Samstag, 27. Februar 2010

Samstagsrezension Helga König

Walter-Jörg Langbein: 2012 - Endzeit und Neuanfang
"...ebenso tauchte die Insel Atlantis in die Tiefe des Meeres hinab und verschwand." ( Zitat, Platon, Timaios 25, übersetzt von Otto Apelt)

Walter-Jörg Langbein befasst sich mit dem 21.12.2012. Dann nämlich soll nach alten Maya-Berechnungen die Welt aufgrund einer weltweiten Katastrophe zerstört werden. Wie hat man diesen prophezeiten Weltuntergang zu verstehen? Was würde ein solcher Untergang für uns Menschen bedeuten?

Gewaltige Katastrophen hat es immer gegeben, so lange die Erde besteht. Schon Platon berichtete vom Untergang von Atlantis, einem offensichtlich mächtigen Imperium, das ausgelöscht wurde, weil die Bewohner von überbordender Hybris beseelt waren. Ihr Hochmut führte dazu, dass Zeus den Kontinent Atlantis strafte und in den Fluten des Meeres versinken ließ.

Langbein reflektiert Aussagen verschiedenener Religionen und deren Apokalypse -Vorstellungen und zeigt, dass der Koran und die Bibel im Gegensatz zu den Religionsvorstellungen der Hindus oder der Mayas bei dem Begriff Weltuntergang stets etwas Endgültiges im Sinn haben. Für die Mayas gab es den Wechsel, den Zyklus, ein Blühen und Vergehen und ein erneutes Aufblühen. Ist einem diese religiöse Vorstellung erst einmal klar,  erschreckt das Datum 2012 nicht weiter.

Worin liegt der Sinn des Lebens? Wie lassen sich Katastrophen verhindern? Können wir aus den Legenden der Mayas, Hopis und von den Steinfiguren auf der Osterinsel etwas lernen? Verweisen alte Zeichnungen nicht auf Astronauten ferner Sterne, die sich einst aufmachten, um auf der Erde neuen Wohnraum zu finden?

Ist nicht die Zeit gekommen, dass wir die gesamte Erde, aufgrund des Klimawechsels und anderer Gegebenheiten als das neue Atlantis begreifen müssen? Müssen wir Überlegungen forcieren, fernab der Erde in den Tiefen des Alls nach bewohnbaren Planeten zu suchen, um den Fortbestand der Menschheit zu sichern?

Der Autor schreibt auf Seite 100: "Seitdem erste Menschen als Astronauten in den Weltraum vorgedrungen sind, wissen wir um das große Geheimnis Planet Erde. Man muss in den Weltraum fliegen, um zu erkennen: Aus der tödlichen Eiseskälte des Weltalls betrachtet ist unser Heimatplanet ein einziges großes Atlantis. Doch wir verdrängen gekonnt die Gefahr, das auch unser Atlantis genau wie das Atlantis Platons untergehen kann."

Der weitgereiste Autor berichtet ausführlich von vielen alten Kulturstätten, nicht zuletzt auch von Chizen Itza und Palenque in Mexiko und einer Botschaft auf einem Relief in Palenque, die nach seiner Interpretation lautet: "Mag ein Supervulkan oder ein gewaltiger Meteorit das Leben auf der Erde auslöschen, in einer "Raketenarche" können Überlebende dem auf Erden unausweichlichen Tod entkommen."

Für die Mayas galt demnach das Prinzip Hoffnung, ihr zyklisches Weltbild lässt das Ende offen. Es gibt kein entgültiges Ende, sondern immer wieder einen Neuanfang. 2012 ist möglicherweise nur eine Moment großer Umbrüche, welche es auch immer sein mögen und wohin auch immer sie uns führen mögen, vielleicht auf einen anderen Stern. Mir fällt ein lateinischer Spruch ein,  "Per aspera ad astra", der zum Wahlspruch für 2012 werden könnte. Bemühen wir uns genau in diesem Jahr besonders intensiv um unsere alte Mutter Erde, damit sie uns zukünftig wie ein neuer schöner Stern erscheint. Das wird dann geschehen, wenn wir alle friedlich, liebevoll und verantwortungsbewusst mit ihr und den Menschen, die sie bewohnen, umgehen.

