Sonntag, 21. März 2010

10 »Geheimnisvolles Cusco«

Teil 10 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Die Luft ist dünn in etwa 3500 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Ich sitze auf so etwas wie einem steinernen Thron, der vor vielen Jahrhunderten gemeißelt und poliert wurde. Sitzfläche und Rückenlehne sind blank poliert. Wer thronte einst hier... mit dem Rücken zu einem der großen Geheimnisse unseres Planeten? Weiter unten im Tal kriecht eine steinerne »Schlange« in Zickzacklinien dahin. Oder sind es drei Schlangen, von unbekannten Meistern der Baukunst aus gigantischen Steinbrocken gebildet... jede fast 600 Meter lang? Aus der Distanz kann man am ehesten erfassen, wie lang der monströse Komplex von Sacsayhuaman bei Cusco, Peru, wirklich ist.

Seit über 30 Jahren beschreibe ich rätselhafte archäologische Monumente, die meiner Überzeugung nach von der Schulwissenschaft nicht erklärt werden können. Kritiker nehmen das gern zum Anlass, an meiner Glaubwürdigkeit zu zweifeln. Doch während ich seit Jahrzehnten die Welt bereise, begnügen sich manche Kritiker mit Antworten vom häuslichen Schreibtisch aus. Sie »widerlegen« gern nach dem Motto »Es kann nicht sein, was nicht sein darf!« Ich begnüge mich nicht mit »Recherchen« im häuslichen Arbeitszimmer. Ich recherchiere vor Ort. Und was ich immer wieder gesehen habe, beweist für mich ganz eindeutig: »Es gibt phantastische Dinge, auch wenn es sie nach Gelehrtenmeinung gar nicht geben dürfte.« Nun kann man entweder die Realität bestreiten.. oder an der Schulwissenschaft zweifeln. Wenn die Wirklichkeit manchmal phantastischer ist als die trockene Lehre der Wissenschaft, dann muss man darüber nachdenken, ob es nicht an der Zeit ist, endlich die wissenschaftliche Gedankenwelt an die Realität anzupassen.

Zu den großen, ungelösten Rätseln der Vergangenheit gehören die mysteriösen Steinbearbeitungen aus uralten Zeiten. Vor Jahrtausenden wurden da massive Felsmassive bearbeitet, als sei dies mit spielerischer Leichtigkeit erfolgt. Geben uns die »Engel von Chinchero« Hinweise auf ein uraltes Geheimnis?

Unterwegs zu den Geheimnissen des mysteriösen Cusco machte ich halt bei einem kleinen ländlichen Markt. Weithin schallte das Lachen spielender Kinder. Frauen in einfacher, sauberer Kleidung scherzten und priesen ihre Waren an. Manche hatten nur einige Maiskolben im Angebot. Andere boten gekochte Süßkartoffeln an. Auch Süßigkeiten wurden angepriesen.

Aus Sicht eines Europäers oder Amerikaners mögen diese Menschen sehr arm gewesen sein. Bescheiden waren auch die landwirtschaftlichen Produkte die sie feilboten, meist Gemüse aus eigener Produktion. Jeder Verkauf löste Freude aus: bei den erfolgreichen Händlern, aber auch bei den »Nachbarständen«. Emsig wurde Nachschub in Säcken herbeigeschleppt. Bei aller »Armut« waren die Menschen bester Laune. Sie strahlten mit der Sonne um die Wette. Ob sie letztlich ohne Aktiendepot, Bankkonto und stressbedingte Magengeschwüre nicht viel reicher waren als so mancher Europäer oder Amerikaner?

Ich schenkte einem kleinen Buben meinen »Cowboyhut«. Und schon wurde ich zu einer heißen gekochten Süßkartoffel eingeladen. Ich revanchierte mich wiederum mit einem Pullover aus meinem Rucksack. Mein Präsent wurde dankend angenommen und ich bekam eine große Tüte mit gekochten Süßkartoffeln in die Hand gedrückt. Die Worte der freundlichen Menschen verstand ich nicht. Ihre Freundlichkeit aber bedurfte nicht der Übersetzung. Und als ich mich wieder auf den Weg machte... schämte ich mich für das unsägliche Leid, das meine Vorfahren den Inkas zugefügt haben, die beraubt, gefoltert und ermordet wurden. Dankbar und genüsslich verzehrte ich die Süßkartoffeln. Sie sättigten – und sie wärmten das Herz des Reisenden in der Fremde.

Cusco – auch Cuzco, Qusu und Qoso geschrieben – ist die Hauptstadt der Region Cusco im Zentrum des peruanischen Andenhochlandes, 3400 Meter über dem Meeresspiegel gelegen. Die uralte Metropole beherbergt heute den Sitz eines Erzbischofs. Der residiert würdevoll und nicht ohne Prunk. Wer sich für viele Jahrhunderte alte Gotteshäuser interessiert, wird in Cusco nicht enttäuscht werden. Allerdings ist Cusco heute nur noch ein Abglanz einstiger Größe. Und Cusco ist ein Stein gewordenes Denkmal europäisch-christlicher Überheblichkeit. Haben doch die »zivilisierten« Europäer das ursprüngliche Cusco weitestgehend zerstört, die uralten Tempel abgetragen und die christlichen Gotteshäuser auf den Grundmauern »heidnischer« Kultbauten errichtet.

Fast vollständig verschwunden sind sakrale wie weltliche Bauten der Inkas. Wobei die Grenzen zwischen religiös und politisch noch verschwommener waren als heute im christlichen Abendland. Aber auch die Bauten der Inkas waren keine »Erstlinge«. Auch sie wurden auf noch älteren Grundmauern errichtet. Die Inkadenkmäler wurden rigide abgerissen, die Steine wurden wieder genutzt. Da und dort sind noch Original-Inka-Mauern in Cusco erhalten: kleine Steine exakt zusammengefügt, keine Kolosse wie in Sacsayhuaman. Und doch gibt es nach wie vor steinerne Erinnerungen an die glorreiche Zeit der Inkas!

