Montag, 21. Dezember 2009

Mein Schatz, mein Goldstück, mein Juwel ... und das auf alle Zeiten

Menschen schreckt am Tod wohl vor allem die Vorstellung vom eigenen Sterben, das nach Möglichkeit nicht qualvoll sein und im besten Fall über Nacht im Schlaf stattfinden soll. Die Vorstellung, jahrein, jahraus in einem engen dunklen Sarg unter der Erde zu liegen - sei er auch noch so teuer und edel - ist ein weiteres Gespenst, das bei vielen Menschen große Ängste auslöst. Da nützt es wenig, wenn immer wieder bestätigt wird, dass man von dem, was nach dem Sterben des Körpers mit ihm geschieht, nichts spürt. Erstens, wer weiß das schon genau und zweitens spürt man die Ängste jetzt, während man noch lebt und das ist erschreckend genug, um die Gedanken an den eigenen Tod weit fortzuschieben.


Dies ist einer der Gründe, weshalb Feuerbestattungen auch in Europa auf dem Vormarsch sind. Da kann man zumindest sicher sein, dass sein Körper nicht auf zig Jahre dem langsamen Prozess der Erdwerdung ausgeliefert ist. Denn im Gegensatz zur relativ schnellen natürlichen Rückführung in den lebendigen Kreislauf, wie sie bei Tieren in freier Wildbahn, von statten geht, dauert diese Verwandlung nicht etwa nur Wochen oder Monate, sondern viele Jahre. Und je nach Bodenart - findet sie auch gar nicht statt.


Natürlich hat auch die Feuerbestattung einen Punkt, dessen Vorstellung nicht gerade Freude auslöst. Der Moment, wo das Feuer den toten Körper erfasst, der sich aufbäumt und für nicht Eingeweihte doch recht makaber aussieht, hat seinen speziellen Gruselfaktor, den auch nicht jeder ertragen mag. Wenigstens aber hat man die Gewissheit, dass es nach relativ kurzer Zeit vorbei ist und zurück nur die Asche bleibt. Die Verbrennung ist nichts weiter als der Turboprozess der Zerlegung in die Grundbestandteile unseres materiellen Körpers.


Von diesem Punkt aus sind vermutlich alle Ängste vergessen. Denn als Asche in einer Urne zu landen, ruft keinerlei erschreckende Gefühle mehr hervor. Im Gegenteil, es kann sogar beruhigend sein. Asche ist eine sterile und saubere Sache. Und Asche ist noch mehr. Sie ist der Grundstoff aus dem Diamanten seit Millionen Jahren hervorgehen.


Findige Chemiker haben unlängst ein Verfahren entwickelt, mit dessen Hilfe die Asche Verstorbener zu Diamanten verarbeitet werden kann. Und das ist jetzt wiederum eine Vorstellung, die bei einigen Menschen ein Lächeln ins Gesicht und ein Leuchten in die Augen zaubert. Ein Diamant! Das ist an Ästhetik und Reinheit kaum noch zu überbieten. Niemand wird sich vor einem Diamanten ekeln und jeder wird den Verstorbenen auch nach seinem Tod noch freudig ansehen, anfassen und bestaunen. Diese Aussicht auf ein ewiges körperliches Leben kommt unserer menschlichen Eitelkeit doch sehr entgegen. Noch dazu, wenn Angehörige sich vielleicht ein Schmuckstück daraus arbeiten lassen, das von Generation zu Generation weiter vererbt wird. Schon die Kinder der Enkel können auf diese Weise zu festlichen Anlässen eine ganze Ahnengalerie zum nächsten Opernabend ausführen. Oma, Opa, Tanten ... alle sind stets strahlend dabei und können stolz auf Ringen, an Ketten, Armbändern oder Ohrsteckern spazieren getragen werden.


Mal ehrlich, wäre das nicht eine denkbare Alternative zur herkömmlichen Erdbestattung? Bei der Gelegenheit wird auch das zunehmende Platzproblem auf Friedhöfen nebenbei gelöst. Ein weiterer Pluspunkt für diese Art der Ahnenpflege ist, dass menschliche Körper zunehmend von Umweltgiften und Chemikalien aus Medikamenten und lebenslang aufgenommenen Schwermetallen verseucht sind. Der Zerfall einer so vergifteten Leiche fällt schon heute eigentlich unter die Rubrik „Sondermüll“ und belastet das Grundwasser erheblich. Noch ein Nebeneffekt ist die entfallende Grabpflege mit allen Nebenkosten. Sie beschränkt sich auf ein gelegentliches Anhauchen und zärtliches Putzen des Schmuckstückes. Es spricht ja nichts dagegen, diesem Schmuckstück zu Hause einen besonderen Platz als Gedenkstätte einzurichten.


Sie glauben ich mache mich lustig über ein tabuisiertes Thema? Seien Sie gewiss, das würde mir im Traum nicht einfallen. Denn auch ich habe Respekt vor dem Leben wie vor dem Sterben, habe Menschen, die mir viel bedeutet haben, schon verabschieden müssen und weiß um Trauer und Schmerz und Verlust. Dennoch mache ich mir, wie jeder andere Mensch, so meine Gedanken über das, was am Ende bleibt - immer in der Gewissheit, dass der Tod auch stets an meiner Seite geht. Möglicherweise kann ich ihm einen etwas selbstverständlicheren Platz in meinem Leben einräumen, weil ich weiß, dass ich ihm nicht ausweichen kann. Und wenn ich schon den Zeitpunkt und sein Daherkommen so wenig bestimmen kann, wie es die Helden in meinem Buch „Bestatten, mein Name ist Tod!“ konnten, dann nehme ich mir doch wenigstens die Freiheit, zu bestimmen, was mit meiner tapferen, geduldigen Hülle danach geschieht. Der Rest geht eh dahin, wo er hergekommen ist — und zuweilen schon jetzt auf Stippvisite geht — aber davon ein anderes Mal. Den Tod jedenfalls, mit all seiner Dramatik, würde bestenfalls ein Totengräber auf die Schippe nehmen. Dazu bietet mir das Leben mit seinen kuriosen und fluffigen Zeiten weitaus mehr Gelegenheiten, die zu erzählen, ich ebenfalls nicht versäume.


gcroth


Bildnachweis: mad max; www.pixelio.de
Diamantbestattung

1 Kommentar:

  1. Das ist ein Thema über das man nachdenken sollte. Rechtzeitig! Ich plage mich auch schon lange mit dem Gedanken herum, Erd- oder Feuerbestattung. Noch bin ich wankelmütig, aber dennoch glaube ich die richtige Wahl zu treffen.

    Man sollte auch an die Umwelt denken, und da sind Feuerbestattungen sicher eine saubere Sache. Ich finde so viel Schreckliches haben diese Überlegungen gar nicht ansich. Das wird in diesem Text sehr schön deutlich.

    LG.Rita Hajak

    LG

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