Mittwoch, 23. Dezember 2009

Neues aus Merkwürdistan - Teil IV

Heute, am Vortag des Weihnachtsfestes, möchte ich wieder aus Merkwürdistan berichten. Ihr wisst ja, das ist jenes Land, in dem merkwürdige Dinge passieren.
Ob auch in Merkwürdistan Weihnachten gefeiert wird?
Natürlich!
Aber kann es in Anbetracht der Zustände in diesem Land auch eine echte Menschlichkeit geben?
Am Abend des 22.Dezember will die Rentnerin Erika K. zum Tagesausklang ein Buch lesen.
Plötzlich verspürt sie starke Zugluft – Gift für ihr Rheuma. Aufgrund der schlecht schliessenden Wohnungstüre macht sie auch sofort die Ursache dafür aus: jemand muss am Gang ein Fenster offen gelassen haben!
Nur mit einem Schlafrock bekleidet, tritt die Rentnerin auf den Gang, um das Fenster zu schliessen.
Rumms!
Das war allerdings nicht das Fenster, sondern die Eingangstür, welche ins Schloss gefallen war.
Erika K ist ausgesperrt, mit Schrecken bemerkt sie, in welcher Lage sie sich befindet: sie hat weder Handy noch Geld bei sich.
Anstatt eine Nachbarin um Hilfe zu bitten, läuft sie in Panik hinunter auf die Straße. Sie weiß: ihre Tochter hat einen Schlüssel zu ihrer Wohnung, nur die Tochter wohnt am anderen Ende der Stadt. Wie soll sie um diese Uhrzeit zu ihr gelangen?
Am Ende der Straße ein Taxistandplatz. Ein Taxifahrer bemerkt die verstörte Frau:
„Was ist denn los, Gnädigste, kann ich Ihnen helfen?“
Die Rentnerin schildert ihre mißliche Lage.
„Steigen´s ein!“, der Taxifahrer öffnet den Verschlag seines Mercedes.
Aber sie habe doch kein Geld dabei, wendet Erika K. ein.
„Einsteigen, das mach ma schon.“ - der Tonfall des Taxlers lässt irgendwie keinen Widerspruch zu.
Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, fährt er die Rentnerin zu ihrer Tochter. Glücklicherweise ist sie zu Hause, der Reserveschlüssel ist auch schnell gefunden.
Sodann fährt er die Rentnerin wieder zurück, hilft der vor Aufregung Zitternden auch noch beim Aufsperren der Wohnungstür.
Daraufhin bietet Erika K. an, die Taxifahrt zu bezahlen, nun hat sie ja ihr Portemonnaie wieder.
Der Taxler winkt ab: „Lassen´s nur, Gnädigste, es ist ja Weihnachten!“.
Es gibt sie also doch noch, die echte Menschlichkeit – auch in Merkwürdistan.
Sollte das nicht Anlass zur Hoffnung geben?

Ich wünsche allen Lesern dieses Blogs und allen Freunden unserer Autorengemeinschaft ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!
Ihr
Robert Brettschneider

Teil V dieser Serie finden Sie hier:

1 Kommentar:

  1. Lieber Robert,
    was wäre die Welt ohne "Merkwürdistan". Es ist schön, dass dort so verständnisvolle, hilfsbereite Menschen leben. Leider gibt es davon nicht genug. Gelungener Beitrag!

    AntwortenLöschen

+++ Aus aktuellem Anlass +++
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