereits ein Hirntumor in ihrem Kopf  ihren frühen Tod beschlossen hatte.

Die Umstände, in denen sie seit Jahren lebte, waren unerträglich. Sie war die Gattin eines Lebemannes und Spielers,  die hochintelligente Tochter eines spießigen, kleinen Polizisten, der bei den Nazis in Russland sein Unwesen trieb und einer exaltierten Mutter, die sie noch bis zu ihrem Ableben mit ihren überzogenen Erwartungshaltungen penetrierte.

Ich lernte Heidrun auf einer Silversterparty kennen, sprach  mit ihr einen Abend lang und besuchte sie, die Umstände möchte ich an dieser Stelle nicht preisgeben,  fünf Monate später im Krankenhaus. Man hatte sie wegen eines Hirntumors operiert. Sie litt hinterher  an immensen Gleichgewichtsstörungen. Sie litt, wie ich später erfuhr, in all den Jahren, die hinter ihr lagen - im Weinberghaus - als ungeliebte Schwiegertochter eines Multimillionärs an unsäglichen Kopfschmerzen. Das Leben dort hatte ihr den Boden unter den Füßen weggezogen.

Die blonde Heidrun soll eine Nymphomanin gewesen sein . Sie soll mit vielen Männern als junge Frau in den 1960er Jahren gevögelt haben, ohne Verhütungsvorkehrungen zu treffen. Ihr Sexualhunger  verblüffte alle, die mit ihr zu tun hat, erzählte später die Legende. Heidrun wirkte auf mich blass und unscheinbar. Ich mochte diese Berichte, die über sie kursierten, nicht wirklich glauben, sondern vermutete eine Protesthaltung in ihrem Tun gegenüber ihren zugebretterten Eltern, die von Seiten   diverser Männer wahnsinnig aufgebauscht worden war.

1966 wurde sie erstmals schwanger, aufgrund einer sexuellen Episode während einer Party. Sie kannte den Namen ihres Gegenübers nicht einmal , ervögelte sich in einer dunklen Ecke ihren Sohn Sigi, den sie aus Angst vor  der gesellschaftlichen Ächtung ihrem späteren Gatten, dem Multimillionärssohn und Berufszocker Hermann  unterschob. Dadurch sicherte sie sich die Versorgung ihres Kindes, geriet aber in eine Hölle, die der Hölle Dantes in nichts nachstand. Darüber berichte ich u.a. in meinem Buch, das ich derzeit schreibe. Heike wurde nur 41 Jahre alt.  Auch sie war aus dem Gleichgewicht geraten , deren Ursachen letztlich in den Folgen einer nicht ehelichen Schwangerschaft lagen.

Heute im Jahre 2010  erscheint dies alles aberwitzig. Die sexuelle Befreiung war zwar 1968  in aller Munde, aber sie fand tatsächlich erst in dem 1990er Jahren statt als alleinerziehende Mütter gesellschaftlich nicht mehr an den Pranger gestellt wurden.

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