Sonntag, 7. Februar 2010

Im Gespräch mit Ephraim Kishon - Teil 3

Walter-Jörg Langbein
Teil 3 des Interviews

Vor 25 Jahren durfte ich in einem Frankfurter Hotel ein ausführliches Gespräch mit Ephraim Kishon führen. Zu seinem fünften Todestag mache ich es noch einmal der Öffentlichkeit zugänglich, als kleine Serie im Blog »Ein Buch lesen«. Ein Vierteljahrhundert ist seit dem Interview vergangen. Die politische Landschaft hat sich seither gravierend verändert. Die Grenze zur DDR ist dank des friedlichen Protests der Menschen in der DDR gefallen. Die DDR existiert nicht mehr. Auch »der« Ostblock ist nicht mehr das, was er einst war. So sehr sich aber das Bild der Welt im Verlauf des letzten Vierteljahrhunderts gewandelt hat, Ephraim Kishons Äußerungen zu diversen Themen von Politik über PSI zu Philosophie sind auch heute noch brandaktuell.

Vor rund einem halben Jahrhundert schrieb ein israelischer Schriftsteller in hebräischer Sprache Satiren. Sie wurde ins Englische übersetzt, in Deutschland schien sich niemand für die Texte zu interessieren. Doch dann übersetzte der Wiener Schriftsteller und Publizist Friedrich Torberg die Werke des »Unbekannten« ins Deutsche.... und der Welterfolg des Ephraim Kishon begann. Aus dem »Anonymus« wurde das Phänomen Kishon, mit Zig-Millionen-Weltauflage.

Teil 3 des Interviews

Walter-Jörg Langbein: Herr Kishon, in Ihrem neuen Buch ›Abraham kann nichts dafür‹ steht eine interessante Satire am Schluss. Ein Außerirdischer sieht die Erde, und das Kindergezänk der Diplomaten führt letztlich zum atomaren Holocaust. (Hinweis: Das Interview wurde vor 25 Jahren geführt!)

Kishon: In dieser Satire bin ich der Außerirdische. Sehen Sie, das ist ja schon wieder ein schöner Zeitungstitel: ›Ephraim Kishon: Ich bin ein Außerirdischer!‹
Vieles, was gesagt wird von sogenannten Diplomaten, ist Fassade, Quatsch, Kinderei, die Herren schwingen da hehre Reden und meinen etwas ganz anderes.

Walter-Jörg Langbein: Besteht die von Ihnen beschriebene Gefahr einer weltweiten Zerstörung Ihrer Meinung nach wirklich?

Ephraim Kishon: Ja, ich glaube das nicht nur, das weiß ich. Es unterliegt meiner Meinung nach keinem Zweifel, dass die Welt bald eine atomare Katastrophe erleben wird. Diese wird nach meiner Logik nicht so verlaufen, wie es die Friedensbewegungen erwarten. Es wird keinen Krieg zwischen den Großmächten geben. So blöd ist niemand unter den Politikern der Großmächte. Aber es ist nur eine Frage von ein, zwei, drei, vier oder fünf Jahren, dass Herr Gadafi... Entschuldigung... dass Herr Oberst Gaddafi oder Herr Arafat oder die Terrorgruppe ›Rote Armee‹ aus Italien eine Atombombe haben wird. Und das wird dann zur Hölle auf Erden führen.
Ich bin sicher, der gute Oberst Gaddafi wäre bereit, sagen wir, fünf Milliarden Dollar für eine Atombombe zu bezahlen, nur, um dann zum amerikanischen Präsidenten sagen zu können: Wenn Sie Israel dazu nicht zwingen, den Staat aufzugeben, dann wird New York zerstört. Das ist in meinen Augen keine Utopie, das ist eine Tatsache. Wie alt sind Sie?

Walter-Jörg Langbein: Ich bin dreißig. (Anmerkung: Das Interview wurde vor 25 Jahren geführt!)

Kishon: Sie werden es erleben. Eine Terrororganisation wird eine Atombombe haben und dann kommt die Hölle. Manche Organisationen werden behaupten, die Atombombe zu haben, obwohl es gar nicht stimmt. Bei anderen wird diese Behauptung der Wahrheit entsprechen. Die Bombe wird erpresserisch eingesetzt werden. Terroristen von heute sagen vielleicht: Wir sprengen das Nationaltheater!

Die Terroristen mit der Atombombe aber werden anders vorgehen. ›Wir vernichten eine Großstadt!‹ werden sie vielleicht drohen. Das ist unvermeidbare Zukunft!

