Sonntag, 14. Februar 2010

5 »Die Tempel von Mahabalipuram (Indien)«

Walter-Jörg Langbein
Teil 5 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«

Mahabalipuram (eigentlich Mamallapuram) liegt im Bundesstaat Tamil Nadu, direkt an der Südostküste Indiens. Von Chennai (Madras) aus erreicht man die mysteriöse Tempelstadt über die Küstenstraße in etwa einer Stunde. »Gemäßigtes Klima« soll hier herrschen, versprechen die Reiseführer. Als ich aus dem Bus steige, kommt es mir vor, als habe ich mich in eine gewaltige Sauna verirrt. Schon nach kürzester Zeit klebt die Kleidung wie eine zweite Haut am Leibe. Ein sandiger Badestrand lädt verführerisch zu einer Abkühlung ein... und die gefräßigen Haie sollen sich angeblich nur weiter draußen, im tieferen Wasser, aufhalten. Mag sein, dass es so eine Art von stillschweigendem Abkommen zwischen Hai und Mensch gibt... doch ist darauf Verlass?

Heute ist Mahabalipuram ein verschlafenes Fischerdorf... immer noch. Einst muss es ein bedeutendes religiöses Zentrum gewesen sein.... vor etwa eineinhalb Jahrtausenden. Irgendwann versank die einstige Hafenstadt der Metropole Kanchipuram in den Schlaf des Vergessens und des Vergessenwerdens. Erst 1984 nahm die UNESCO Mahabalipurams Tempelbezirk ins »Weltkulturerbe« auf.

Besonders imposant ist das größte Flachrelief der Welt: 27 Meter breit und neun Meter hoch. Angeblich soll das riesige Bildnis »Arjunas Buße« darstellen. Für welche Missetat mag die legendäre Gottheit wohl bestraft werden? Das durch die meisterliche Präzision bestechende Kunstwerk bezieht ganz bewusst einen natürlichen Felsspalt ein. Hier soll einst Wasser geflossen sein... plastisch-realistisch den heiligen Strom Indiens darstellend. Und so heißt das gewaltige Kunstwerk auch: »Herabkunft des Ganges vom Himmel«.

Die märchenhaft anmutende Symbolik der plastischen Darstellung auf der Steinwand erschließt sich dem aufmerksamen Betrachter sofort, sobald er sich nur an die altindische Lehre vom Kosmos erinnert: Das Weltall wurde als riesiger »Ozean« gesehen. Die Planeten wurden als Inseln betrachtet. Der Fluss, der aus dem Himmelsmeer zur Erde herabfließt, kann dann sehr wohl als Verbindung zwischen Kosmos (Himmel) und Erde verstanden werden. Ein solcher Kontakt zwischen All und Erde ist nach unserem Verständnis nur per Raumfahrt möglich. Im Zentrum des Reliefs steigen Gottheiten vom Himmel herab: im »kosmischen Fluss«. Es sind amphibische Wesen, so wie viele Götter der Südsee, Südamerikas und Afrikas. Das ist deutlich zu erkennen! Götter, die aus dem Himmel zur Erde herabsteigen... von ihnen wimmelt es förmlich in der altindischen Literatur.

Die heiligen Bücher des alten Indien, etwa das Mahabharata, sind wahre Enzyklopädien: Götter, ihre Vehikel und ihre Waffen werden ausführlichst beschrieben! Arjuna ist einer der großen Helden, denen das Mahabharata huldigt. Arjuna soll mit dem fliegenden Himmelswagen der Supergottheit Indra ins All geflogen sein. Im All, so überliefert es das Mahabharata, sah Arjuna viele »Himmelswagen«. Erinnern die alten Texte an prägistorische Besucher von außerirdischen Wesen auf der Erde?

