Mittwoch, 30. Dezember 2009

Neues aus Merkwürdistan - Teil V

Liebe Freunde dieser Serie!
Seit ich die Blog-Reihe über Merkwürdistan gestartet habe, sind zahlreiche Anfragen bei mir eingelangt. Das freut mich natürlich sehr, denn es zeigt, dass das Interesse an dieser Serie rege ist. Ich bemühe mich übrigens, alle Zuschriften zu beantworten, bitte um Verständnis, wenn es mal etwas länger mit der Antwort dauert.
Herr Heinz Blaumann aus Berlin wies mich darauf hin, dass ich in meinen Blogs sehr oft die Zeilenschaltung verwende und bat mich ferner, das Land Merkwürdistan einmal grundsätzlich zu beschreiben. Ist es ein südliches Land? Ist es eine Demokratie oder eine Diktatur? Sind die Menschen arm oder reich in Merkwürdistan?
Nun, was die Verwendung der Zeilenschaltung betrifft, so gelobe ich Besserung und dem zweiten Wunsch von Herrn Blaumann komme ich ebenfalls gerne nach. Somit wollen wir heute den Amtsschimmel ein allerletztes Mal im Stall lassen (dort fühlt er sich ohnehin am wohlsten, denn er kann in aller Ruhe die Bürger Merkwürdistans sekkieren und abzocken) und uns damit beschäftigen, das Land Merkwürdistan etwas näher zu beschreiben.
Merkwürdistan ist ein kleines Land, voller landschaftlicher Schönheiten. Es gibt hohe Berge, tiefe Wälder, schattige Wiesen und zahlreiche Seen. Eines gibt es allerdings nicht: eine Meeresküste. Die Bewohner Merkwürdistans leiden auch ziemlich darunter, ein Binnenstaat ohne Zugang zum Meer zu sein und bei dieser Gelegenheit können wir gleich etwas Wichtiges über die merkwürdistanische Seele lernen: wenn ein Merkwürdistaner ein Problem sieht, welches er – scheinbar oder tatsächlich – nicht lösen kann, dann tut er einfach so, als wäre dieses Problem überhaupt nicht vorhanden.
Wie „camoufliert“ man nun die Tatsache, keinen Zugang zum Meer zu besitzen, vor sich und anderen am besten? Nun, man veranstaltet zum Beispiel an einem See in Merkwürdistan ein „Beachvolleyball-Turnier“ und macht kräftig Werbung dafür. Zum einen läßt dies die Kassen der Veranstalter klingeln und zum anderen erweckt es den Eindruck, dass ohnehin alles in Ordnung sei, denn wo ein „Beach“ ist, muss ja auch irgendwo ein Meer sein. Somit passt wieder alles in diesem Land und es können sich alle wieder dem ausgiebigen Besuch von Buschenschanken und Kaffeehäusern – eine Lieblingsbeschäftigung der Merkwürdistaner – widmen.
Merkwürdistan ist eine Demokratie. Offiziell zumindest.
Was das heißen soll? Nun, in Merkwürdistan existiert ein aus Sicht des Staates wahrhaft geniales System, welches, vereinfacht gesagt, wie folgt funktioniert: Geld wird von den Steuerzahlern geschröpft und nach Abzug immenser Verwaltungskosten in Form von Fördergeldern und Subventionen wieder ausbezahlt. Dadurch machen sich die Bürger vom Staat abhängig. Die Devise in Merkwürdistan lautet somit: „Nichts geht ohne den Staat.“
Aber es gibt auch Positives in Merkwürdistan: Es existiert in dem Land zum Beispiel eine Spezies, welche überall sonst auf der Welt nur äusserst selten anzutreffen ist:
Der Kavalier.
Was zeichnet einen richtigen Kavalier aus? Nun, er verfügt in der Regel über gute Manieren, welche es ihm gestatten, in nahezu jeder Lebenslage selbstsicher und weltgewandt zu agieren. Aber das wirklich Besondere an ihm: Der Kavalier verhält sich stets galant, zuvorkommend und ritterlich gegenüber Frauen und lässt ihnen jede Ehrerbietung zuteil werden. Und zwar, und das ist das Entscheidende, ohne dabei jene „Hintergedanken“ zu hegen, die man Männern ja so gerne nachsagt.
Ein echter Kavalier ist für eine Dame somit absolut nicht „gefährlich“, ganz im Gegenteil: In Gegenwart eines Kavaliers kann sich eine Dame absolut sicher und beschützt fühlen!
Sie finden das merkwürdig?
Nun, ich eigentlich nicht.
Ich finde eher jene Männer merkwürdig, die keine Kavaliere sind.

Kommentare:

  1. Kavaliere gibt es also in Merkwürdistan? Na ja, man soll nicht meckern, die gibt es ja angeblich auch noch teilweise bei uns in der realen Welt.
    Nein, mal ernsthaft die Merkwürdistan-Beiträge sind einfach herrlich unterhaltsam und manches kommt mir darin so bekannt vor, als würde es glatt auch in unserem Alltag passieren. ;-))
    Werde diese Reihe weiter verfolgen, mit einem zufriedenen Grinsen.

    AntwortenLöschen
  2. Vielen Dank für den netten Kommentar, bitte um Entschuldigung, dass ich so spät antworte. Es stimmt natürlich, ritterliches Benehmen kann man anderswo auch finden. Allerdings bestehen hier m.E. begriffliche Unterschiede: Die internationale Entsprechung des Begriffes "Kavalier" wäre wohl der "Gentleman". Allerdings ist dieser Begriff weiter gesteckt, es geht hier nicht nur um Manieren und Ritterlichkeit, sondern auch um Dinge wie Verlässlichkeit, Satisfactionsfähigkeit oder Handschlagqualität. Dann gibt es natürlich noch kavaliersmäßiges Verhalten, also etwa, einer Dame den Vortritt zu lassen.
    Aber der echte, merkwürdistanische Kavalier entspringt einer eigenen Lebens- und Geisteshaltung, die nicht ganz einfach zu erklären ist. Ich werde, wenn sich die Gelegenheit ergibt, in einem meiner nächsten Beiträge nochmals darauf eingehen.
    Mit herzlichem Gruß
    Robert Brettschneider

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