Walter-Jörg Langbein: Meinen Sie, dass die großen Nationen sich erpressen lassen werden?

Kishon: Das ist eine Frage, worauf niemand antworten kann, weder der amerikanische Präsident, noch der sowjetische Vorsitzende des Politbüros. Stellen Sie sich vor: Man teilt dem amerikanischen Präsidenten mit, dass eine Atombombe in New York versteckt ist. Wenn die Juden nicht übermorgen beginnen, Israel zu verlassen, dann werden wir New York vernichten. Was soll der amerikanische Präsident tun? Die Juden zwingen, ihre Heimat zu verlassen? Zuschauen, wie New York vernichtet wird? Beides kann er nicht.

Ich glaube und hoffe, dass die großen wie die kleinen Nationen auf diese Situation vorbereitet sind und dass sie dann über die nötigen Instrumente verfügen werden, mit Hilfe derer es ihnen möglich ist zu entdecken, wo Atomwaffen versteckt sind. Oder dass es andere Möglichkeiten gibt, diese Art von Terror zu bekämpfen.

Ein einzelner Mann kann allein kann dann die Welt beherrschen, wenn er die Atombombe hat... schlimmer als einzelne Diktatoren wie Gaddafi sind anonyme Gruppen wie die ›Rote Armee‹ in Italien. Das sind abstrakte Begriffe. Wen sollen die Ordnungshüter da fassen? Gegen wen sollen sie kämpfen, wann und wo?

Mich wundert es, offen gesagt, dass man heute (Anmerkung: 1985!) noch über die Möglichkeit eines Atomkrieges zwischen den Großmächten spricht. Es gibt keinen Staatschef, der so verrückt wäre, so etwas zu riskieren, der sagt: ›In einer halben Stunde vernichte ich mein eigenes Land!‹ So blöd ist keiner!

Walter-Jörg Langbein: Und ein Krieg aus Versehen....

Kishon: Auf diese Weise können vielleicht örtliche, lokal begrenzte Kriege entstehen, aber kein Weltkrieg.

Es ist kein Zufall, dass die Großmächte ihre Kriege nicht selbst führen, dass die Kubaner oder die Ostdeutschen für sie kämpfen. Die Großmächte sind da zu vorsichtig. Aber Kriege werden immer sein. Kriege gehören zur menschlichen Natur. Der Mensch hat Tiere und die Kräfte der Natur besiegt. Nur der Mensch kann noch gegen die Menschen kämpfen. Im Laufe der Geschichte hat er das ja sehr gut getan.

Aber eines muss gesagt werden: Diese viel verfluchte Atomwaffe hat den Weltfrieden erhalten. Diese Waffe, über die jeder schimpft, die jeder hasst, die hat den III. Weltkrieg verhindert. Der Frieden ist von der Atomwaffe gekommen. Wir haben einen Zwangsfrieden. Das Schicksal der Welt liegt in den Händen der kleinen Mächte mit atomaren Waffen. Wir werden in einer James-Bond-Atmosphäre leben. Ein ›Goldfinger‹ beherrscht die Welt dann von irgendeinem Loch aus. Das wird eine Holocausterpressung.

Walter-Jörg Langbein: Glauben Sie an PSI?

Kishon: Das schon. Ich bin überzeugt, dass es da etwas gibt, Kräfte oder Wellen. Uri Geller zum Beispiel... Sicher, er hat auch ein wenig geschwindelt, aber nicht ausschließlich. Wir wissen es vielleicht nicht: Er wurde in den USA den schwierigsten Tests unterworfen. Und er hat bestanden.

Wenn Sie zum Beispiel ein Fünfeck zeichnen, in einen verschlossenen Umschlag stecken – er wird das Bild erkennen. Vielleicht wird er nur etwas Ähnliches sehen, statt des Fünfecks vielleicht ein Dreieck oder einen aufgespannten Regenschirm. Oder etwas Ähnliches. Aber manchmal sind die Übereinstimmungen, die Dinge, die er wirklich seherisch erkennt, verblüffend. Ich habe übrigens Uri Geller entdeckt. Doch, an PSI glaube ich, von PSI bin ich überzeugt!

Walter-Jörg Langbein: Lieber Herr Kishon, vielen Dank für dieses Gespräch!

Als Abschluss des Interviews erscheint am 14.02.2010 als Teil 4 dieser kleinen Kishon-Serie: Briefwechsel – Fragen und Antworten

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Die Bücher von Ephraim Kishon

Foto Ephraim Kishon: ©Verlag Langen Müller

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