Unweit des kosmischen Szenarios in Stein, direkt am Strand gelegen: fünf Rathas, allesamt aus einem einzigen gewachsenen Steinblock gehauen. Rathas sind Flugvehikel der Götter, die offenbar zwischen riesigen Mutterraumschiffen im Erdorbit und der Erdoberfläche hin- und herpendelten. Aus heutiger Sicht gab es vor Jahrtausenden so etwas wie Shuttleflüge zwischen Erde und riesigen Weltraumstädten unvorstellbaren Ausmaßes. Den alten Überlieferungen zufolge drehten sich die gewaltigen radförmigen Superraumschiffe stetig um die eigene Achse und erzeugten so an Bord künstliche Schwerkraft.

Die Rathas von Mahabalipuram sind recht unterschiedlich gestaltet. So unterschiedlich sie auch gestaltet sein mögen... es sind immer Darstellungen von prähistorischen Flugvehikeln der »Götter« aus dem All. Eines dieser Götter-Vehikel erinnert an eine einfache steinerne »Hütte«. Das zweite Fahrzeug ist mit herrlichen Skulpturen geschmückt. Jede einzelne ist liebevoll bis ins letzte Detail ausgestaltet. Das dritte beherbergt in seinem Inneren ein göttliches Wesen. Ist es der Pilot? Oder ein Passagier? Das vierte ist komplexer als seine »Kollegen« und gleich mehrstöckig angelegt. Das fünfte hingegen wirkt wieder eher bescheiden. Alle fünf Tempelchen, die im abendlichen Licht der untergehenden Sonne zauberhaft schön erstrahlen, sind steingewordene Flugvehikel der kosmischen Götter Indiens.

Die Tempel von Mahabalipuram stehen in einem phantastischen Kontext: sie gehören in die faszinierende Welt der altindischen Tempel, von denen es einst Zigtausende gab. Leicht entstehen Missverständnisse... etwa wenn es um den Begriff »Tempel« geht. Der »Tempel« in Indien ist weit mehr als ein Raum für religiöse Zeremonien, wie mehr als ein Gebäude mit religiösem Hintergrund.

Im christlich geprägten »Abendland« ist ein »Tempel« ein Ort der Verehrung und Anbetung Gottes. Die Gemeinde versammelt sich im »Gotteshaus«, um in stiller Andacht zu beten, frommes Liedgut zu singen oder der Predigt des Priesters zu lauschen. Für den Christen ist die Kirche ein Ort der Versammlung. Der Geistliche ist im Idealfall ein Schriftkundiger, der die Bibel für das gläubige Volk auslegen kann. Schriftkundig musste der Sthapati im alten Indien auch sein. Er musste sich auch in den heiligen Riten perfekt auskennen. Und er musste über ein ganz außergewöhnliches Wissen verfügen.

»Vimanas« heißen die prähistorischen Flugvehikel der Götter aus dem All in der altindischen Überlieferung. »Vimana« war nach heutigem Verständnis ein außerirdisches Flugvehikel. »Vimana« heißt der so viele Tempel dominierende Turm. Warum? Zufall ist ganz sicher nicht im Spiel!

»Der Turm selbst heißt im Süden Vimana, sein an der Spitze gerundeter Abschlußstein aber Sikhara oder Stupika, was der Bezeichnung für den gesamten Nagara-Turm entspricht.« steht in »Das alte Indien«, verfasst von Heinrich Gerhard Franz. Solche Tempeltürme sah ich zu Hunderten auf meiner faszinierenden Indienreise. Etwa in Bhubaneswar. So wird der um 750 errichtete »kleine« Parasuramesvara-Tempel von eben diesem Turm dominiert. Ebenso wie der Rajarani-Tempel, 250 Jahre jünger, aus der gleichen Stadt. Wie steht doch geschrieben im altehrwürdigen, heiligen indischen Text »Natyasastra« von Bharata? »Die Tempel sind nach den Vorbildern der himmlischen Flugzeuge entworfen.«