Einer der größten Tempel der Inkas war der Sonne geweiht: Quorikanchal. Er muss für die Inkas von ganz besonderer Bedeutung gewesen sein. Die Spanier versuchten das massive Bauwerk abzutragen, was ihnen auch weitestgehend gelang. Auf den Grundmauern des einstigen Heiligtums entstanden das Kloster und die Kirche von Santo Domingo. Ein Erdbeben ließ anno 1950 – Jahrhunderte nach dem Sieg der christlichen Spanier über die heidnischen Inkas – Kirchen- und Klostermauern der Christen einstürzen. Das gewaltige Erdbeben legte massives Gemäuer aus Inkazeiten frei... Wer an das Eingreifen »göttlicher Kräfte« glaubt, mag sich fragen, wieso Ende des zweiten nachchristlichen Jahrtausends christliches Mauerwerk fiel, während verhasstes Inka-Mauerwerk den Naturgewalten trotzte und wieder zum Vorschein kam? Sollte dies ein Hinweis auf die Stärke der Inka-Religion sein? Wie auch immer: Mitte des 20. Jahrhunderts wagte niemand, das Inkagemäuer zu zerstören. Die christliche Kirche wurde restauriert, um die alten Inkamauern herum.

Nach Aufzeichnungen spanischer Chronisten sollen in einem heute dunkel und düster wirkenden Raum die Mumien verstorbener Inkaherrscher auf goldenen Thronen gesessen haben. Die Wände waren demnach alle mit Gold und Silber tapeziert. Eine mächtige Scheibe aus Gold sei einst sakrales Objekt uralten Kultglaubens gewesen. Sterne aus Gold und Silber hingen an den Decken. Die präzise ausgerichteten Fenster hätten an wichtigen Tagen (Sommersonnwende und Wintersonnwende) die Goldschätze im Tempelgemäuer erstrahlen lassen.

Den Spaniern war der »heidnische Aberglaube« aus religiösen Gründen angeblich ein Gräuel. Gegen das Gold und das Silber, das die Tempel eben dieses angeblich so bösen Glaubens schmückte, hatten die christlichen Plünderer nichts einzuwenden. Sie rissen es von den Wänden und schmolzen es zu handlichen Barren ein. Den Priestern von Santo Domingo sind die heidnischen Gemäuer alles andere als lieb. Fotografieren ist verboten. Archäologische Ausgrabungen, die weiteres Inkagemäuer zutage fördern könnte, wird untersagt.

Der Inkaherrscher Pachautec (1348-1471) war es, der die uralte Stadt in neuem Glanz neu erblühen lassen wollte: die Metropole, die einst vom mythischen Schöpfergott Viracocha gebaut worden sein soll. Bei Pacari-Tambo, östlich von Cusco gelegen, sollen einst vier Schwestern und vier Brüder aus einem unterirdischen Tunnel gestiegen sein. Einer der Brüder schleuderte vier Felsbrocken, so heißt es, in die vier Himmelsrichtungen. So sollen die Grenzen des Inkareiches festgelegt worden sein.

Mag sein, dass »Cusco« in der Quechua-Sprache so etwas wie »Nabel/ Mitte der Welt«bedeutete. Das zumindest behauptet der Chronist Garcilaso de la Vega. Nach dem Chronisten Juan de Betanzos indes (»Suma y Narración de los Incas«, 1551) war schon zu Zeiten der spanischen Eroberer, zutreffender wäre Plünderer und Zerstörer einer uralten Kultur, nicht mehr bekannt, wie der Namen zu verstehen sei. Wenig hilfreich ist die Information, dass Cusco ursprünglich »Acamama« hieß, denn auch dieser Name lässt sich nicht wirklich übersetzen. Oder besser gesagt: die Übersetzung ist umstritten. »Mama« macht keine Probleme: »Mutter«. Aber was heißt »aca« In der Quechua-Sprache bedeutet »Aca« in etwa »Schmutz/ Abschaum«. Was aber soll dann »Acamama« bedeuten? »Mutter des Schmutzes« kommt uns in den Sinn.

Denken wir an den ersten Menschen der Bibel, der von »Gott« aus Lehm geformt und deshalb Adam genannt wurde. Weist der »Schmutz« in »Acamama« darauf hin, dass hier die Göttin, die Muttergottgeit, aus dem Schmutz der Erde den ersten Menschen schuf? Erinnert »Acamama« an den verschollenen Glauben einer uralten matriarchalischen Kultur, in der einst die große Göttin – und kein männlicher Gott – angebetet und verehrt wurde? Tatsächlich sahen sich die Tampus – ein zur Gruppe der Quechua-Indianer gehörender Stamm – als die ältesten Menschen überhaupt an. Der Überlieferung nach haben sie einst die Gegend von Cusco bewohnt – eine Art »Paradies«?

»Unterirdische Gänge und die Monstermauer von Cusco«
Teil 11
der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein
erscheint am 28.3.2010

Kommentare:

  1. Ein interessanter Beitrag! Weiter so! :)
    hier noch ein Video zum Thema - Inka Tempel vom Cusco.

    http://spektrumpljus.blogspot.com/2009/12/10500-vchr.html

    AntwortenLöschen
  2. Vielen Dank für die lobenden und aufmunternden Worte! Die Serie wird fortgesetzt! Ich habe noch viel Material!

    AntwortenLöschen

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