Ein sehr spannend zu lesendes Buch, das verdeutlicht, dass es auf unserer Erde mithin keine Sicherheit gibt, dass wir vielen Unbilden ausgesetzt sind und dass wir unser Leben letztlich stets als eine Reise begreifen sollten.



Kommentare:

  1. Sich aus den Tiefen der Vergangenheit Projektionen auf die Zukunft holen zu wollen, halte ich für falsch. Religiöses oder mystisches Angstmachen hat uns über Jarhunderte gelähmt. Einzig hier und heute, einzig unser Wille entscheidet, unser Wille zum Guten. Morgenstern sagte, wir leben nicht am Ende des Christentums, sondern am Anfang. Genau so ist es: die Fähigkeit des Kreuzritters wird übergehen zum empathischen Menschen, die Offenbarung (ein neuer Himmel, eine neue Erde) hat nur eine (und keine apokalyptische Bedeutung): in uns selbst den HImmel der Liebe zu entdecken und eine neue Erde der Mitmenschlichkeit zu leben. Meiser Eckhart hat dies als erster gesehen und heute sind die nicht-endzeitlichen Facetten bei Eckhart Tolle niedergeschrieben.

    Ich werde dieses apokalyptische Buch nicht lesen und lehne weltraum-raketenhafte Facetten bzw. Projektionen komplett ab.

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  2. Hallo Anonym, danke für Ihren Kommentar. Leider scheinen Sie einem weit verbreiteten Vorurteil aufgesessen zu sein. Bedingt durch die Berichte der Sensationspresse zum 21.12.2012 ist die sogenannte "Maya-Prophezeiung" zum Synonym für die angeblich drohende Apokalypse geworden. Doch: Wer kann schon genau sagen, was diese Prophezeiung genau beinhaltet? Aus welchen Zusammenhängen heraus sie entstanden ist? Die gesamte Thematik ist zum willkommenen Anlass für immer neue Spekulationen geworden, und das so gut wie ohne jedes Hintergrundwissen.
    Genau an diesem Punkt setzt das Buch von WJL an. "2012 - Endzeit und Neuanfang" räumt auf mit schlichten Behauptungen und beschäftigt sich mit den Fakten zum Thema. Was sollte daran falsch sein?
    Entwicklung ist niemals aufzuhalten. Auch nicht durch das Christentum, das soeben in Begriff ist, endgültig überwunden zu werden.

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  3. »Ich werde dieses apokalyptische Buch nicht lesen.« schreibt der anonyme Kommentator. Nun, ein apokalyptisches Buch ist mein »2012« gerade nicht. Darauf weist der Untertitel sehr klar hin »Endzeit und Neuanfang«. In der Tat: Religiöses Angstmachen lähmt. Mein Buch verbreitet keine Panikmache, sondern macht Mut.

    Es gibt allerdings höchst reale Gefahren, die dem Leben auf Planet Erde drohen: zum Beispiel kann der Aufschlag eines kosmischen Körpers zu entsetzlichen Katastrophen führen. Nun kann man derlei drohende Gefahren als Panikmache verstehen und verdrängen. Ratsamer ist es in meinen Augen allerdings, sich aktiv vorzubereiten: Wie kann man eine solche Gefahr meistern? Es gibt bereits Pläne, kosmische Körper mit Hilfe von Weltraumtechnologie von einem Kollisionskurs abzubringen. Wenn wir nicht kurz-, sondern langfristig denken, dann müssen wir davon ausgehen, dass ein solcher Impakt im Verlauf der nächsten Jahrhunderte oder Jahrtausende erfolgen wird. Empathie allein wird dann nicht helfen.