Dem Gott Schiwa geweiht, der vor vielen Jahrtausenden Indiens Himmel mit seinem Flugapparat unsicher machte, ist eines der imposantesten Bauwerke, das ich in Indien gesehen habe. Ich beschrieb das Bauwerk in meinem Buch »Das Sphinx-Syndrom/ Die Rückkehr der Astronautengötter« wie folgt:

»Ein besonders schönes Beispiel für ein in heiligem Stein verewigtes Raumschiff ist der Brhadisvara-Tempel im Westen der Stadt Tanjore. Das mächtige Bauwerk ist von Südosten nach Nordosten ausgerichtet. Betritt man den Tempel von Südosten, so folgen auf eine Säulenhalle der große Versammlungssaal, dann ein Vorraum und schließlich das Heiligtum selbst. Über diesem Sanktuarium erhebt sich in einer Gesamthöhe von 74 Metern der Tempelturm, auch Turmpyramide genannt. An der Spitze steht das Götterfahrzeug.«

1003 soll das Heiligtum nach nur siebenjähriger Bauzeit vollendet worden sein....eine imposante Leistung. Ans Wundersame grenzt Folgendes: In 70 Metern Höhe thront die Nachbildung des Götterfahrzeugs, sie ist aus einem einzigen Granitbrocken gefertigt. Und wiegt immerhin stolze 80 Tonnen! Niemand vermag schlüssig darzulegen, wie denn damals der Steinkoloss in die luftige Höhe gewuchtet wurde!


Dr. Richard Thompson, einer der besten Indienkenner Amerikas: »Die Erde wurde vor Jahrtausenden von Außerirdischen besucht. Jene Wesen, die interstellare Raumfahrt betrieben und von Planet zu Planet reisten, kamen auch nach Indien.« Thompson zum Verfasser: »Man kann die steinernen Tempeln Indiens wie ein Buch lesen!«

Unzählige Beschreibungen von mysteriösen Flugvehikeln, von Raumschiffen der Vorzeit, wurden von den Sthapatis schriftlich niedergelegt, von Generation zu Generation überliefert. Man begnügte sich aber nicht damit, oft sehr konkrete Beschreibungen der göttlichen Gefährte schriftlich zu fixieren. Man holte sie auch auf die Erde, verewigte sie in Stein. Der schriftkundige Sthapati war nicht nur Priester, er war auch Architekt, leitete den Tempelbau. Ziel war es, die Raumschiffe der Götter in Stein zu verewigen, um in den Nachbildungen der Vimanas die höchst körperlichen Götter der Vorzeit zu verewigen.

So heißt es im altehrwürdigen indischen Text »Natyasastra«: »Die Tempel sind nach den Vorbildern der himmlischen Flugzeuge entstanden.« So stellt auch der Tempel im Westen der Stadt Tanjore, der Brhadisvara-Tempel, ein altindisches Vimana dar. Er ist dem Gott Shiva geweiht, der nach alten Überlieferungen in der Stadt Vijayanagara einen Stützpunkt hatte. Betritt man den Tempel, nachdem man alter Landessitte folgend aus Respekt vor der Heiligkeit des Ortes die Schuhe ausgezogen hat, im Südosten, so passiert man zunächst die imponierende Säulenhalle und den großen Versammlungssaal, geht durch einen Vorraum und gelangt endlich in das Hauptheiligtum selbst . Darüber erhebt sich der Tempelturm zu einer Höhe von immerhin 74 Metern. Auf der Spitze dieses Turms, die auch als Tempelpyramide bezeichnet wird, thront das Göttervehikel selbst.

Teil 6 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
erscheint am 21. Februar 2010:
»Der Mann mit dem Hut«

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Fotos ©Walter-Jörg Langbein /Foto Langbein vor Tempel: Ingeborg Diekmann

Kommentare:

  1. hast du das alles wirklich erläbt??

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  2. Ja! Die Serie basiert auf meinen Reisen, die ich im Verlauf der letzten dreißig Jahre unternommen habe.

    WJL

    AntwortenLöschen

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