    Die Mayas hatten ein zyklisches Weltbild: Auf das Ende einer Epoche folgt der Beginn einer neuen. Der anonyme Kommentator lehnt »weltraum-raketenhafte Facetten beziehungsweise Projektionen komplett ab«. Als Hermann Oberth vor fast einhundert Jahren die wissenschaftlichen Grundlagen der Weltraumforschung formulierte und ihre Zukunft höchst zutreffend beschrieb, wurden seine – visionären, dabei stets konkreten – Gedanken vom wissenschaftlichen Establishment weitestgehend abgelehnt. Recht behalten hat Hermann Oberth, der »Vater der Weltraumfahrt«. Oberth – und andere Pioniere der Weltraumfahrt – gehen davon aus, dass der Mensch ins All vordringen wird.

    Der Fuchs der Fabel verschmäht die Trauben, weil sie ihm angeblich zu sauer sind. Der Mensch aber wird die »kosmischen Trauben« selbst kosten wollen. Er begnügt sich nicht mit Vermutungen.

    Auch ich bin der Überzeugung, dass jede intelligente Lebensform (so sie sich nicht selbst vernichtet) einmal Weltraumfahrt betreiben und in die Tiefen des Kosmos vordringen wird. Intelligenz hat stets das Ziel, Wissen zu erweitern, Grenzen zu überwinden, hinter den nächsten »Horizont« zu blicken.

    Die Erde war die Wiege der Menschheit. Ich glaube nicht, dass wir Menschen in der Wiege ausharren, sondern sie verlassen werden. Und das heißt für mich: der Mensch wird in den Kosmos vordringen.

    Walter-Jörg Langbein

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  4. @UP
    ich glaube nach Morgenstern, dass das Christentum nicht am Ende steht, sondern am Anfang. Allerdings hat das nichts mehr mit dem infantilen Glauben der vergangenen Jahrhunderte zu tun, sondern mit einem übergreifenden, toleranten Weltglauben (an den Gott in sich).

    @WJL
    Bevor die Menschheit den Raum außer sich entdeckt, sollte sie den unerschlossenen in sich selbst sehen und verstehen lernen. Bevor wir in Lichtjahren reisen wollen, sollten wir begreifen, wie schnell erreichbar emphatische Kerne in uns selbst sind, die jetzt noch Trillionen Kilometer entfernt scheinen.

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  5. @ Anonym
    Sie sagen "religiöses oder mystisches Angstmachen hat uns über Jahrhunderte gelähmt."
    Ich stimme Ihnen zu, im Hinblick auf die drei großen Religionen aus der Wüste. Das Denken der Mayas aber war anders, wie sie meiner Rezension entnehmen können. Sie erstarrten nicht vor Angst aufgrund einer unangenehmen Prophezeiung, sondern sie scheinen nach Auswegen gesucht zu haben. Deren Gedanke war: egal, was geschieht, wir finden Lösungen.

    Für Sie nochmals der beiden letzten Absätze meiner Rezension: "Für die Mayas galt demnach das Prinzip Hoffnung, ihr zyklisches Weltbild lässt das Ende offen. Es gibt kein entgültiges Ende, sondern immer wieder einen Neuanfang. 2012 ist möglicherweise nur eine Moment großer Umbrüche, welche es auch immer sein mögen und wohin auch immer sie uns führen mögen, vielleicht auf einen anderen Stern. Mir fällt ein lateinischer Spruch ein, "Per aspera ad astra", der zum Wahlspruch für 2012 werden könnte. Bemühen wir uns genau in diesem Jahr besonders intensiv um unsere alte Mutter Erde, damit sie uns zukünftig wie ein neuer schöner Stern erscheint. Das wird dann geschehen, wenn wir alle friedlich, liebevoll und verantwortungsbewusst mit ihr und den Menschen, die sie bewohnen, umgehen.


    Ein sehr spannend zu lesendes Buch, das verdeutlicht, dass es auf unserer Erde mithin keine Sicherheit gibt, dass wir vielen Unbilden ausgesetzt sind und dass wir unser Leben letztlich stets als eine Reise begreifen sollten."

    Im Übrigen sehe ich keinen Widerspuch darin, seinen empathischen Kern auszuloten- das halte ich für sehr wichtig- und sich zeitgleich mit der Welt außerhalb unserer begrenzten auseinander zu setzen. Vielleicht besteht hier sogar eine Wechselwirkung.

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